Statement von ILO-Generaldirektor Guy Ryder zum Internationalen Tag der Jugend 2017

Menschenwürdige Arbeit für junge Menschen sichert den Frieden

„Wenn Erwachsene und Jugendliche eine Vision für eine bessere Zukunft haben, werden sie sich ihr mit ganzer Kraft widmen, um sie zu erreichen“, so ILO-Generalsekretär Guy Ryder.

Nachricht | 11. August 2017
Am Internationalen Tag der Jugend denken wir an die Rolle, die junge Menschen beim Aufbau des Friedens einnehmen. Die Chance, einer menschenwürdigen Arbeit nachzugehen, ermöglicht es auch jungen Menschen einen bedeutenden Beitrag zur Prävention von Konflikten, beim Wiederaufbau und zur Stärkung der Widerstandskraft in Zeiten von Krieg und Naturkatastrophen zu leisten.

Ungefähr zwei Milliarden Menschen leben in Ländern, die von Konflikten, Gewalt und Instabilität betroffen sind, mehr als ein Drittel von ihnen sind Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren. Schulbesuch und Ausbildung ist unter solchen Bedingungen schwierig bis unmöglich und jungen Frauen und Männern fehlt es häufig an einer Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.

Ohne die Chance, eine sichere Existenzgrundlage aufzubauen, steigt die Gefahr sich an bewaffneten Konflikten zu beteiligen, insbesondere für ohnehin benachteiligte Gruppen der Gesellschaft. Hier steht viel auf dem Spiel: Nicht nur die Zukunft von Gemeinschaften und Gesellschaften sondern auch die Fähigkeiten zum Aufbau einer besseren Zukunft.

Wir alle wissen: Junge Menschen sind Teil der Lösung. Wenn wir ihnen zuhören, sie unterstützen und in die Lage versetzen, ihre Vorstellungen zu verwirklichen, werden sie aktive Akteure für den Aufbau des Frieden, für Resilienz und Wiederaufbau.

Und das Thema ist hochaktuell. Vor zwei Monaten erst verabschiedete die Internationale Arbeitskonferenz die Empfehlung Nr. 205 Beschäftigung und menschenwürdige Arbeit für Frieden und Resilienz*.

Diese Empfehlung bietet den Mitgliedern Leitlinien zu den Maßnahmen, die zur Schaffung von Beschäftigung und menschenwürdiger Arbeit im Hinblick auf Prävention, Erholung, Frieden und Resilienz in Bezug auf Krisensituationen infolge von internationalen und nicht internationalen bewaffneten Konflikten und Katastrophen zu treffen sind. Sie bezieht sich besonders auf den Schutz, die Aus-und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen in Konfliktsituationen, gründet auf Dialog und hat das Potential eines bedeutenden Treibers für anhaltenden Frieden zu werden.

Wir sind in der historischen Lage, unser Handeln zum Wohl jungen Menschen für den Frieden zu verwirklichen. Dafür legen die ILO-Empfehlung 205, die UN-Resolution 2250 (2015) zur Globalen Initiative für menschenwürdige Arbeit für Junge Menschen und die Multi-Stakeholder Partnerschaft zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsagenda 2030 die Grundlagen.

Zwei grundlegende Prinzipien leiten unser Handeln:

Erstens: Die Stimmen junger Menschen müssen gehört werden, ihre Kreativität entwickelt und ihre Rechte respektiert werden. Diese Ziele wurden bereits im ILO Aufruf zum Handeln von 2012 formuliert.
Zweitens: Die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung und der Zugang zu menschenwürdigen Arbeitsplätzen.

Die ILO-Publikationen „Rising to the youth employment challenge: New evidence on key policy issues“, veröffentlicht zum Internationalen Tag der Jugend 2017, beinhaltet drei Schlüsselbotschaften:
  • Wirksame Politik zur Jugendbeschäftigung bedarf einer umfassenden Strategie, die Wechselbeziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten verschiedener Programme berücksichtigt.
  • Angemessen gestaltete Lohnsubventionen können Qualifikationen verbessern, bieten sinnvolle Arbeitserfahrungen und sichern langfristig die Beschäftigungsaussichten junger Menschen
  • Programme zur Förderung von Selbständigkeit müssen Rahmenbedingungen schaffen um es jungen Menschen zu ermöglichen, aus der Informalität in den formalen Arbeitsmarkt zu wechseln.
Ein junger Aktivist, der im Flüchtlingslager Zaatari, nördlich von Amman in Jordanien arbeitet, erklärte: „Wenn Erwachsene und Jugendliche eine Vision für eine bessere Zukunft haben, werden sie sich ihr mit ganzer Kraft widmen, um dies zu erreichen“.


*Resilienz: die Fähigkeit eines Systems, einer Gemeinschaft oder einer Gesellschaft, die Gefahren ausgesetzt sind, den Auswirkungen einer Gefahr zu widerstehen, sie zu verkraften, sich ihnen anzupassen, sie umzuwandeln und sich von ihnen zu erholen, und zwar rechtzeitig und effektiv, einschließlich durch den Erhalt und die Wiederherstellung ihrer wesentlichen grundlegenden Struk-turen und Funktionen durch Risikomanagement. (Quelle: Bericht V (2B) Beschäftigng und menschenwürdige Arbeit für Frieden und Resilienz, S. 4)