COVID-19: Auswirkungen auf junge Menschen

COVID-19 beeinträchtigt die Ausbildung von über 70 Prozent der Jugendlichen

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie betreffen besonders junge Menschen, verschärfen bestehende Ungleichheiten und könnten das produktive Potenzial einer ganzen Generation mindern, so die Internationale Arbeitsorganisation.

Nachricht | 11. August 2020


Genf (ILO News) – Die COVID-19-Krise hat negative Auswirkungen auf die allgemeine und berufliche Bildung junger Menschen.

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation, ILO, sind seit Beginn der Pandemie über 70 Prozent der Jugendlichen, die studieren oder ein Studium mit Arbeit verbinden, von der Schließung von Schulen, Universitäten und Ausbildungszentren betroffen.

Laut dem Bericht "Youth and COVID-19: impacts on jobs, education, rights and mental well-being" gaben 65 Prozent der Jugendlichen an, seit Beginn der Pandemie weniger gelernt zu haben. Dies ist auf Schwierigkeiten beim Übergang vom Präsenzunterricht zum Online- und Fernunterricht während des Lockdowns zurückzuführen. Trotz der Bemühungen, Studium und Ausbildung fortzusetzen, glaubte die Hälfte der Jugendlichen, dass sich ihr Studium verzögern würde, und neun Prozent glaubten, dass sie sogar scheitern könnten.

Noch schlimmer war die Situation für Jugendliche, die in Ländern mit niedrigerem Einkommen leben. Unzureichender oder kein Zugang zum Internet, fehlende technische Ausrüstung und manchmal auch zu enge Räumlichkeiten zu Hause verhindern das Lernen.

Dies verdeutlicht die große "digitale Kluft" zwischen den Regionen: Während 65 Prozent der Jugendlichen in Ländern mit hohem Einkommen per Videovorlesung unterrichtet wurden, konnten nur 18 Prozent in Ländern mit niedrigem Einkommen weiterhin online studieren.

Die Pandemie fügt den jungen Menschen mehrere Schocks zu. Sie vernichtet nicht nur ihre Arbeitsplätze und Beschäftigungsaussichten, sondern stört auch ihre Aus- und Weiterbildung und hat schwerwiegende Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden.."

Guy Ryder, ILO Director-General

"Die Pandemie fügt den jungen Menschen mehrere Schocks zu. Sie vernichtet nicht nur ihre Arbeitsplätze und Beschäftigungsaussichten, sondern stört auch ihre Aus- und Weiterbildung und hat schwerwiegende Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden. Wir können das nicht zulassen", sagt ILO-Generaldirektor Guy Ryder.  

Zukunftssorgen

Dem Bericht zufolge sind 38 Prozent der jungen Menschen hinsichtlich ihrer künftigen Berufsaussichten pessimistisch. Sie befürchten, dass die Krise zu weiteren Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt führen und der Übergang von der Schule in den Beruf verlängern wird.

Einige haben bereits direkte Auswirkungen zu spüren bekommen: Jeder sechste Jugendliche musste seit Ausbruch der Pandemie seine Arbeit einstellen. Viele jüngere Arbeitnehmer sind in stark betroffenen Bereichen wie Unterstützung, Dienstleistungen und verkaufsbezogene Arbeiten beschäftigt. Diese Sektoren sind anfälliger für wirtschaftliche Folgen der Pandemie. 42 Prozent derer, die ihren Arbeitsplatz behalten konnten, mussten Einkommenseinbußen hinnehmen.

Diese Unsicherheiten wirken sich auf das psychische Wohlbefinden der jungen Menschen aus. Die Umfrage ergab , dass 50 Prozent der jungen Menschen möglicherweise unter Angstzuständen oder Depressionen leiden.

Mitspracherechte für junge Menschen

Trotz vieler Unsicherheiten setzen junge Menschen ihre Energie ein, mobilisieren sich im Kampf gegen die Krise und erheben ihre Stimmen. Laut der Umfrage hat jeder Vierte während der Pandemie ehrenamtlich gearbeitet.
Mitspracherechte für junge Menschen bei Entscheidungsfindungen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie könnte die Wirksamkeit dieser Strategien und Programme verbessern. Jugendliche erhalten damit die Möglichkeit, dass ihre Bedürfnisse und Ideen gehört und berücksichtigt werden und bezieht sie im besten Fall in die Umsetzung ihrer Belange ein, so der Bericht.

Der Bericht fordert außerdem umfassend angelegte und zielgerichtete politische Maßnahmen, um die betroffene Generation junger Menschen davor zu schützen, dass ihre Beschäftigungsaussichten durch die Krise dauerhaft beeinträchtigt werden.

Dazu gehören unter anderem die Wiedereingliederung derjenigen in den Arbeitsmarkt, die ihren Arbeitsplatz verloren oder eine Arbeitszeitverkürzung erfahren haben, sowie die Gewährleistung des Zugangs der Jugendlichen zu Leistungen der Arbeitslosenversicherung und Maßnahmen zur Förderung ihrer psychischen Gesundheit, von psychosozialer Unterstützung bis hin zu sportlichen Aktivitäten.

Youth and COVID-19: impacts on jobs, education, rights and mental well-being wird von der ILO, AIESEC, dem Emergency Trust Fund for Africa der Europäischen Union, dem Europäischen Jugendforum, dem Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte und der Hauptgruppe der Vereinten Nationen für Kinder und Jugendlich der Vereinten Nationen veröffentlicht.