Covid-19 and the world of work, 7th Edition

ILO prognostiziert schwierige und uneinheitliche Erholung nach der Arbeitsmarktkrise

Die jüngste ILO Analyse zu den Auswirkungen von COVID-19 auf globale Arbeitsmärkte zeigt massive Verluste bei Arbeitszeit und Einkommen. Die Erholung in 2021 wird schleppend, ungleichmäßig verteilt und ungewiss verlaufen, wenn politische Maßnahmen sind auf die zügige Verbesserungen für Menschen ausgerichtet sind.

Nachricht | 25. Januar 2021
© Fahad Abdullah Kaizer / UN Women
Genf (ILO News) - Laut dem jüngsten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es auf den globalen Arbeitsmärkten erste Anzeichen für eine Erholung, nachdem es im Jahr 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie zu beispiellosen Turbulenzen auf Grund von Arbeitsplatzschließungen und Unterbrechungen von Lieferketten gekommen war.

Die siebte Ausgabe des „ILO Monitor: COVID-19 and the world of work“ bestätigt massive Auswirkungen der Pandmie auf die Arbeitsmärkte in 2020. Die neuesten Zahlen zeigen, dass im vergangenen Jahr 8,8 Prozent der weltweiten Arbeitsstunden verloren gingen (verglichen mit dem vierten Quartal 2019). Das entspricht 255 Millionen Vollzeitstellen und übertrifft die Verluste während der globalen Finanzkrise 2009 um ein vierfaches. Wir erleben die schwerste Krise für die Arbeitswelt seit der Großen Depression in den 1930er Jahren.

Diese verlorenen Arbeitsstunden sind entweder auf reduzierte Arbeitszeiten für diejenigen zurückzuführen, die in Beschäftigung sind, oder auf ein "beispielloses" Ausmaß an Beschäftigungsverlusten, die 114 Millionen Menschen betreffen.

71 Prozent dieser Beschäftigungsverluste (81 Millionen Menschen) wurden durch Nichterwerbstätigkeit und nicht durch Arbeitslosigkeit verursacht. Insgesamt zeigen die Daten eine Reduktion der globalen Erwerbsbeteiligungsquote um 2,2 Prozentpunkte im Jahr 2020 auf 58,4 Prozent. Daher unterschätzt die Betrachtung der Arbeitslosigkeit die Auswirkungen von COVID-19 auf den Arbeitsmarkt drastisch.

Die massiven Verluste führten zu einem Rückgang des globalen Arbeitseinkommens um 8,3 Prozent (vor Berücksichtigung von Unterstützungsmaßnahmen), was 4,4 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Auswirkungen nach Gruppen und Sektoren

Der Bericht zeigt die ungleichen Auswirkungen auf verschiedene wirtschaftliche, geografische und arbeitsmarktbezogene Sektoren. Er unterstreicht die Besorgnis über eine "K-förmige Erholung", bei der die am stärksten betroffenen Sektoren und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Erholung zurückbleiben könnten. Dies würde zu einer zunehmenden Ungleichheit führen, wenn keine Korrekturmaßnahmen ergriffen werden.

Frauen waren durch die Pandemie stärker betroffen als Männer. Die weltweiten Beschäftigungsverluste bei Frauen lagen bei 5 Prozent im Vergleich zu 3,9 Prozent bei Männern. Frauen scheiden mit höherer Wahrscheinlichkeit aus dem Arbeitsmarkt aus als Männer.

Jüngere Menschen waren ebenfalls besonders stark betroffen, da sie entweder ihren Arbeitsplatz verloren haben, aus dem Erwerbsleben ausschieden sind oder sich der Eintritt in das Erwerbsleben hinauszögert hat. Der Beschäftigungsverlust bei jungen Menschen (15-24 Jahre alt) lag bei 8,7 Prozent, mehr als doppelt so hoch im Vergelich zu 3,7 Prozent bei Erwachsenen.

Der am stärksten betroffene Sektor war das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe, wo die Beschäftigung im Durchschnitt um mehr als 20 Prozent zurückging, gefolgt vom Einzelhandel und dem verarbeitenden Gewerbe.

Auch Arbeitsplatzzuwächse im zweiten und dritten Quartal 2020 sind zu verzeichnen in den Sektoren Information,Kommunikation, Finanzen und Versicherungen sowie in marginaler Form auch im Bergbau, in der Gewinnung von Steinen und Erden und in der Versorgungswirtschaft.

Blick in die Zukunft

Trotz verbleibender Unsicherheit, zeigen die neuesten Prognosen für 2021, dass eine Mehrzahl von  Ländern eine relativ deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte erwarten kann, wenn die Impfprogramme greifen.

Der Monitor unterscheidet drei Szenarien für die Erholung: Das Basisszenario (das sich auf die Prognosen des Internationalen Währungsfonds vom Oktober 2020 stützt) prognostiziert für das Jahr 2021 einen weltweiten Rückgang der Arbeitsstunden um 3 Prozent (im Vergleich zu Q4 2019), was 90 Millionen Vollzeitstellen entspricht.

Im pessimistischen Szenario, das insbesondere langsame Fortschritte bei der Impfung annimmt, wird ein Rückgang der Arbeitszeit um 4,6 Prozent erwartet.

Die Anzeichen für eine Erholung, die wir sehen, sind ermutigend, aber sie sind fragil und höchst unsicher, und wir müssen lernen, dass sich kein Land und keine Gruppe allein erholen kann."

Guy Ryder, ILO Director-General
Das optimistische Szenario prognostiziert einen Rückgang um 1,3 Prozent, vorausgesetzt, dass die Pandemie unter Kontrolle ist und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen wieder zunimmt.

Der Monitor enthält  politischen Empfehlungen für den Aufschwung:
  • Eine versorgende makroökonomische Politik im Jahr 2021 und darüber hinaus, einschließlich fiskalischer Anreize, wo dies möglich ist, sowie Maßnahmen zur Unterstützung von Einkommen und zur Förderung von Investitionen.
  • Gezielte Maßnahmen, um Frauen, junge Menschen, gering qualifizierte und schlecht bezahlte Arbeiterinnen und Arbeiter und andere stark betroffene Gruppen zu erreichen.
  • Internationale Unterstützung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die über weniger finanzielle Mittel verfügen, um Impfstoffe zu verabreichen und die Erholung von Wirtschaft und Beschäftigung zu fördern.
  • Konzentration der Unterstützung auf die am stärksten betroffenen Sektoren bei gleichzeitiger Schaffung von Arbeitsplätzen in schnell wachsenden Sektoren.
  • Sozialer Dialog zur Umsetzung der Erholungsstrategien, die notwendig sind, um inklusivere, gerechtere und nachhaltigere Volkswirtschaften zu schaffen.
"Die Anzeichen für eine Erholung, die wir sehen, sind ermutigend, aber sie sind fragil und höchst unsicher, und wir müssen lernen, dass sich kein Land und keine Gruppe allein erholen kann", so ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Für Interviews wenden Sie sich bitte an newsroom@ilo.org.