Überwindung der KI-Kluft sichert gerechte Zukunftschancen für Alle
In einem gemeinsamen Bericht warnen die ILO und das Büro des Technologiebeauftragten des UN-Generalsekretärs davor, dass die KI-Revolution ohne koordinierte internationale Maßnahmen die Kluft zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen vergrößern könnte.
12. August 2024
GENF (ILO NEWS) - Die Revolution der Künstlichen Intelligenz (KI) wird die Kluft zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen vergrößern, wenn keine Maßnahmen für internationale Zusammenarbeit ergriffen werden, so die deutliche Warnung des aktuellen Berichts der ILO und des Büros des Technologiebeauftragten des UN-Generalsekretärs.
Der Bericht Mind the AI Divide: Shaping a Global Perspective on the Future of Work stellt fest, dass KI weltweit Branchen revolutioniert und enorme Chancen für Innovation und Produktivität bietet. Allerdings verschärft sie auch die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten aufgrund ungleicher Investitions-, Annahme- und Nutzungsraten. Diese sich abzeichnende "KI-Kluft" bedeutet, dass Länder mit hohem Einkommen unverhältnismäßig stark von den Fortschritten der KI profitieren, während Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, insbesondere in Afrika, zurückbleiben.
Der Arbeitsplatz ist der Ort, an dem KI zu Produktivitätssteigerungen und besseren Arbeitsbedingungen führen kann. Ein ungleicher Zugang zu Infrastruktur, Technologie, hochwertiger Bildung und Ausbildung könnte jedoch zu Ungleichheiten beim Einsatz von KI führen und wiederum Ungleichheiten weltweit vertiefen.
Länder mit hohem Einkommen können KI für Produktivitätssteigerungen nutzen, während es in Entwicklungsländern aufgrund mangelnder digitaler Infrastruktur zu Engpässen kommen könnte. Diese Ungleichheit könnte ein langfristiges Hindernis für wirtschaftlichen Erfolg darstellen.
Internationale Zusammenarbeit und Strategien zur Unterstützung von Entwicklungsländern, einschließlich des Zugangs zu digitaler Infrastruktur, Fort- und Weiterbildungen und sozialem Dialog, sind notwendige Voraussetzungen, um die technologische Lücke zu schließen und sicherzustellen, dass die KI-Revolution eine Revolution für Alle ist.
Jährlich werden weltweit mehr als 300 Milliarden Dollar in neue Technologien investiert. Diese Investitionen konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf Länder mit höherem Einkommen, was zu einer Ungleichheit beim Zugang zu Infrastruktur und Kompetenzentwicklung führt und Entwicklungsländer und ihre einheimischen Start-Ups stark benachteiligt.
Darüber hinaus bieten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Entwicklungsländern mit entsprechenden Fähigkeiten ihre Dienste über digitale Plattformen an und werden so Teil des virtuellen Braindrains. Regional ansässige Technologieunternehmen können dem entgegenwirken.
Frauen sind am stärksten von den automatisierenden Auswirkungen von KI betroffen, insbesondere in Berufen in Büros und bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen, wie z. B. in Call Centern, die in Entwicklungsländern weit verbreitet sind. Automatisierung birgt zwar die Gefahr der Verdrängung von Arbeitsplätzen, aber auch das Potenzial für eine Steigerung von Arbeitsplätzen und eine Verbesserung der Arbeitsplatzqualität und Produktivität.
In dem Bericht werden drei Säulen für politisches Handeln vorgeschlagen: verstärkte internationale Zusammenarbeit, Aufbau nationaler Kapazitäten und Integration von KI in der Arbeitswelt. Dies beinhaltet:
- Verbesserung der digitalen Infrastruktur: Entwicklungsländer brauchen eine digitale Infrastruktur, um die Einführung von KI zu unterstützen. Dazu gehört der Zugang zu Strom, Internet und modernen Kommunikationstechnologien.
- Förderung des Technologietransfers: Länder mit hohem Einkommen sollten den Transfer von KI-Technologien und -Wissen in Entwicklungsländer unterstützen und so ein kollaboratives Umfeld für den technologischen Fortschritt fördern.
- Aufbau von KI-Fähigkeiten: Investitionen in Bildung und Ausbildung sind entscheidend, um die Arbeitskräfte mit den notwendigen KI-Fähigkeiten auszubilden. So können sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an KI-getriebene Veränderungen anpassen und von ihnen profitieren.
- Förderung des sozialen Dialogs: Die wirksame Integration von KI am Arbeitsplatz erfordert sozialen Dialog, um sicherzustellen, dass bei technologischen Fortschritten die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geachtet und die Qualität der Arbeitsplätze verbessert werden.
Die Zusammenarbeit von politischen Entscheidungsträgern, Branchenführern und Internationalen Organisationen ist entscheidend für die Gestaltung einer fairen und integrativen KI-getriebenen Zukunft.