Näherinnen stehen neben einer Reihe von Nähmaschinen in einer Bekleidungsfabrik in Lesotho.

WESO Trends: Update Mai 2024

ILO erwartet leichten Rückgang der weltweiten Arbeitslosigkeit bis 2024, allerdings sind die schleppenden Fortschritte beim Abbau von Ungleichheiten „besorgniserregend"

Der ungleiche Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten bleibt weltweit ein Problem, selbst bei ermutigenden Prognosen der ILO für die Verbesserung der weltweiten Arbeitslosigkeit.

29. Mai 2024

Näherinnen stehen neben einer Reihe von Nähmaschinen in einer Bekleidungsfabrik in Lesotho. © ILO

GENF (ILO News) - Neue Prognosen zeigen leichten Rückgang der weltweiten Arbeitslosigkeit in 2024. Dennoch bleiben die Ungleichheiten auf den Arbeitsmärkten bestehen, wobei Frauen in Ländern mit niedrigem Einkommen besonders betroffen sind, so ein neuer Bericht der International Labour Organization (ILO).

Der ILO-Bericht World Employment and Social Outlook: May 2024 Update prognostiziert, dass die weltweite Arbeitslosenquote 2024 bei 4,9 Prozent liegen wird, gegenüber 5,0 Prozent im Jahr 2023. Mit dieser Zahl wird die frühere ILO-Prognose von 5,2 Prozent für dieses Jahr nach unten korrigiert. Es wird zudem erwartet, dass sich der Abwärtstrend bei der Arbeitslosigkeit im Jahr 2025 abflacht und die Arbeitslosenquote bei 4,9 Prozent verbleibt.

Trotz dieser Aussichten wird in dem Bericht ein anhaltender Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten hervorgehoben. Die ILO schätzt, dass die "Beschäftigungslücke" - die Anzahl der Personen ohne Arbeit, aber mit dem Wunsch nach Beschäftigung - in 2024 bei 402 Millionen Personen liegt. Darin enthalten sind 183 Millionen Menschen, die als arbeitslos gezählt werden.

Trotz unserer Bemühungen, globale Ungleichheiten zu verringern, ist der Arbeitsmarkt nach wie vor ein ungleiches Spielfeld.

Generaldirektor der ILO, Gilbert F. Houngbo

"Der heutige Bericht zeigt kritische beschäftigungspolitische Herausforderungen auf, die wir noch angehen müssen. Trotz unserer Bemühungen, globale Ungleichheiten zu verringern, ist der Arbeitsmarkt nach wie vor ein ungleiches Spielfeld, insbesondere für Frauen", so der Generaldirektor der ILO, Gilbert F. Houngbo. "Um einen nachhaltigen Aufschwung zu erreichen, von dem alle profitieren, müssen wir auf eine integrative Politik hinarbeiten, die den Bedürfnissen aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Rechnung trägt. Wir müssen Inklusion und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt unserer Politik und unserer Institutionen stellen. Wenn wir dies nicht tun, werden wir unser Ziel, eine starke und integrative Entwicklung zu gewährleisten, verfehlen."

Detailanalysen aus dem Bericht zeigen, dass Frauen, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen, unverhältnismäßig stark vom Mangel an Erwerbsmöglichkeiten betroffen sind. Die Beschäftigungslücke für Frauen in Ländern mit niedrigem Einkommen beträgt beachtliche 22,8 Prozent, während sie bei Männern 15,3 Prozent beträgt. In Ländern mit hohem Einkommen liegt die Quote dagegen bei 9,7 Prozent für Frauen und 7,3 Prozent für Männer.

Diese Unterschiede sind nur die "Spitze des Eisbergs", da deutlich mehr Frauen als Männer völlig vom Arbeitsmarkt abgekoppelt sind. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass familiäre Verpflichtungen einen Großteil der Unterschiede bei den Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern erklären können. 2024 sind weltweit 45,6 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter erwerbstätig, verglichen mit 69,2 Prozent der Männer.

Selbst wenn Frauen erwerbstätig sind, verdienen sie in der Regel weit weniger als Männer, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen. Während Frauen in Ländern mit hohem Einkommen 73 Cent im Vergleich zu einem von Männern verdienten Dollar verdienen, sinkt dieser Wert in Ländern mit niedrigem Einkommen auf nur 44 Cent.

Generell haben sich die Fortschritte bei der Verringerung von Armut und Informalität trotz Verabschiedung der 2030 Agenda for Sustainable Development im Jahr 2015 im Vergleich zum letzten Jahrzehnt verlangsamt. Die Zahl der informell Beschäftigten ist von etwa 1,7 Milliarden im Jahr 2005 auf 2,0 Milliarden im Jahr 2024 gestiegen. Um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist ein "umfassender Ansatz" zur Verringerung von Armut und Ungleichheit dringend erforderlich, so das Fazit des Berichts.