Internationaler Tag der Genossenschaften

ILO-Generaldirektor Guy Ryder zum Internationalen Tag der Genossenschaften

Der Internationale Tag der Genossenschaften wird in diesem Jahr im Zusammenhang mit dem hundertjährigen Jubiläum der ILO gefeiert. Das Thema „Genossenschaften für menschenwürdige Arbeit“ verbindet sich nicht nur mit den Zielen der ILO sondern auch mit dem Ziel Nr 8 der nachhaltigen Entwicklungsagenda. Der ILO-Generaldirektor grüßt die internationale Genossenschaftsbewegung mit einer Videobotschaft.

Nachricht | 8. Juli 2019

Das Konzept „Menschenwürdige Arbeit“ formuliert die Erwartungen der Menschen, ihr Arbeitsleben unter Bedingungen von Freiheit, Gleichheit, Sicherheit und Würde zu gestalten. Dies ist die Voraussetzung zur Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit, ein Mandat das der Internationalen Arbeitsorganisation bereits im Gründungsjahr 1919 übertragen wurde. Das hundertjährige Bestehen der ILO und die Forderungen nach „Menschenwürdigen Arbeitsbedingungen“ verstärken somit das diesjährige Thema zum Internationalen Tag der Genossenschaften „Genossenschaften und menschenwürdige Arbeit“.

Seit 1919 hat die ILO ihre Konstituenten -  Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber - mit gleichwertiger Stimme ausgestattet und zahlreiche Arbeits- und Sozialstandards als Grundlage eines internationalen Arbeits- und Sozialgesetzbuches ausgearbeitet.

Die internationalen ILO-Arbeits- und Sozialstandards definieren zum Beispiel die Arbeitszeitbegrenzung. Das erste ILO-Übereinkommen von 1919 forderte die Einführung des Acht-Stunden-Tages für alle Beschäftigten. Grundlegende Übereinkommen wurden zur Abschaffung von Kinder- und Zwangsarbeit verabschiedet. Das Recht auf menschenwürdige Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen hat zu mehr Inklusion geführt und ILO-Normen haben zur Geschlechtergleichstellung beigetragen.

Die Internationale Arbeitskonferenz hat in diesem Jahr ein Übereinkommen zur Abschaffung von Gewalt gegen Frauen und Männer am Arbeitsplatz verabschiedet. Mit der Weiterentwicklung ihres Internationalen Arbeits- und Sozialgesetzbuches, das bis heute 190 Übereinkommen und 205 Empfehlungen formuliert, strebt die ILO eine Führungsrolle in der Gestaltung und Umsetzung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen an.

Der erste Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, Albert Thomas kam aus der Genossenschaftsbewegung. Er erkannte die besondere Bedeutung der Genossenschaften und gründete bereits 1920 die entsprechende Abteilung in der ILO. Somit waren die Genossenschaften von Beginn an ein wichtiger Partner für die Umsetzung der menschenzentrierten Agenda für faire, sichere und inklusive Zukunft der Arbeit. 

Als Vertretung der weltweiten Genossenschaftsbewegung besitzt die „International Cooperative Alliance“ einen beratenden Status bei der ILO. Genossenschaften bieten in allen Wirtschaftsbereichen ein belastbares, demokratisches und nachhaltiges Geschäftsmodell. Die ILO-Empfehlung No 193 zur Förderung der Genossenschaften, die im Jahr 2002 verabschiedet wurde, bietet eine solide Grundlage zur nationale Politik für Genossenschaften.

In jüngster Zeit wurden Genossenschaften als hilfreiches Instrument auf dem Weg zur Formalisierung der informellen Wirtschaft erkannt (ILO-Empfehlung 204 zum Übergang von der informellen zur formellen Wirtschaft, 2015).

Der Bericht der globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit vom Januar 2019 betont ebenso die Bedeutung von Genossenschaften für die Schaffung von Arbeitsplätzen und nachhaltiges Wirtschaften.

Neue Entwicklungsmodelle haben dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen innovative Lösungen und neue Formen der Arbeitsorganisation suchen, damit sie am Markt bestehen können.

Im Transformationsprozesses für nachhaltiges Wirtschaften und menschenwürdige Arbeit fällt Genossenschaften somit eine Schlüsselrolle zu.

Daher begrüßt die ILO die Verpflichtung der internationalen Genossenschaftsbewegung zur Förderung von menschenwürdiger Arbeit. Besonders schätzt die ILO die „Declaration on Decent work and Against Harassment“, die die „Null-Toleranz Politik“ der Genossenschaften hinsichtlich von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz ausdrückt. Dies ist nur ein Beispiel für „Gute Praxis“ innerhalb der Genossenschaftsbewegung.

Vorausdenkende Genossenschaften setzen konkrete Maßnahmen für soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Nicht-Diskriminierung um, und entwickeln Systeme, die ihren Fortschritt für menschenwürdige Arbeitsbedingungen dokumentieren. Die neuen Statistik-Richtlinien für Genossenschaften, die die internationale Konferenz der Arbeitsstatistiker im letzten Jahr verabschiedet hat, bieten dazu die Grundlagen.

In Zeiten des grundlegenden Wandels und der außergewöhnlichen Herausforderungen für die Welt der Arbeit freuen wir uns, mit der Genossenschaftsbewegung einen zuverlässigen Partner für eine gerechte und berechenbare Zukunft für alle zu haben. Ich wünsche dafür viel Glück.