Ziel Nr. 5 Geschlechtergleichstellung der Nachhaltige Entwicklungsagenda 2030

Die Zukunft der Arbeit ist mit der Zukunft der Frauen bei der Arbeit verknüpft

Shauna Olney, Chefin der Abteilung für Gender, Gleichheit und Vielfalt kommentiert, warum das Erreichen von Geschlechtergleichheit entscheidend für die Welt der Arbeit ist.

Nachricht | 22. Oktober 2015
Von Shauna Olney, Chefin der ILO-Abteilung für Gender, Gleichheit und Vielfalt
Wenn es Frauen besser geht, wird die Welt ein besserer Ort für alle. Deshalb haben 193 Länder vor den Vereinten Nationen die Forderung zur Geschlechtergleichheit als Kernelement der nachhaltigen Entwicklungsagenda für 2030 angenommen.

17 der nachhaltigen Entwicklungsziele beinhalten geschlechterspezifische Vorgaben. Das eigenständige Ziel Nr. 5 bleibt Priorität:

„Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“.

Trotz Fortschritten in den Bereichen Bildung und Müttersterblichkeit, ist es bisher nicht gelungen, Frauenbeschäftigung, Verdienst- und Arbeitsbedingungen für Frauen denen der Männer gleichzustellen. Die Frauenerwerbsquote beträgt global 50 Prozent, der Vergleichswert für Männer liegt bei 77 Prozent. Höhere Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt nicht jedoch nicht ausreichend, die Qualität der Arbeitsplätze ist entscheidend.

Weltweit verdienen Frauen ungefähr 77 Prozent ihrer männlichen Kollegen. Frauen sind weiterhin vorrangig für die Haus- und Familienarbeit zuständig. 51 Prozent der ILO-Mitgliedsstaaten gewähren mindestens 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Dennoch verbleiben Millionen Frauen ohne grundlegende Rechte und angemessenen Mutterschutz.

Viele Frauen unterliegen dem Risiko von Gewalt zu Hause und bei der Arbeit. Gewalt bei der Arbeit behindert den Zugang und den Verbleib in Beschäftigung und hat Auswirkungen auf die Produktivität. Frauen in der Arbeitswelt sind in Entscheidungspositionen unterrepräsentiert. Obwohl Frauen 30 Prozent der Unternehmen führen, konzentrieren sie sich in Kleinst- oder Kleinunternehmen.

Nur 19 Prozent Frauen sitzen in Aufsichtsräten großer Firmen. Nur fünf Prozent oder noch weniger des Führungspersonals der größten Unternehmen sind Frauen. Es bleibt noch viel zu tun.

Das weltweite Potential erkennen


Kulturelle Traditionen und wirtschaftliche Bedingungen können Diskriminierung und andere Verletzungen grundlegender Menschenrechte nicht entschuldigen. Alle Länder, ob mit hohem oder niedrigem Einkommen, können es sich nicht länger leisten, das soziale und wirtschaftliche Potential der Geschlechtergleichheit zu vernachlässigen. Neuere Forschungen zeigen, dass eine gleichwertige Teilhabe der Frauen an der Wirtschaft das jährliche globale Bruttoinlandprodukts bis zu 28 Billionen US-Dollar oder 26 Prozent im Jahr 2025 erhöht. Diese Zahlen sprechen für sich selbst.

Anspruchsvolle Strategien, die die vorhandenen Normen zur Geschlechtergleichheit erfolgreich in die Arbeitswelt und Gesellschaft umsetzen und die strukturelle Ungleichheiten beseitigen werden benötigt. Die ILO-Übereinkommen zur Nicht-Diskriminierung, gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit, zum Mutterschutz und zur gerechten Verteilung von Arbeits- und Familienpflichten, einschließlich Elternurlaub und guter und bezahlbarer Betreuung für abhängige Familienmitglieder zeigen die Handlungsoptionen. Dazu gehört auch das kürzlich verabschiedete ILO-Übereinkommen zu menschenwürdiger Arbeit für Hausangestellte, die Empfehlung zum innerstaatlichen sozialen Basisschutz sowie die Diskussion zum Übergang von der informellen zur formellen Wirtschaft.

Immer mehr Länder verabschieden Strategien, die die Ursachen und Folgen von Geschlechterungleichheit und Diskriminierung in allen Lebensbereichen in Angriff nehmen. Eine zentrale Maßnahme ist beispielsweise die Aufforderung „Betreuungspflichten zu teilen“.

Frauenarbeit Wert beimessen

Geschlechtergleichheit wird es nicht geben, wenn Arbeit, die von Frauen verrichtet wird, nicht angemessen bewertet und entlohnt wird. Ein Beispiel: In Portugal entwickelte ein Ausschuss der Sozialpartner eine Methode zur Arbeitsplatzevaluierung, die dabei hilft, die Entlohnungslücke von Frauen zu schließen, indem Diskriminierung in frauendominierten Berufen, die traditionell unterbewertet sind, angegangen wurde. Die Niederlande schützen Arbeitsbedingungen bei Teilzeitarbeitsplätzen, die häufig von Frauen besetzt werden, gesetzlich.

Die ILO hat eine führende Rolle bei der Umsetzung von Geschlechtergleichheit bei der Arbeit. In Vorbereitung zum 100. Jahrestag des Bestehens der ILO und als integraler Bestandteil ihres Engagements zur nachhaltigen Entwicklungsagenda 2030 wurde die „Women at Work Centenary Initiative“ ins Leben gerufen.

Wie ILO-Generaldirektor Guy Ryder anlässlich des Internationalen Frauentags sagte: „Die Förderung von menschenwürdiger Arbeit für Frauen ist zwingend erforderlich, heute und in der nächsten Generation… Es geht um Rechte und was den Frauen für eine nachhaltige Entwicklung dienlich ist“.

Das Ziel Nr. 5 der nachhaltigen Entwicklungsagenda 2030 ist erreichbar. Die Instrumente und Verpflichtungen sind vorhanden. Es ist Zeit für mehr Geschlechtergleichheit zu handeln.