Weltweite Jugendarbeitslosigkeit steigt noch weiter an
Arbeitslosenraten unter jungen Menschen werden sich weltweit noch verschlechtern, da die Auswirkungen der Eurokrise nicht nur die Industrieländer, sondern auch die Schwellenländer betreffen.
4. September 2012
Die Auswirkungen der Eurokrise breiten sich auch auf Ostasien und Lateinamerika aus, damit verschlechtert sich auch die Lage für viele junge Arbeitssuchende, so die Ergebnisse einer aktuellen ILO-Untersuchung.
Arbeitslosenraten unter jungen Menschen werden sich weltweit noch verschlechtern, da die Auswirkungen der Eurokrise nicht nur die Industrieländer, sondern auch die Schwellenländer betreffen, so nachzulesen in einem neuen ILO-Papier mit dem Titel "Global Employment Outlook: Bleak Labour Market Prospects for Youth".
"Ironischerweise wird für die kommenden Jahre vor allem für die Industriestaaten eine niedrigere Rate der Jugendarbeitslosigkeit erwartet, aber dies folgt dem höchsten Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit unter allen Regionen seit Beginn der Krise", so Ekkehard Ernst, Autor des ILO-Papiers und Chef der ILO-Abteilung für Beschäftigungstrends.
Die neue Vorhersage zeigt, dass die Rate der Jugendarbeitslosigkeit in den Industriestaaten schrittweise von aktuell 17.5 Prozent auf 15.6 Prozent bis 2017 sinkt. Das ist immer noch höher als die Rate von 12.5 Prozent, die vor der Krise im Jahr 2007 zu verzeichnen war. Der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit wird nicht durch Verbesserungen am Arbeitsmarkt bewirkt. Eine hohe Anzahl Jugendlicher ist entmutigt und gibt die Suche nach einem Arbeitsplatz auf. Diese entmutigten Jugendlichen finden keine Berücksichtigung in den statistischen Berechnungen.
Globale und regionale Zahlen:
- Das Absinken der Jugendarbeitslosigkeit in den Industrieländern wird nicht ausreichen um die globale Rate der Jugendarbeitslosigkeit zu verbessern.
- Im Jahr 2017 wird die weltweite Rate der Jugendarbeitslosigkeit 12.9 Prozent erreichen, das sind 0.2 Prozent mehr als in den Vorhersagen für 2012.
- Zu erwarten ist, dass sich die Auswirkungen der Eurokrise über Europa hinaus ausbreiten und Ökonomien in Ostasien und Lateinamerika durch stockende Exporte beeinträchtigen werden.
- In Nordafrika und dem Mittleren Osten werden die Jugendarbeitslosigkeitsraten auch in den nächsten Jahren über 25 Prozent liegen und können sogar in Teilen dieser Regionen noch weiter ansteigen.
- Für Ostasien wird die Veränderung der Jugendarbeitslosigkeitsrate von derzeit 9.5 Prozent auf 10.4 Prozent für das Jahr 2017 vorhergesagt.
Die Unterstützung junger Arbeitnehmer ist von hoher Bedeutung
Selbst in Ländern, in denen Zeichen einer Erholung sichtbar sind und wo neue Stellen angeboten werden, ist es für viele arbeitslose Jugendliche schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. So findet beispielsweise ein Bauarbeiter, dessen Arbeitsplatz der Krise am Bau zum Opfer gefallen ist, keine Anstellung in Sektoren, die gerade einstellen.
„Dies führt zu Entmutigung und steigenden sogenannten Neets-Raten“, so Ekkehard Ernst. (Neither in employment, education or training. Dieser Indikator misst den Anteil der Jugendlichen, die weder in Ausbildung, Beschäftigung noch in einer Trainingsmaßnahme sind).
„Maßnahmen für mehr Beschäftigung und ein Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung könnten den jungen Arbeitssuchenden helfen, eine sinnvolle Aktivität zu beginnen und von der Straße zu kommen“, so der Autor. Nach der ILO-Untersuchung könnten solche Maßnahmen mit weniger als einem halben Prozent des Bruttosozialprodukts der europäischen Länder finanziert werden.
„In Zeiten angespannter öffentlicher Finanzen mag dies als große zusätzliche Bürde erscheinen, aber das wird günstiger sein, als die zusätzlichen Kosten, die entstehen, wenn junge Arbeitslose auf Dauer den Kontakt zum Arbeitsmarkt verlieren“, so Ernst.
ILO ruft zum Handeln auf
Auf der diesjährigen Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2012 hat die ILO eine Entschließung angenommen, die zum sofortigen und zielgerichteten Handeln zur Verminderung der Jugendarbeitslosigkeit aufruft.
Die Entschließung stellt eine Handlungsanleitung für erprobte Maßnahmen in fünf verschiedenen Bereichen dar. Makro-ökonomische Politiken, Beschäftigungsfähigkeit, Arbeitsmarktpolitiken, Jugendliche als Unternehmer und Stärkung der Rechte junger Menschen. Sie unterstreicht den Bedarf an Ausgeglichenheit, Stimmigkeit und Komplementarität über alle politischen Maßnahmen hinweg.
Verwandte Inhalte
Jugendbeschäftigung in der Krise: Zeit zum Handeln