ILO veröffentlicht aktualisierte Arbeitsmarktindikatoren

Die Zahl der arbeitenden Armen weltweit ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgegangen, doch hat sich dieser Rückgang fast ausschließlich in China abgespielt. Dies geht aus den neuen Arbeitsmarktindikatoren der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor.

14. Oktober 2011

Die siebte Auflage der "Key Indicators of the Labour Market" (KILM) enthält erstmals eine umfassende internationale Datenbank über arbeitende Arme, die auf Daten aus 54 Ländern basiert und die nach Ländern, Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt ist.

Demzufolge schrumpfte die Zahl der Erwerbstätigen, die mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen müssen, von 478 Millionen im Jahr 1991 auf 476 Millionen im vergangenen Jahr. Rechnet man jedoch China heraus, belief sich der Rückgang nur auf 23 Millionen. Bei den Einkommen unter der Grenze von zwei Dollar pro Tag ergab sich außerhalb Chinas sogar ein leichter Zuwachs auf 794 Millionen Menschen.

Mit den KILM stellt die ILO wichtige sozial- und arbeitsmarktpolitische Entwicklungen dar. So belegt der aktuelle Bericht auch die negativen Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise für die Entwicklung der Löhne und Gehälter weltweit. Während die Löhne 2006 noch um durchschnittlich 2,7 Prozent zunahmen und um 2,8 Prozent im Jahr 2007, waren es in den beiden darauffolgenden Jahren nur noch 1,5 beziehungsweise 1,6 Prozent. Ohne China wiederum blieben die Zuwächse 2008 und 2009 sogar unter der Marke von einem Prozent.

Ein weiteres Thema des Berichts ist die Langzeitarbeitslosigkeit. In 36 von 40 Ländern, über die entsprechende Daten vorliegen, nahm 2010 die Quote der Langzeitarbeitslosen noch zu. Zu den vier Ausnahmen gehört neben Israel, Korea und der Türkei auch Deutschland. In den meisten Ländern ist die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen noch wesentlich höher als bei Erwachsenen. In Nordafrika und im Nahen Osten sowie in einigen Teilen Asiens liegt die Arbeitslosenrate bei Jugendlichen oft über 18 Prozent. Jüngere Erwerbstätige sind zudem überproportional häufig von Armut betroffen.

Insgesamt 20 Indikatoren werden in dem Bericht analysiert, darunter die Beschäftigungs- und die Arbeitslosenquote, die Jugend- und die Langzeitarbeitslosigkeit, die Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren und im informellen Sektor sowie die Entwicklung von Löhnen und Produktivität. Die Arbeitsmarktindikatoren stellen eine wertvolle Datengrundlage dar für die Entwicklung von Strategien zur Schaffung produktiver und menschenwürdiger Beschäftigung und damit zugleich zur Bekämpfung von Armut.