Internationaler Frauentag

Neuer ILO-Bericht zu Gleichstellung und Vereinbarung von Familie und Beruf

Der neue Bericht „Towards a better future for women and work: Voices of women and men“ bietet erstmalig weltweit erhobene Daten zu Einstellungen und Verhaltensweisen von Frauen und Männern zum Thema Frauen und Beruf.

Nachricht | 8. März 2017
© Caia Image / Science Photo Library
Genf/Washington (ILO news – Gallup) – Der neue Bericht „Towards a better future for women and work: Voices of women and men“ bietet erstmalig weltweit erhobene Daten zu Einstellungen und Verhaltensweisen von Frauen und Männern zum Thema Frauen und Beruf. Die Erkenntnisse basieren auf dem Gallup World Poll, einer repräsentativen Erhebung der globalen Erwerbsbevölkerung in 142 Ländern und Regionen, mit ca 149.00 befragten Erwachsenen.

70 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer befürworten, dass Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen. Diese Zahlen sind doppelt so hoch, wie die Prozentzahlen derer, die es vorziehen, dass Frauen zu Hause bleiben.


Daten für Deutschland

Von den 70 Prozent der Frauen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen möchten, zählt die Mehrheit aktuell nicht zur Erwerbsbevölkerung. Dies trifft auf fast alle Regionen weltweit zu, einschließlich der Regionen, in der die Frauenerwerbsquote niedrig ist, wie in den Arabischen Staaten.

Einstellungen von Frauen und Männern nähern sich an


Die Einstellungen der Männer sind denen der Frauen in vieler Hinsicht ähnlich. 28 Prozent der Männer begrüßen es, wenn weibliche Familienmitglieder erwerbstätig sind, 29 Prozent ziehen es vor, wenn sie im Haushalt bleiben und 38 Prozent begrüßen die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienarbeit.

Weltweit bevorzugen Frauen mit einem Vollzeitarbeitsplatz (mehr als 30 Stunden pro Woche, nach Gallup Definition) die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.  In Abhängigkeit vom Bildungsstand steigt die Zustimmung von Frauen und Männer zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen.

„Die Untersuchung zeigt klar, dass die Mehrzahl der Frauen und Männer weltweit Frauenerwerbsarbeit befürworten. Für die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit in der Berufswelt ist eine familienfreundliche Politik wichtig, die es Frauen ermöglicht, erwerbstätig und beruflich erfolgreich zu sein und Männer motiviert, ihren Anteil an der Familienarbeit zu übernehmen“, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Bezogen auf die eigene Familie befürworten Frauen zu 83 Prozent Frauenerwerbstätigkeit, Männer immerhin zu 77 Prozent.

Familien spielen eine zentrale Rolle bei der Meinungsbildung: Unter Frauen aus Haushalten, die Frauenerwerbstätigkeit ablehnen, möchte eine von drei Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen. Kinder im Haushalb beeinflussen die Einstellungen: In Haushalten mit jüngeren Kindern (15 Jahre und jünger) sinkt die Zustimmung zur Erwerbsarbeit von Frauen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf


Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit stellt eine erhebliche Herausforderung für arbeitenden Frauen weltweit dar. Für die große Mehrheit der befragten Frauen und Männern ist die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie eine der größten Herausforderungen. Unfaire Behandlung, Missbrauch und Belästigung am Arbeitsplatz, das Fehlen gut bezahlter Arbeit und ungleiche Entlohnung sind weitere zentrale Probleme in den verschiedenen Regionen der Welt.

In Sub-Sahara Afrika fallen beispielsweise die Antworten zu „unfaire Behandlung/Diskriminierung“ am Arbeitsplatz mit 19 Prozent ähnlich hoch ins Gewicht wie Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (18 Prozent). In Nord-, Süd- und Westeuropa liegen die Hauptprobleme bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gleicher Entlohnung.

In Nordamerika wird ungleiche Bezahlung von 30 Prozent der Befragten vor der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (16 Prozent) und unfaire Behandlung/Diskriminierung (15 Prozent) genannt. In Nordafrika, Sub-Sahara-Afrika, Südasien und den Arabischen Staaten zählt der Fakt , dass „Familienmitglieder es nicht befürworten, wenn eine Frau einer Erwerbsarbeit nachgeht“ zu den fünf am häufigsten genannten Hindernissen, denen Frauen gegenüber stehen.

Die Wahrnehmung der Probleme am Arbeitsplatz sind altersabhängig: Junge Frauen zwischen 15 und 29 äußern eher unfaire Behandlung, Missbrauch und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Frauen im Alter zwischen 30 und 44 bemängeln fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder und Familienangehörigen. Mit zunehmendem Lebensalter rückt die ungleiche Bezahlung im Vergleich zu Männern in den Fokus.

Weltweit gibt die Mehrheit der arbeitenden Frauen an, dass ihr Einkommen eine bedeutende Quelle (30 Prozent) oder sogar die Haupteinnahmequelle (26 Prozent) ihres Haushaltseinkommens ist. Dennoch erbringen Männer mit 48 Prozent immer noch stärker als Frauen die Hauptquelle des Haushaltseinkommens. Auch hier ist die Bildungsabhängigkeit zu nennen: Mit höherer Bildung ist der Beitrag zum jeweiligen Haushaltseinkommen ausgeglichener.

Weltweit teilen Frauen und Männer Einstellungen über Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen. Der Bericht zeigt, dass bei vergleichbarer Ausbildung und Erfahrung, Frauen wie Männer gleiche Chancen sehen, eine gute Arbeit in ihrer Stadt oder Region zu finden. 25 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer bescheinigen Frauen bessere Möglichkeiten, eine Arbeit zu finden.

Weltweit finden sich deutliche Belege für Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in der Arbeitswelt, allerdings bestehen regionale Unterschiede. In Nordamerika sind mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten davon überzeugt, dass eine Frau mit ähnlicher Qualifikation wie ein Mann die gleichen Chancen hat, einen guten Arbeitsplatz zu finden.

Europa ist ein schlechtes Vorbild, wenn es um Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt für Frauen bei vergleichbarer Qualifikation mit Männern geht.

Die Ergebnisse fließen ein in die Jahrhundert-Initiative der ILO zu „Women at Work“, die das Ziel verfolgt, Geschlechtergerechtigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt durchzusetzen.