Protokoll zum ILO-Übereinkommen "Verbot der Zwangsarbeit" tritt in Kraft

Kampf gegen Zwangsarbeit – Protokoll zum ILO-Übereinkommen 29 „Verbot der Zwangsarbeit“ tritt in Kraft

Das ILO-Protokoll zur Bekämpfung neuer Formen von Zwangsarbeit, das von der Internationalen Arbeitskonferenz 2014 verabschiedet wurde, tritt am 9. November 2016 in Kraft, ein Jahr, nachdem es seine zweite Ratifizierung erhalten hat.

9. November 2016

Für die Länder, die das Protokoll bereits ratifiziert haben - Niger, Norwegen, Großbritannien, Mauretanien, Mali, Frankreich, Tschechien, Panama und Argentinien- heißt dies, dass sie die Anforderungen des Protokolls bereits erfüllen.

„Das ILO Protokoll zur Bekämpfung neuer Formen von Zwangsarbeit ist in Kraft getreten. Es verpflichtet Staaten effektive Maßnahmen zur Vorbeugung und Beseitigung von Zwangsarbeit zu ergreifen und zum Schutz der Opfer Zugang zu Rechtswegen sicherzustellen“, sagt ILO-Generaldirektor Guy Ryder in einem gemeinsamen Stellungnahme mit den Vorständen der Internationalen Arbeitgeberorganisation (IOE) und dem Internationalen Gewerkschaftsbund (ITUC).

21 Millionen Menschen werden weltweit Opfer von Zwangsarbeit. Sie sind oft die Schwächsten einer Gesellschaft, wie Landarbeiter, Migranten, Hausangestellte, Seefahrer, Frauen und Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden und Menschen, die missbraucht, ausgebeutet und gering oder gar nicht entlohnt werden. Die ILO hat ermittelt, dass Zwangsarbeit über 150 Milliarden US-Dollar an illegalen Profiten generiert.

IOE-Generalsekretärin Linda Kromjong bekräftigt, dass die Umsetzung des Protokolls das Leben Millionen von Menschen verändern werde, die Zwangsarbeit ausgeliefert sind. “Wir alle müssen unseren Beitrag leisten und wenn wir uns zusammenschließen, dann ist das Ende von Zwangsarbeit in Sicht“ sagt sie.

Sharan Burrow, Generalsekretär des ITUC, hebt vor allem die Rechtsverbindlichkeit des Protokolls hervor.

„Je mehr Staaten das Protokoll ratifizieren und umsetzen, desto näher kommen wir dem Ziel, Menschenhandel ein für alle Mal für alle zu beseitigen“, so Sharan Burrow.

Gleichzeitig mit in Krafttreten des Protokolls zur Abschaffung der Zwangsarbeit hat Argentinien als neunter Staat dieses völkerrechtliche Dokument ratifiziert und damit seine Verpflichtung zur Bekämpfung moderner Sklaverei bekundet. Argentinien wird zudem im November 2017 Gastgeber der IV. Globalen Konferenz zur Abschaffung von Kinder- und Zwangsarbeit in Buenos Aires sein.

Die ILO hat zusammen mit IEO und ITUC die Kampagne „50 for Freedom“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das Thema Zwangsarbeit ins Bewusstsein zu rufen und mindestens 50 Staaten dabei zu unterstützen, das Protokoll zur Abschaffung der Zwangsarbeit bis 2018 zu ratifizieren.

Die Bundesregierung plant die Ratifizierung des Protokolls für Deutschland noch in der laufenden Legislaturperiode.

Tausende von Menschen in der ganzen Welt haben ihren Beitrag zu der Kampagne geleistet, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi und UN Berichterstatter für moderne Formen der Sklaverei Urmila Bhoolan. Auch Künstler haben ihr Talent zur Verfügung gestellt, um die Kampagne „50 for Freedom“ zu unterstützen: die Fotografin Lisa Kristine spendete ihre Fotos von Opfern moderner Sklaverei, die auf der Website der Kampagne gezeigt werden. Schauspieler Wagner Moura, David Oyelowo, Robin Wright, Lindiwe Bungane und Joaquin Furriel haben Videos aufgenommen, in denen sie wahre Geschichten von Männern und Frauen verlesen, die in die moderne Sklaverei gelockt wurden.