Vereinbarung über Entschädigungszahlung für Opfer des Großbrandes in pakistanischer Ali Enterprises Fabrik steht

Die ILO ermöglicht die Übereinkunft zur Entschädigung der Opfer des Feuers in der Textilfabrik Ali Enterprises in Baldia, Karatschi vor vier Jahren.

Pressemitteilung | 10. September 2016
GENF (ILO News) – Opfer eines der schwersten Industrieunglücke in der Geschichte Pakistans sollen zukünftig für Einkommenseinbußen, Gesundheitsversorgung und Resozialisierung fünf Millionen US Dollar Entschädigung erhalten. Dies ist das Ergebnis eines durch die ILO vorangetriebenen Konsultations- und Verhandlungsprozesses der vom 25. Juli bis 5. August durchgeführt wurde.

Das tragische Feuer in der Ali Enterprises Textilfabrik in Baldia bei Karatschi hatte am 11. September 2012 über 255 Arbeiter das Leben gekostet. Weitere 57 Textilarbeiter wurden verletzt.

Auf Anfrage des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des pakistanischen Ministeriums für Ausland Pakistanis und Personalentwicklung hat die ILO seit Mai 2016 Gespräche zwischen dem deutschen Einzelhändler KiK, der Gewerkschaft IndustrieALL Global Union und der Clean Clothes Campaign (Kampagne für saubere Kleidung) geführt, um eine Einigung über Entschädigungszahlungen zu erzielen, die im Einklang mit dem ILO Übereinkommen 121 über Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten steht.

Bislang hatten die Opfer und Hinterbliebenen finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Sozialversicherungssystemen erhalten, um Einkommensverluste auszugleichen und die medizinische Grundversorgung sicherstellen zu können. KiK hatte sich als Hauptabnehmer von Ali Enterprises bereits seit Dezember 2012 jährlich mit einer Million US Dollar am Entschädigungsfond beteiligt.

Ergebnis der jüngsten Gespräche ist eine freiwillige Verpflichtung von KiK, weitere 5,15 Million US Dollar zu zahlen, um den internationalen Standards des Übereinkommens 121 gerecht zu werden.

Alle Parteien zeigten sich zufrieden mit dem Ausgang der Gespräche und unterstrichen die Absicht, zukünftig dreigliedrige Gespräche auf nationaler Ebene fortzusetzen. Opfer sollen nunmehr ab 2017 regelmäßig Zahlungen erhalten.

Gleichzeitig sprachen sich alle Interessensvertretungen für ein gestärktes Sozialversicherungssystem in Pakistan aus. Verbesserte Sicherheitsstandards in der Textilindustrie, Kontrollen zur Einhaltung von Standards und die Durchsetzung der pakistanischen Sozialversicherungsgesetze sollen in Zukunft solche Unfälle verhindern.

Der Großbrand in der Ali Enterprises Fabrik in Baldia, Pakistan ist neben dem Einsturz des Rana-Plaza Gebäudes und dem Tazreen Feuer in Bangladesch einer der tödlichsten Unfälle im Textilsektor.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sagte: „Das Textilbündnis wirkt. Und das in einer ganz neuen Weise. Was in vier Jahren der Auseinandersetzung zwischen den Parteien nicht möglich war, ist jetzt durch die Vermittlungsleistung im Textilbündnis gelungen und hilft den Opfern und Hinterbliebenen des furchtbaren Brandes in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises ganz konkret. Damit stehen die Umwelt- und Sozialstandards, die wir gemeinsam erarbeitet haben nicht nur auf dem Papier, sondern verbessern ganz konkret die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Näherinnen und Näher in den Textilfabriken vor Ort.“

Von bewährten Verfahren in der Arbeitswelt können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren“

Gilbert Houngbo, stellvertretender Generaldirektor der ILO
Gilbert Houngbo, stellvertretender Generaldirektor der ILO, betonte: „Es ist sehr zufriedenstellend, dass der von der ILO vermittelte Beschluss für die Entschädigung der Arbeiter rund um das Feuer von Ali Enterprises angenommen wurde. Die ILO ist der Auffassung, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die Situation der Arbeiter in Pakistan, der Textilindustrie und weiteren Sektoren zu verbessern, z.B. durch den Zugang zu Unfallversicherungen. Von bewährten Verfahren in der Arbeitswelt können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren. Die ILO dankt in diesem Zusammenhang allen Partnern für ihre Kooperation und den konstruktiven Dialog.“

„Wir begrüßen die jetzt getroffene Vereinbarung zum Wohle der Betroffenen des Fabrikbrandes von Ali Enterprises. KiK hat freiwillig Verantwortung für die Betroffenen übernommen, weil uns diese Hilfe ein echtes Anliegen war“, sagt Patrick Zahn, Vorsitzender der Geschäftsführung von KiK. „Durch unsere Soforthilfe und die Zahlungen aus den Sozialkassen hatten die Betroffenen in den vergangenen Jahren bereits finanzielle Sicherheit. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, diese Sicherheit auch für die Zukunft garantieren zu können“, so Zahn weiter. „Unser Dank geht an die Mitarbeiter der ILO, denen es gelungen ist, die unterschiedlichen Erwartungen aller Beteiligten faktenbasiert zusammenzuführen und so die Basis für eine Einigung zu schaffen“.

Jyrki Raina, Generaldirektor von IndustriALL Global Union, bemerkt: „Endlich können die verletzten Überlebenden und Familien der Opfer des Ali Enterprises Feuer vier Jahre nach dem schweren Unglück Unterstützung erhalten. Wir loben KiK für die Zustimmung, eine Entschädigung zu zahlen, die internationale Standards erfüllt. Unser Dank geht an alle Parteien, die unermüdlich daran gearbeitet haben, dieses Übereinkommen möglich zu machen.  Nun müssen wir uns weiterhin für einen sichereren Textilsektor in Pakistan stark machen, sodass ein solches Unglück sich nicht wiederholt.“

Ineke Zeldenrust, internationale Koordinatorin der Kampagne für saubere Kleidung, kommentiert: „Wir begrüßen das Abkommen, welches nun endlich direkte Zahlungen für die garantiert, die durch das Unglück einen unendlich großen Verlust erleiden mussten. Dieses Abkommen wurde mit Hilfe von pakistanischen Organisationen verhandelt, welche die betroffenen Familien der Opfer und der Überlebenden des Feuers vor Ort direkt unterstützen. Wir ergreifen hiermit die Gelegenheit und danken Ihnen für ihren Mut und die Kraft, für Gerechtigkeit zu kämpfen“.