Textilindustrie in Bangladesch

Fortschritte bei Betriebssicherheit und Arbeitsrechten in Bangladesch; ILO ruft aber zu weiteren Verbesserungen auf

In der Textil- und Strickwarenindustrie hat die Regierung von Bangladesch wichtige Fortschritte bei Arbeitsrechten und bei der Betriebssicherheit erzielt, aber es bleibt noch viel zu tun.

Nachricht | 21. Oktober 2014
Seit 2013 hat die Regierung Bangladeschs bedeutende Fortschritte bei der Anwendung von Arbeitsrechten und bei der Betriebssicherheit in der Textil- und Strickwarenindustrie gemacht, aber es bleibt noch viel zu tun. Das ist die Schlussfolgerung eines Treffens, dass ILO und die Europäische Kommission in Brüssel organisierten.

Das Treffen bewertete die Aktivitäten des Sustainability Compact, einer Vereinbarung, die von der ILO, der Europäischen Kommission, der Regierung von Bangladesch und den Vereinigten Staaten im Juli 2013 unterzeichnet wurde. Das Treffen benannte Bereiche, die einer weiteren Verbesserung bedürfen, einige davon dringlich.

Wichtiger Fortschritt

Die stellvertretende ILO-Generaldirektorin Sandra Polaski stellte in ihrer Rede fest, dass die Regierung von Bangladesch und die anderen Compact Partner seit Juli 2013 positive Veränderungen erzielt haben.

Verbesserungen gab es in der Arbeitsgesetzgebung Bangladeschs zur Stärkung von Vereinigungsfreiheit, Kollektivverhandlungen, beim Arbeitsschutz und der Arbeitssicherheit. Neue Gewerkschaften wurden registriert.

In exportorientierten Textilfabriken wurden Sicherheitsinspektionen durchgeführt und Arbeitsschutzinspektionen erhielten mehr Ressourcen. Eine nationale Politik für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit wurde angenommen, die  Standards für Sicherheitsinspektionen einführte. Eine Überprüfungskommission für die Schließung gefährlicher Fabriken wurde ins Leben gerufen.


Es ist noch viel zu tun

Die ILO betonte, dass  trotz dieser Entwicklungen noch wichtige Verbesserungen in vielen Bereichen nötig sind.

Die Arbeitsgesetzgebung sollte wirksam gestärkt und umgesetzt werden, was erfordert, dass die Regierung Regeln und Durchführungsverordnungen zur Umsetzung der Gesetze in der Praxis erlässt.

Die Gründung und Registrierung von Gewerkschaften muss gesetzlich und auch in der Praxis vereinfacht werden. Das Streikrecht sollte geschützt sein und Internationale Arbeitsstandards, besonders zu Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen müssen gewährleistet sein.

Die Regierung sollte die Arbeitsgesetzgebung und Gesetzgebung zu Freihandelszonen in Einklang mit Internationalen Arbeitsstandards bringen, besonders in Bezug auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen.
Aus- und Weiterbildungsprogramme zum Arbeitsrecht für die Anwender und andere relevante Personen sollten fortgesetzt werden.

Die überlebenden Opfer des Einsturzes der Fabrik von Rana Plaza sollen Wiedereingliederung erfahren und Weiterbildung erhalten. Die ILO plädiert für ein Unfallversicherungssystem für Arbeitnehmer. „Es kann keine passendere Anerkennung für die Opfer geben, als die Schaffung eines nachhaltigen Unfallversicherungssystems für Arbeitnehmer in Bangladesch“, betonte Sandra Polaski.

Die öffentlich zur Verfügung stehenden Daten der Firmen sollten aktualisiert werden und auch Informationen zu Subunternehmen enthalten.


Ein Wendepunkt

Sandra Polaski bekräftigte, dass die ILO bereit stehe, um die Regierung Bangladeschs bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Verpflichtungen weiterhin zu unterstützen. Sie erinnerte daran, dass die Tragödie von Rana Plaza ein „Wendepunkt darstellt, der die globale öffentliche Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen einer Industrie gelenkt habe, die lebenswichtig für Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern und für die gesamte Wirtschaft Bangladeschs ist“.

Sie unterstrich dass „die Regierung, die Compact Partner, Entwicklungspartner und die Textilindustrie alles tun müssen, um Arbeitsunfälle und den Verlust von Leben zu vermeiden und die grundlegenden Arbeitsrechte der Arbeiterinnen und Arbeiter heute und in Zukunft zu gewährleisten“.

„Die Industrie, in ihren Bemühungen, ihre Glaubwürdigkeit als fairen und nachhaltigen Ort für heutige und zukünftige Geschäfte, wiederherzustellen, muss zeigen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Der Compact stellt dafür eine gute Möglichkeit dar. Mit der Unterstützung vieler Partner, die sich wünschen, das Bangladesch und seine Industrie erfolgreich ist und seine Arbeitnehmer und Bürger sich eines steigenden Lebensstandards und Rechtssicherheit erfreuen und optimistisch in die Zukunft schauen können“, schloss Sandra Polaski.