ILO-BDA-Konferenz zu menschenwürdiger Arbeit in der unternehmerischen Praxis

Welche internationalen Kernarbeitsnormen gibt es und wie wirken sich diese konkret im Alltag von Unternehmen aus? Antworten auf diese Fragen hat die ILO in einem gemeinsamen Seminar mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Ende Februar in Berlin gegeben.

Am 24. Februar richtete die ILO gemeinsam mit der BDA ein Seminar für Unternehmen und Verbände aus, welches das Normengefüge der ILO in der unternehmerischen Praxis beleuchtete. Ziel der Tagung war es, Unternehmen die Angebote der ILO für die tägliche Arbeit in globalen Lieferketten näher zu bringen und Unterstützungsangebote aufzuzeigen, aber auch darüber zu diskutieren, wie weitere Hilfestellungen für Unternehmen aussehen könnten.

Unter dem Gesichtspunkt einer fairen Globalisierung sprach Corinne Vargha, Chefjuristin der ILO, über die Normensetzung der ILO im Wandel der Zeit. Dabei unterstrich sie den evolutionären Charakter der ILO Normen, die sich seit der Gründung der ILO vor fast 100 Jahren stetig mit der Welt der Arbeit weiterentwickeln. Schon der Aushandlungsprozess in der dreigliedrigen Struktur der ILO bringt dabei die Arbeitgeber mit an den Verhandlungstisch. In der Normenkontrolle kommen die Sozialpartner ebenfalls zum Zuge. Jährlich müssen sich während der Internationalen Arbeitskonferenz 24 ausgewählte Mitgliedsstaaten den Fragen eines aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern bestehenen Expertenkommitees zum Umsetzungsstand der ILO-Normen stellen. Denn eine fehlende Implementierung der ratifizierten Normen oder ihre unzureichende Umsetzung hat indirekt auch Auswirkungen auf Unternehmen, die vor Ort ansässig sind oder produzieren lassen. Corinne Vargha verdeutlichte, dass in diesem Prozess der Normenkontrolle die Staaten nicht an den Pranger gestellt werden. Vielmehr ist es der Ansatz der ILO, durch Entwicklungszusammenarbeit Strukturen zu schaffen, die auf der lokalen Ebene eine erfolgreiche Implementierung und Überwachung möglich machen.

Mit Erfahrung als Vorsitzender eines Arbeitgeberverbandes in Südafrika sprach Vic van Vuuren, Direktor des Enterprises Department der ILO, über die Möglichkeiten von Synergien zwischen der ILO und Unternehmen. Anhand prägnanter Beispiele machte van Vuuren deutlich, wie multinationalen Unternehmen durch ein aktives arbeitspolitisches Engagement vor Ort erhebliche Einflussmöglichkeiten zukommen und wie das Enterprises Department derartige Prozesse begleitet und unterstützt. Er bekräftigte darüber hinaus auch die Rolle der ILO als Datenbank und Wissenschaftszentrum, das es Unternehmen ermöglicht, Abschätzungen darüber zu treffen, wie die Mitgliedstaaten die ILO Normen umsetzen. Durch die direkte Unterstützung der ILO vor Ort sei ein großes Wissen für regionale und lokale Märkte vorhanden, welches Unternehmen für ihre Analysen nutzen können.

Frau Hornung-Draus sprach für die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände über die Grenzen unternehmerischer Verantwortung in der Einhaltung von Arbeitsnormen. Sie warnte vor einer Überforderung der Unternehmen, wenn diese aufgefordert würden, Aussagen hinsichtlich der Implementierung und Einhaltung von Arbeitsstandards in Mitgliedsstaaten zu treffen. Als ein Dilemma wurde dabei die unklare Rechtslage genannt, die dort entsteht, wo nationale Gesetzgebung und internationale Standards miteinander kollidieren.

Der Vormittag wurde durch Stephan Ulrich abgerundet, der sehr konkret die Arbeit der ILO in Kooperation mit Unternehmen erklärte. So stellte er den von ihm gern „One-Stop-Shop“ genannten ILO-Helpdesk für jegliche Fragen vor, die sich Unternehmen in der Anwendung der Normen stellen. Zudem warb er für die Teilnahme an verschiedenen Kursen sowie Business Netzwerken, welche die ILO und der Global Compact gemeinsam ausrichten. Mit Better Work präsentierte Stephan Ulrich ein Programm der ILO, welches Audits für die Textilbranche standardisiert und optimiert, um die Arbeit für Käufer und Zulieferer zu reduzieren. Gerade wird das Programm in Äthiopien neu ausgerollt, damit dort entsprechende Strukturen geschaffen werden, bevor sich der Markt weiterentwickelt und vergrößert wie vorhergesehen. Allerdings verwies Herr Ulrich auch auf den begrenzten Nutzen von Audits. Konkrete Maßnahmen könnten diese allerdings flankieren. Herr Ulrich selbst arbeitet für das ILO Programme SCORE, das Unternehmen vor Ort in verschiedenen Schüsselsektoren bei der Umsetzung von Arbeitsstandards berät, schult und begleitet. Seit 2010 wurden so bereits über 1.000 Unternehmen und 220.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Unternehmen und ihren Herausforderungen mit den Arbeitsnormen. Dr. Kathja Gehne von BASF verdeutlichte, wie multinationale Großkonzerne sich Compliancefragen stellen. Das Unternehmen hat es geschafft, mit einem eigenen Management-Prozess das Recht einzelner Produktionsländer widerzuspiegeln. Dort, wo man Non-Compliance vermutete, wurden Aktionspläne aufgestellt und Risikoanalysen durchgeführt. Gab es einen Zielkonflikt, beispielweise wenn nationales Recht nicht mit internationalem Recht vereinbar war, wurde auf die Strategie der UN-Leitsätze für Wirtschaft und Menschenrechte zurückgegriffen.

Mit Frau Eickhoff von Harting Technology sprach auch ein mittelständisches Unternehmen über seinen Ansatz für Compliance in globalen Lieferketten. Das Familienunternehmen implementierte die ISO 26000, da ihm wichtig ist, gegenüber den Kunden transparent aufzuschlüsseln, welche Standards eingehalten werden. Trotzdem thematisierte Frau Eickhoff auch, dass kleine und mittelständische Unternehmen überfordert seien, angesichts der vielen Informationen und Konsultationsnageboten zu Compliance, Risikomanagement, internationalen Arbeitsstandards und CSR. Sie sprach auch über den Wunsch nach besserer Nutzerorientierung von Informationen der ILO.

Wir danken der BDA für die gute Kooperation und allen Teilnehmern für ihre Anregungen. Auch in Zukunft möchten wir Foren schaffen, in denen Unternehmen direkt mit der ILO in Kontakt treten können.

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