Arbeitsschutz

ILO-Bericht: Arbeitsschutz als Schlüssel zur Prävention von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt

Ein neuer ILO-Bericht stellt heraus, dass Regelungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit genutzt werden sollten, um Ursachen von Gewalt und Belästigung zu bekämpfen und integrierte Maßnahmen für ein gewaltfreies und sicheres Arbeitsumfeld zu fördern.

22. Januar 2024


GENF (ILO-News) - Einem neuen Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge, sind Maßnahmen zur Förderung von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz der Schlüssel zum Aufbau eines integrativen, inklusiven und geschlechtergerechten Ansatzes zur Prävention und Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt.

Der Bericht „Preventing and Addressing Violence and Harassment in the World of Work through Occupational Safety and Health Measures“ (Prävention und Bekämpfung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt durch Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) stellt heraus, dass mehr als jede fünfte erwerbstätige Person Gewalt und Belästigung erlebt hat. Betroffen sein können unterschiedliche Arbeitsplätze, der Weg zur Arbeit, Dienstreisen, Veranstaltungen, digitale Kommunikation, soziale Aktivitäten und Home-Office.

Rahmenregelungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit können die Ursachen von Gewalt und Belästigung angehen, indem sie sich mit den zugrunde liegenden Risiken befassen, z. B. mit Fragen einer unangemessenen Arbeitsorganisation und mit Bedingungen für bestimmte Aufgaben (z.B. ausschließlich selbstständige Arbeit oder ständige Interaktion mit Dritten), und mit Arbeitsbedingungen, die ein hohes Stressniveau erzeugen, das wiederum zu Gewalt und Belästigung führen kann. Rahmenbedingungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, die auf Zusammenarbeit am Arbeitsplatz und sozialem Dialog beruhen, mobilisieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zur Schaffung eines Arbeitsumfeldes, das frei von Gewalt und Belästigung ist, so die Analyse.

In den 25 untersuchten Ländern der Studie wurden etwa zwei Drittel aller gesetzlichen Bestimmungen zu Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz sowie Vorschriften zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit untersucht. Im Vergleich zu anderen Regulierungen sind die Arbeitsschutzpraktiken detaillierter, wenn es um Präventionsstrategien und die Verantwortlichkeiten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern geht.

In den Regionen Nord- und Südamerika sowie Europa und Zentralasien sind die Bestimmungen zu Prävention von Gewalt und Belästigung hauptsächlich in Gesetzen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit verankert, während im asiatisch-pazifischen Raum und in den arabischen Staaten der Schwerpunkt auf der Bekämpfung der sexuellen Belästigung durch gezielte gesetzliche Regelungen liegt. Der Bericht benennt konkrete Beispiele: In Dänemark gibt es spezielle Gesetze zur Verhinderung von Gewalt und Belästigung, während El Salvador diese als psychosoziales Risiko anerkennt. Spanien und Tunesien verfügen über weit gefasste Arbeitsschutzgesetze, die auch Gewalt und Belästigung abdecken könnten, aber nur Spanien erkennt diese ausdrücklich an und bietet Leitlinien für den Umgang damit. Die Maßnahmen in Barbados und Bangladesch beziehen sich hauptsächlich auf sexuelle Belästigung.

Praktische Instrumente, Schulungsprogramme und Leitlinien, die auf Unternehmen und Arbeitsplätze zugeschnitten sind, können – so die Analyse - helfen, Maßnahmen gegen Gewalt und Belästigung in die Praxis umzusetzen. Diese Instrumente umfassen konkrete Schritte, die für die Umsetzung von Maßnahmen zum Kampf gegen Gewalt und Belästigung erforderlich sind und helfen bei der Durchführung komplexer Aufgaben, wie der Risikobewertung am Arbeitsplatz.

Der Bericht wird im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Titel "Practical Guidance and Tools to Prevent and Address Violence and Harassment in the World of Work: An OSH Perspective" (Praktische Orientierungshilfe und Instrumente zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt: Eine Arbeitsschutzperspektive) veröffentlicht, das von der Europäischen Kommission und der ILO finanziert wird. Auf den Start folgt eine Konferenz über die Prävention und Bekämpfung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt durch Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (Conference on Preventing and Addressing Violence and Harassment in the World of Work through Occupational Safety and Health) am 23. Januar in Genf.

Die Verabschiedung des ILO-Übereinkommens 190 gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt im Jahr 2019 sowie der dazugehörigen Empfehlung 206 waren wichtige Meilensteine in der internationalen Verpflichtung, das Recht auf einen gewalt- und belästigungsfreien Arbeitsplatz zu gewährleisten. Im Jahr 2022 bestärkte die International Labour Conference (ILC) diese Verpflichtung, indem sie eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung in die Erklärung der ILO über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit aufnahm.