ILO at work: Kollektivverhandlungen in der Textilindustrie stärken

Ein Großteil der weltweiten Textilproduktion findet in Süd- und Südostasien statt. Der Sektor bietet 40 Millionen Menschen Arbeit, vor allem Frauen. Doch die Arbeitsbedingungen sind oft gefährlich, verletzen Kernarbeitsnormen und Menschenrechte. Die ILO arbeitet an konkreten Verbesserungen und kann von Erfolgen berichten: von der Stärkung der Sozialpartnerschaft in Pakistan über Trainings für Gewerkschafter in Indonesien bis zur Verdopplung des Mindestlohns in Kambodscha

6. Dezember 2018

Wohl kaum eine Branche symbolisiert unsere globalisierte Wirtschaft wie die Textilindustrie. Globale Lieferketten gab es schon im transatlantischen Baumwollhandel des 18. Jahrhunderts. Auch heute reist unsere Kleidung während ihrer Herstellung in unzähligen Produktionsschritten um den Globus. Das schafft zwar Arbeitsplätze und Wohlstand in allen Teilen der Welt, jedoch höchst ungleich verteilt. Ein überproportionaler Teil der Wertschöpfung fließt in die Länder des globalen Nordens – während die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern oft fragwürdig sind und die Bezahlung mehr als schlecht.

Rund 60 Prozent der weltweiten Textilproduktion für den Export findet in Asien statt, wo etwa 40 Millionen Menschen Baumwolle anbauen, färben, weben und nähen. Ein großer Teil von ihnen sind Frauen, die vor allem als Näherinnen arbeiten. Die Branche in Asien ist geprägt von langen Arbeitszeiten und niedrigen Löhnen. Spätestens der katastrophale Brand der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesh 2016 hat einer breiten Öffentlichkeit zudem die hochgradig gefährlichen Arbeitsbedingungen vor Augen geführt.

ILO-Aktionsprogramm für die Textilindustrie in Asien

Die ILO arbeitet an der Verbesserung der Arbeitsstandards in der asiatischen Textilindustrie, nicht erst seit dieser Katastrophe. Mit ihrem Aktionsprogramm „Labour Standards in Global Supply Chains“ (2014-2019) hat sie jene drei südasiatischen Länder besonders in den Blick genommen, in denen die Textilindustrie eine Schlüsselrolle spielt: Pakistan, Kambodscha und Indonesien. Finanziert und unterstützt wurde sie dabei von deutscher Seite: dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Verhandlungsfähigkeiten stärken Mindestlöhne

In ihrem Programm setzte die ILO vor allem auf die Stärkung des sozialen Dialogs und die Förderung der Mitbestimmung, etwa durch Verhandlungskurse für Gewerkschaften. So konnte die ILO einige spürbare Verbesserungen erreichen. Beispiel Mindestlohn: In Kambodscha stieg dieser in Folge der Trainings zwischen 2013 und 2018 von 80 auf 186 US-Dollar im Monat auf mehr als das Doppelte. Der indonesischen Regierung half die ILO bei der Harmonisierung des fragmentierten Mindestlohnsystems. In Pakistan unterstützte sie dabei, die lokalen Mindestlohnkommissionen partizipativer zu machen und die Gültigkeit des Mindestlohns auszuweiten.

Dabei achtet die ILO bei ihren Bemühungen grundsätzlich darauf, die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen. Denn ein Großteil der Werte wird von denen abgeschöpft, die den globalen Textilhandel organisieren. Bei der Stärkung von Kollektivverhandlungen geht es deshalb nie nur um die Verhandlungsmacht der Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort, sondern auch um die ihrer Arbeitgeber gegenüber den globalen Konzernen. Darüber hinaus bleibt es eine Zukunftsaufgabe, Kollektivverhandlungen auf jene Bereiche auszuweiten, die bisher nicht einbezogen werden, zum Beispiel Heimarbeiterinnen in Pakistan.