Hintergrund: Die ILO-Jahrhundertinitiativen

2019 feiert die Internationale Arbeitsorganisation – die älteste UN-Sonderorganisation – ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum sind sieben Zukunftsinitiativen auf den Weg gebracht, die die zentralen Themen der Arbeitswelt von morgen beleuchten und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Damit die ILO ihr Mandat für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit auch in Zukunft umfassend erfüllen kann.

17. Oktober 2018

Die ILO hat sich zu ihrem 100-jährigen Jubiläum 2019 das Ziel gesetzt, Leitplanken für die Arbeitswelt von morgen zu definieren. Globale Trends wie demografischer Wandel, Globalisierung, Automatisierung, Digitalisierung, Klimawandel und Arbeitsmigration führen zu tiefgreifenden und raschen Veränderungen auf den nationalen und internationalen Arbeitsmärkten, zunehmend auch in ihren Wechselwirkungen zueinander. Diese Trends zu verstehen und ihnen wirksam multilateral zu begegnen, ist die große Zukunftsaufgabe der ILO.

Mit der Jahrhundertinitiative hat die ILO eine Plattform geschaffen und einen Prozess initiiert, der die ILO zukunftsfest für die Herausforderungen des kommenden Jahrhunderts machen soll.

Die erste Phase der Jahrhundertinitiative wurde mit Nationalen Dialogen eingeleitet. Um die Anforderungen und Bedürfnisse der 187 Mitgliedsstaaten besser zu verstehen, hat die ILO in den vergangenen zwei Jahren umfassende Konsultationen mit Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgebern, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft in den jeweiligen Ländern durchgeführt. An diesen nationalen Dialogen haben sich insgesamt 110 Staaten beteiligt. Auch in Deutschland fand ein breiter gesellschaftspolitischer Dialog - initiiert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) - statt. Die Ergebnisse mündeten in dem „Weissbuch Arbeiten 4.0“.

Im Jahr 2017 hat die ILO eine hochrangige Globale Kommission zur Zukunft der Arbeit eingesetzt, die auf der Grundlage ihrer Expertise, der Ergebnissen der nationalen Dialoge und aktueller Forschungserkenntnisse Empfehlungen für die ILO erarbeitet.

Der Höhepunkt der Jahrhundertinitiative "Zukunft der Arbeit" wird die Internationale Arbeitskonferenz (ILC) 2019 in Genf sein. Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, nationale Akzente zur Zukunft der Arbeit zu setzen und Antworten auf ihre spezifischen Anforderungen zu finden. Der Bericht der Globalen Kommission, der Anfang 2019 vorgestellt wird, soll für die ILC als Impulsgeber mit konkreten Empfehlungen für die Gestaltung einer globalen Arbeitswelt dienen.
Die 7 Jahrhundertinitiativen der ILO

Insgesamt sieben Initiativen zur Welt der Arbeit sollen der ILO Handlungswege in das neue Jahrhundert aufzeigen:
  • Zukunft der Arbeit (The Future of Work Initiative)
    Die ILO fördert den globalen Dialog über die Zukunft der Arbeit. Sie baut Ressourcen auf und entwickelt Instrumente und Programme, um Regierungen, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen weltweit vorzubereiten und die notwendigen Impulse zu setzen.
  • Beendigung von Armut (The End to Poverty Initiative)
    Zur Beseitigung der globalen Armut werden multidimensionale Strategien entwickelt und implementiert, die sich auf das Arbeitsleben, die weltweiten Arbeitsmärkte sowie den Sozial- und Beschäftigungsschutz richten.
  • Erwerbstätigkeit von Frauen (The Women at Work Initiative)
    Zusammen mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen sowie Regierungen entwickelt die ILO konkrete Maßnahmen zur Verwirklichung von Chancengleichheit und Gleichbehandlung auf den Arbeitsmärkten. Der Abbau des Gender Pay Gaps spielt dabei eine wichtige Rolle.
  • Grüne-Initiative (The Green Initiative)
    Mit ihrer Expertise, politischer Beratung sowie den vorhandenen Instrumenten unterstützt die ILO Regierungen, Unternehmen und Beschäftigte beim Übergang in eine kohlenstoffarme und nachhaltige Zukunf
  • Normen-Initiative (The Standards Initiative)
    Internationale Arbeitsnormen werden durch einen Normenüberprüfungsmechanismus aufgewertet und der tripartite Dialog zwischen Regierungen, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen über ein verbindliches Aufsichtssystem abgesichert.
  • Unternehmens-Initiative (The Enterprises Initiative)
    Um nachhaltige Entwicklungsprozesse im Sinne der Zielsetzung der ILO zu etablieren, wird eine Plattform geschaffen, um eine wirksamere Zusammenarbeit zwischen der ILO und Unternehmen zu fördern.
  • Organisations-Initiative (The Governance Initiative)
    Die Steuerungsstrukturen der ILO werden reformiert. Die Auswirkungen auf die „Erklärung der ILO über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung“ von 2008 werden bewertet und notwendige Veränderungen auf den Weg gebracht.