Zwangsarbeit

Jährliche Gewinne aus Zwangsarbeit steigen um 236 Milliarden US-Dollar nach Daten der ILO

Die neue ILO-Studie über Zwangsarbeit in der Privatwirtschaft zeigt einen Anstieg der illegalen Gewinne aus Zwangsarbeit um 37 Prozent seit 2014.

Pressemitteilung | 19. März 2024
© ILO
GENF (ILO News) - Zwangsarbeit in der Privatwirtschaft bringt jährlich 236 Milliarden US-Dollar an illegalen Gewinnen, so ein neuer Bericht der International Labour Organization (ILO).

Der Gesamtbetrag der illegalen Gewinne aus Zwangsarbeit ist seit 2014 um 64 Milliarden US-Dollar (37 Prozent) gestiegen, ein dramatischer Anstieg, angetrieben sowohl durch eine wachsende Zahl von Menschen, die zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, als auch durch höhere Gewinne erzielt durch die Ausbeutung der Opfer.

Der ILO-Bericht Profits and Poverty: the economics of forced labour (Gewinne und Armut: die Wirtschaft der Zwangsarbeit) legt Schätzungen zugrunde, wonach Menschenhändler und Kriminelle derzeit nahezu 10.000 US-Dollar pro Opfer erwirtschaften gegenüber 8.269 US-Dollar (inflationsbereinigt) vor einem Jahrzehnt.

Die jährlichen illegalen Gewinne aus Zwangsarbeit sind in Europa und Zentralasien am höchsten (84 Milliarden US-Dollar), gefolgt von Asien und dem Pazifik (62 Milliarden US-Dollar), Nord- und Südamerika (52 Milliarden US-Dollar), Afrika (20 Milliarden US-Dollar) und den Arabischen Staaten (18 Milliarden US-Dollar).

Bezogen auf die illegalen Gewinne pro Opfer, sind die jährlichen illegalen Gewinne in Europa und Zentralasien am höchsten, gefolgt von den Arabischen Staaten, Nord- und Südamerika, Afrika sowie Asien und Pazifik.

Auf die kommerzielle sexuelle Zwangsausbeutung entfallen mehr als zwei Drittel (73 Prozent) der gesamten illegalen Gewinne, obwohl sie lediglich 27 Prozent der Gesamtzahl der Opfer von privater Zwangsarbeit ausmacht.

Diese Zahlen erklären sich durch den enormen Unterschied bei den Gewinnen pro Opfer zwischen kommerzieller sexueller Zwangsausbeutung und anderen Formen der nichtstaatlichen Zwangsausbeutung - 27.252 US-Dollar Gewinn pro Opfer bei ersterer gegenüber 3.687 US-Dollar Gewinn pro Opfer bei letzterer.

Nach der kommerziellen sexuellen Zwangsausbeutung ist die Industrie mit 35 Milliarden US-Dollar der Sektor mit den höchsten jährlichen illegalen Gewinnen aus Zwangsarbeit, gefolgt vom Dienstleistungssektor (20,8 Milliarden US-Dollar), Landwirtschaft (5,0 Milliarden US-Dollar) und Hausarbeit (2,6 Milliarden US-Dollar). Bei diesen illegalen Gewinnen handelt es sich um die Löhne, die rechtmäßig in die Taschen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehören, stattdessen aber bei den Ausbeutern verbleiben.
"Zwangsarbeit setzt den Kreislauf von Armut und Ausbeutung fort und berührt den Kern der Menschenwürde. Wir wissen heute, dass sich die Situation weiter verschlechtert hat. Die internationale Gemeinschaft muss dringend zusammenkommen und Maßnahmen ergreifen, um diese Ungerechtigkeit zu beenden."
Gilbert F. Houngbo, ILO Director-General

Im Jahr 2021 waren 27,6 Millionen Menschen an jedem beliebigen Tag von Zwangsarbeit betroffen. Diese Zahl entspricht mehr als 3 Menschen auf tausend weltweit. Zwischen 2016 und 2021 ist die Zahl der Menschen in Zwangsarbeit um 2,7 Millionen gestiegen.

"Menschen, die Zwangsarbeit verrichten, sind vielfältigen Formen von Zwang ausgesetzt, wobei die absichtliche und systematische Einbehaltung von Löhnen zu den häufigsten Formen gehört. Zwangsarbeit setzt den Kreislauf von Armut und Ausbeutung fort und berührt den Kern der Menschenwürde. Wir wissen heute, dass sich die Situation weiter verschlechtert hat. Die internationale Gemeinschaft muss dringend zusammenkommen und Maßnahmen ergreifen, um diese Ungerechtigkeit zu beenden, die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen und die Grundsätze der Gerechtigkeit und Gleichstellung für alle zu wahren", erklärte der Generaldirektor der ILO, Gilbert F. Houngbo.

In dem Bericht wird die dringende Notwendigkeit betont, in Vollstreckungsmaßnahmen zu investieren, um illegale Gewinnströme einzudämmen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Er empfiehlt die Stärkung des Rechtsrahmens, die Schulung von Vollzugsbeamten, die Ausweitung der Arbeitsaufsicht auf Hochrisikosektoren und eine bessere Koordinierung zwischen arbeitsrechtlicher und strafrechtlicher Verfolgung.

Zwangsarbeit kann jedoch nicht allein durch Strafverfolgungsmaßnahmen beendet werden. Die Vollstreckungsmaßnahmen müssen Teil eines umfassenden Ansatzes sein, bei dem die Bekämpfung der Ursachen und der Schutz der Opfer im Vordergrund stehen.
Das Protokoll von 2014 zum Übereinkommen C 29 über Zwangsarbeit aus 1930 und die Empfehlung 203 aus 2014 zu ergänzenden Maßnahmen bieten den strategischen Rahmen für umfassende Maßnahmen.