Inkrafttreten der ILO-Norm für Hausangestellte rückt einen Schritt näher

Zum Internationalen Tag der Hausangestellten hat Uruguay als erster Staat das Übereinkommen über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte ratifiziert

15. Juni 2012

Vor genau einem Jahr hat die Internationale Arbeitskonferenz, die Vollversammlung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), das Übereinkommen 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte verabschiedet. Zum ersten Mal hat die ILO damit eine Arbeitsnorm für Beschäftigte im informellen Sektor geschaffen. Hausangestellte genießen der Norm zufolge die gleichen Arbeitsrechte wie andere Arbeitnehmer, zum Beispiel begrenzte Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und das Recht auf gewerkschaftliche Vertretung.

Mit Uruguay hat nun das erste Mitgliedsland der ILO die neue Arbeitsnorm ratifiziert. Der uruguayische Arbeitsminister Eduardo Brenta überreichte die Ratifikationsurkunde in einem feierlichen Akt in Genf. Um in Kraft zu treten, muss das Übereinkommen von mindestens zwei Staaten ratifiziert werden.

Der 16. Juni, der Jahrestag der Verabschiedung des Übereinkommens 189, wurde inzwischen vom International Domestic Workers Network zum Internationalen Tag der Hausangestellten erklärt. Das Netzwerk, ein Zusammenschluss von Gewerkschaften und anderen Organisationen von Hausangestellten, ruft an diesem Tag die Regierungen zur Ratifizierung des Übereinkommens auf. Dafür ist es nötig, die nationalen Gesetze mit den Vorgaben der Arbeitsnorm in Übereinklang zu bringen.

Der Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen VENRO fordert zum Jahrestag in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin die Regierung auf, ihre Bemühungen zur Verabschiedung des Übereinkommens noch vor Jahresende zu verstärken. "Menschenwürdige Arbeit soll und darf in Zukunft nicht länger vor der Wohnungstür Halt machen", sagte die Direktorin der ILO Deutschland, Sabine Baun. "Es wäre ein gutes Signal, wenn auch möglichst viele Industrienationen das Übereinkommen ratifizieren."

Schätzungen der ILO zufolge arbeiten bis zu 100 Millionen Menschen auf der Welt als Hausangestellte, die meisten davon Frauen. 15,5 Millionen sind noch Kinder. In den Entwicklungsländern machen Hausangestellte zwischen vier und zwölf Prozent aller Beschäftigten aus. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet in Ländern, in denen kein Gesetz die Länge ihres Arbeitstages begrenzt. Rund 45 Prozent haben keinen Anspruch auf einen freien Tag in der Woche. Und 36 Prozent genießen kein Recht auf Mutterschutz.

Das Übereinkommen stellt das Engagement der internationalen Gemeinschaft dar, die Lebens- und Arbeitsbedingungen eines erheblichen Teils der Arbeitnehmerschaft auf der Welt zu verbessern, der bisher vom Schutz der Arbeitsgesetze ausgeschlossen war", erklärte die Leiterin der ILO-Abteilung für Arbeitnehmerschutz, Manuela Tomei.