Gemeinsamer Bericht ILO – Migration Policy Institute

Europäische Regierungen sollten Aufstiegsmobilität besser fördern

Viele Migranten in Europa kämpfen, um aus niedrigqualifizierten Jobs herauszukommen. Europäische Regierungen könnten mehr tun, angesichts einer alternden Bevölkerung und geringem Wirtschaftswachstums, um Zuwanderern aus niedrigqualifizierten und prekären Jobs in besser qualifizierte Arbeit zu verhelfen, so der neue Bericht, der gemeinsam vom Migration Policy Institute und ILO erstellt wurde.

Nachricht | 19. November 2014
Washington und Genf – Europäische Regierungen könnten mehr tun, angesichts einer alternden Bevölkerung und geringem Wirtschaftswachstums, um Zuwanderern aus niedrigqualifizierten und prekären Jobs in bessere qualifizierte Arbeit zu verhelfen, so der neue Bericht, der gemeinsam vom Migration Policy Institute (MPI) und der ILO erstellt wurde.

Der Bericht „Aiming Higher Policies to get Immigrants into Middle-Skilled Work in Europe“ zeigt, dass einige Länder in der letzte Dekade erhebliche Investitionen in Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration unternommen haben, die sich in erster Linie darauf konzentriert haben, Migranten in Arbeit zu bringen. Im Ergebnis haben diese Strategien es nicht vermocht, langfristig berufliche Karrieren zu befördern.


Die demographischen Entwicklungen machen deutlich, dass die europäischen Länder es sich nicht leisten können, das Potential ihrer Einwohner zu verschwenden, wo immer sie herkommen.

„Die demographischen Entwicklungen machen deutlich, dass die europäischen Länder es sich nicht leisten können, das Potential ihrer Einwohner zu verschwenden, wo immer sie herkommen“, sagte der ehemalige MPI-Präsident Demetrios G. Papademetriou. „Einige Länder haben in den letzten Jahren oberste Priorität auf die Arbeitsmarktintegration gelegt, dabei aber weit weniger Aufmerksamkeit auf die Qualität der Arbeitsplätze verwandt. So bleibt der Aufstieg von Zuwanderern in mittlere oder höher qualifizierte Jobs erheblich zurück“.

„Wie unsere Ergebnisse zeigen, gibt es trotz einiger vielversprechender Innovation in einigen Ländern keine schnelle Lösung für das Problem, dass Zuwanderer oft in geringqualifizierten Jobs oder in der Arbeitslosigkeit steckenbleiben“, so Christiane Kuptsch, Migrationsexpertin der ILO. „Die Erkenntnisse über gegenseitige Abhängigkeiten von Beschäftigungs- und Migrationspolitik könnten zum Nutzen von Migranten, Arbeitgebern und dem Arbeitsmarkt beitragen“.

Die gravierenden Unterschiede in der Beschäftigung zwischen einheimischen und zugewanderten Arbeitnehmern bestehen nicht nur weiter, sondern sie haben sich seit der globalen Wirtschaftskrise noch verschärft, mit erheblichen Auswirkungen auf Frauen, Menschen, die ohne ein Arbeitsvisum einreisen und auf Zuwanderer, die nicht aus der europäischen Union kommen.

Während in den vergangenen 25 Jahren hohe Zuwanderung innerhalb Europas und aus anderen Kontinenten verzeichnet werden konnte, wurde die Mehrheit der Zuwanderer nicht nach ihren beruflichen Qualifikationen ausgewählt, sondern kamen als Teil von Familienzusammenführungen oder über humanitäre Wege. Viele, die mit gefragten Qualifikationen kamen, fanden leicht einen Arbeitsplatz, besonders während des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Mitte der 2000er-Jahre. Zahlreiche weitere Zuwanderer mussten - oft trotz guter Qualifikation und Berufserfahrung - kämpfen, um von niedrigsten und prekären Qualifikationsstufen in stabilere Positionen mittlerer Qualifikation zu gelangen.

Der Bericht ist das Ergebnis einer Forschungsinitiative, die vom MPI in Zusammenarbeit mit der ILO mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission für Beschäftigung, Soziales und Integration ermöglicht wurde. Er untersucht die Entwicklung der Zuwanderung auf den Arbeitsmärkten in sechs europäischen Ländern (Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden und Großbritannien) und analysiert politische Strategien zur Integration und Entwicklung der Erwerbsbevölkerung mit Schwerpunkt auf Arbeitsvermittlung, beruflicher und sprachlicher Weiterbildung.

Der Bericht skizziert die Schwierigkeiten, denen sich im Ausland geborene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenübersehen, um in der ersten Dekade nach ihrer Ankunft im Zielland einen sicheren Halt im Arbeitsmarkt zu finden. So erleben sie oft längere Perioden der Arbeitslosigkeit, Inaktivität oder Stagnation in unterqualifizierter Arbeit.

Die Autoren des Berichts, Meghan Benton, Madeleine Sumption, Kristine Alsvik, Susan Fratzke, Christiane Kuptsch und Demetrios G. Papademetriou analysieren verschiedene Strategien zur Arbeitsmarktintegration von Migranten in Europa, wie Programme, die direkt auf Migranten zugeschnitten sind und Dienstleistungen, die der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Spezielle Programme, die es ermöglichen, Dienstleistungen für die spezifischen Bedürfnisse der Zuwanderer zu gestalten, wie Orientierung und Job-coaching, sind oft sehr klein und richten sich an besondere Gruppen (Flüchtlinge oder Familienangehörige). Im Ergebnis tragen sie das Risiko, viele andere mit ähnlichen Bedürfnissen auszuschließen. Einige Länder haben sich daher an die dafür zuständigen Institutionen gewandt, wie öffentliche Arbeitsvermittlungs- und Weiterbildungsinstitutionen, um inklusivere Dienstleistungen für alle bereit zu stellen.

Die Öffentliche Arbeitsvermittlung kann als Bindeglied dienen, um Zuwanderern mit Arbeitgebern zusammenzubringen und bei der Entwicklung der Berufslaufbahn und Weiterbildung zu beraten. Dieses Potential wurde in den untersuchten Ländern jedoch nicht umgesetzt. Arbeitsvermittler haben oft nicht die notwendige spezielle Weiterbildung oder es fehlt an Ressourcen, um den besonderen Bedürfnissen der Zuwanderer zu entsprechen. Einige Länder haben auch nicht die Kapazitäten, um längerfristige Berufslaufbahnberatung zu ermöglichen oder um berufsbegleitende Weiterbildung für Menschen, die in niedrigqualifizierten Berufen feststecken, anzubieten.

Die Gestaltung von Weiterbildung und Sprachtraining für Zuwanderer ist eine schwierige, aber notwendige und wichtige Aufgabe. Bildung ist kein Allheilmittel; Arbeitgeber sind nicht immer bereit oder in der Lage, Teilnehmern nach Qualifizierungsmaßnahmen eine bessere Stelle anzubieten. Dennoch verspricht Weiterbildung zum Beispiel Sprachbarrieren zu verkleinern, grundlegende Qualifikationen und technische Expertise zu erhalten und ermöglicht den Erwerb sozialer Kompetenz, so die Autoren.


Die Empfehlungen des Berichts:
  • Verbesserung der Anreize für öffentliche Arbeitsvermittlungen, um den Bedürfnissen der Zuwanderer eher zu entsprechen. Besser ausgebildete oder spezialisierte Arbeitskräfte in der Vermittlung, um kurz- und langfristige Berufslaufbahnberatung anzubieten, anstatt sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, die Menschen so schnell wie möglich in irgendeinen Job zu bringen.
  • Finanzierung von Partnerschaften zwischen Arbeitgebern und Weiterbildungsinstitutionen, zur Unterstützung von Arbeitgebern, die bereit sind, Sprachunterricht, Praktika oder Programme für Arbeitserfahrung zu ermöglichen.
  • Verbesserte Koordination politischen Vorgehens auf föderaler, staatlicher und lokaler Ebene, Förderung gemeinsamer Ziele, Informationsaustausch und gegenseitige Verantwortung für Integrationsziele
  • Effektivere Evaluierung innovativer Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen und Überwachung der langfristigen Auswirkungen

Das Migration Policy Institut (MPI) ist eine unabhängige, unparteiische gemeinnützige Denkfabrik in Washington, DC und widmet sich Analysen von Wanderungsbewegungen weltweit. MPI bietet Analyse, Entwicklung und Evaluierung von Migration und Flüchtlingspolitiken auf der lokalen, nationalen und internationalen Ebene.