Welttag gegen Kinderarbeit 2015

Neue ILO-Studie verweist auf langfristige Folgen der Kinderarbeit

Kinderarbeit ist nach wie vor existent und kann nur in einer gemeinsamen politischen Strategie überwunden werden.

Nachricht | 12. Juni 2015
Genf (ILO News) – Ein neuer ILO Bericht zum Welttag gegen Kinderarbeit „World Report on Child Labour 2015: Paving the way to decent work for young people“ zeigt, dass Kinderarbeit dramatische Auswirkungen auf den Lebensverlauf junger Menschen hat: Kinderarbeit setzt sich häufig in unbezahlter Familienarbeit und niedrig entlohnten Jobs fort. In Ländern mit niedrigem Einkommen verlassen 20 bis 30 Prozent der Kinder im Alter von 15 Jahren die Schule und werden Teil des Arbeitsmarkts. Die Mehrzahl davon war zuvor als Kinderarbeiter eingesetzt.

„Der Bericht unterstreicht erneut die Notwendigkeit abgestimmter politischer Ansätze im Kampf gegen Kinderarbeit und für menschenwürdige Arbeitsplätze für Jugendliche. Schulbesuch und eine gute Ausbildung sind zentral für eine menschenwürdige Zukunft der Kinder. Bildung ist der einzige Weg für Kinder weltweit, grundlegendes Wissen und Fähigkeiten für zukünftiges Lernen zu erwerben. Dies ist nicht zuletzt die Grundlage für das weitere Arbeitsleben und damit die Zukunft unserer Kinder“, so ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Nobelpreisträger Kailash Satyarthi hat im Rahmen der Internationalen Arbeitskonferenz zu einem Bewusstseinswandel aufgerufen. „Wenn wir an unsere eigenen Kinder denken, glauben wir, dass sie Doktoren, Ingenieure und Professoren werden – die ganze Welt steht ihnen offen. Aber wenn wir über andere Kinder sprechen, denken wir, ok, das sind arme Kinder, lass‘ sie arbeiten, wir werden ihnen irgendwann helfen. Lassen Sie uns auch diese Kinder wie unsere eigenen Kinder betrachten“.

Hauptergebnisse des Berichts


Der Bericht thematisiert die zweifache Herausforderung, Abschaffung der Kinderarbeit und Bereitstellung menschenwürdiger Arbeit für junge Menschen. Auf Grundlage der Analyse von 12 Ländern untersucht die Studie die Berufsverläufe früherer Kinderarbeiter und vorzeitiger Schulabgänger.
  • Frühe Kinderarbeit ist mit niedrigem Bildungsstand verbunden. Im späteren Leben bedeutet dies oftmals, keinen Arbeitsplatz zu finden, der grundlegenden Kriterien für menschenwürdige Arbeit standhält.
  • Und die Spirale setzt sich fort, denn frühe Schulabgänger haben deutlich weniger Chancen auf einen sicheren und stabilen Arbeitsplatz und haben ein größeres Risiko aus dem Arbeitsmarkt heraus zu fallen.
  • In vielen Ländern findet sich ein hoher Anteil der 15-17jährigen auf gefährlichen Arbeitsplätzen oder in schlimmsten Formen der Kinderarbeit.
  • Für Kinder in risikoreichen und gefährlichen Jobs besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie die Schule frühzeitig verlassen haben, bevor sie das Mindestalter zum Erwerbseintritt erreichten.
Der Bericht empfiehlt frühe Interventionen zur Vermeidung von Kinderarbeit und zur Ermöglichung des Schulbesuchs, ebenso wie Maßnahmen, die den Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt erleichtern. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei 47,5 Millionen junger Menschen im Alter von 15-17 Jahren in risikoreicher und gefährlicher Arbeit. Hier sind Mädchen und junge Frauen in besonderer Weise betroffen.

„Nationale politische Ansätze sollten Kinder und junge Menschen von gefährlichen und risikoreichen Arbeitsplätzen fernhalten und – natürlich- Risiken am Arbeitsplatz beseitigen," so ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Die jüngste Schätzung der ILO geht von 168 Millionen Kinderarbeitern aus, davon 120 Millionen im Alter zwischen 5 und 14 Jahren. Der Bericht unterstreicht die Bedeutung früher Intervention im Lebensverlauf, um Kinderarbeit zu bekämpfen.

Welttag gegen Kinderarbeit


Der diesjährige Welttag mit dem Thema „Nein zu Kinderarbeit – Ja zu guter Bildung“ wird am 12. Juni in hunderten von Veranstaltungen in rund 55 Ländern begangen. In Genf wird unter Teilnahme von Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi eine neue Kampagne zur Ratifikation des ILO-Protokolls zur Zwangsarbeit, das von der Internationalen Arbeitskonferenz bereits 2014 angenommen wurde, gestartet. Die ILO schätzt, dass mehr als fünf Millionen Kinder unter sklavenähnliche Bedingungen arbeiten, die große Mehrheit von ihnen besitzt keine grundlegende Schulbildung.