Geschlechtergleichheit

Frauen in Top-Positionen von Unternehmen

Neue ILO-Studie belegt den Zusammenhang zwischen Frauen in Führungspositionen und Geschäftserfolg

Pressemitteilung | 12. Januar 2015
Genf (ILO News) – Obwohl Frauen im Top-Management immer noch unterrepräsentiert sind, hat sich die Anzahl der Frauen in mittleren und gehobenen Managementpositionen in den letzten 20 Jahren erhöht, so eine neue Studie der ILO-Abteilung für Unternehmensaktivitäten.

Nach der Studie „Women in Business and Management: Gaining Momentum“, hat sich in 80 von 108 Ländern, für die Daten zu Verfügung standen, der Anteil von Managerinnen in diesem Zeitraum erhöht.


Der steigende Anteil von Frauen im Arbeitsmarkt ist der stärkste Antrieb für weltweites Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. "

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„Unsere Forschung beweist, dass der steigende Anteil von Frauen im Arbeitsmarkt der stärkste Antrieb für weltweites Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ist“, so Deborah France- Massin, Direktorin der ILO-Abteilung für Unternehmensaktivitäten.

„Zahlreiche Studien zeigen ebenfalls den positiven Zusammenhang von Frauenbeteiligung in Top-Entscheidungsteams und Geschäftserfolg. Aber es gilt noch einen langen Weg zurückzulegen bis wir Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz erreicht haben, besonders wenn wir uns die Top-Managementpositionen ansehen“.

Nur knapp fünf Prozent des globalen Führungspersonals der weltgrößten Unternehmen sind Frauen. Je größer das Unternehmen, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass in der Top-Führungsposition eine Frau zu finden ist.

Mehr Frauen in Vorständen


Männlich dominierte Vorstände sind immer noch weit verbreitet, aber ihre Anzahl geht zurück. In einigen wenigen Ländern besetzen Frauen inzwischen 20 Prozent oder mehr aller Vorstandsposten. Eine weltweite Umfrage, die in der Studie zitiert wird, zeigt, dass Norwegen die weltweit höchste Zahl von Unternehmen (13,3 Prozent) besitzt, in der eine Frau den Vorstandsposten besetzt, gefolgt von der Türkei (11,1 Prozent).

„Es ist für Frauen entscheidend, in strategisch wichtige Managementpositionen zu gelangen, die einen Pool von potentiellen Kandidatinnen für Topjobs als Geschäftsführerin oder Führungspersonal für die Unternehmensspitze bereitstellen“, so France-Massin. „Dennoch existieren immer noch ‚gläserne Wände‘, weil sich Frauen auf bestimmten Managementbereiche wie Personalentwicklung, Kommunikation und Verwaltung konzentrieren“.

Frauen führen oder besitzen heute 30 Prozent aller Geschäftsbetriebe, sie sind häufiger in kleinen oder mittleren Unternehmen zu finden. Mehr Frauen im Geschäftsleben zu haben ist nicht nur entscheidend für Wachstum und Geschlechtergleichheit, sondern auch für die nationale Entwicklung, so der Bericht.

Die Studie stellt Statistiken zu Frauen im Management für zahlreiche Länder in allen Regionen mit unterschiedlichen Entwicklungsstadien vor. Sie enthält Daten zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle auf verschiedenen Hierarchieebenen und Statistiken über Leistungen von Frauen im Bildungsbereich.

Flexible Lösungen für die Vereinbarung von Beruf und Familie


Der Bericht gibt folgende Empfehlungen:

  • Flexible Lösungen zur Vereinbarung von Arbeits- und Familienpflichten finden
  • Unterstützung bei Kinderbetreuung und Mutterschutzbestimmungen zahlen sich für Unternehmen aus, weil dies für talentierte Frauen attraktiv ist und es ihnen erleichtert, den Kontakt zur Arbeitswelt auch während Familienphasen zu behalten
  • Kampf gegen sexuelle Diskriminierung und eine familienfreundliche Kultur im Unternehmen, um kulturelle Barrieren abzubauen
  • Thematisieren, dass Frauen im Laufe ihrer Karriere durch Familienpflichten zurückstehen, obwohl sie einen hohen Bildungsabschluss haben
  • Einführung einer geschlechter-sensiblen Personalpolitik
  • Sicherstellen, dass Frauen ebenso herausfordernde Aufgaben bekommen wie Männer und zwar von Beginn ihrer Berufslaufbahn an

Die Autoren betonen, dass Frauen und Mädchen fast die Hälfte aller Bildungsressourcen erhalten und somit einen bedeutenden Anteil des zur Verfügung stehenden Talente-Pools bilden.

Investitionen, um Unternehmen für Frauen attraktiv zu machen und Frauen im Unternehmen zu halten und zu fördern sind daher bedeutsam für den Unternehmenserfolg. Der Bericht legt dar, dass nationale Arbeitgeberorganisationen eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Aufmerksamkeit der Geschäftswelt auf die Bedeutung von Führungsverantwortung von Frauen für ihr Unternehmen aufzeigen.

„Wenn wir nichts unternehmen, brauchen wir 100 bis 200 Jahre, um Gleichheit im Topmanagement zu erreichen. Es ist Zeit, die gläserne Decke zu zerschlagen, um umstrittene verpflichtende Quoten zu vermeiden, die nicht immer notwendig oder effektiv sind. Frauen in Top-Positionen sind einfach gut fürs Geschäft“, so France-Massin.

Laut dem Bericht hat Jamaica den höchsten Anteil von Managerinnen, mit 59,3 Prozent; im Jemen hingegen ist der Anteil mit 2,1 Prozent am geringsten. Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen auf Platz 15 auf der Liste von 158 Ländern mit 42,7 Prozent weiblichen Managern, Großbritannien liegt auf dem 41. Platz und die Russische Föderation mit 39,1 Prozent belegt den 25. Platz. Deutschland erreicht mit 31,1 Prozent nur den 55. Rang.

In Afrika belegt Ghana mit 39 Prozent den 26. Platz, gefolgt von Botswana auf dem 28. Rang (38,6 Prozent). In Asien liegen die Philippinen mit 47,6 Prozent auf dem vierten Platz. Die Mongolei erreicht mit 41,9 Prozent den 17. Rang.