Neue ILO-Studie zum Weltaidstag

Der Arbeitsplatz ist wichtig für eine erfolgreiche Behandlung von HIV/AIDS

Die neue ILO-Studie weist nach, dass Menschen mit HIV-Status und einem Arbeitsplatz besser für die Erfordernisse einer langanhaltenden Behandlung gerüstet sind.

Nachricht | 29. November 2013
Menschen mit HIV im Arbeitsverhältnis können sich um fast 40 Prozent eher an die notwendige Behandlung halten, als solche ohne Job, so eine neue Studie, die zum Weltaidstag von der ILO herausgegeben wurde.

Die Metastudie – The Impact of Employment on HIV Treatment Adherence – analysiert die Ergebnisse von 23 Studien zum Zusammenhang von Beschäftigung und HIV-Behandlung mit mehr als 6.500 Menschen, die mit HIV leben. Die Studie wurde durch einer Serie von Befragungen und Telefoninterviews ergänzt, die von der ILO durchgeführt wurden. Sie erbringt den Nachweis, dass Menschen, die mit HIV leben, die Behandlung eher erfolgreich einhalten, wenn Sie einen Arbeitsplatz haben. Dies ermöglicht ihnen, die regelässigen finanziellen Mittel für Gesundheitsservice, Medikamente und Unterstützung sowie Nahrung aufzubringen.

„Der Zugang zur Behandlung hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert, hingegen bleibt die notwendige lang anhaltende Behandlung für Menschen mit HIV eine Herausforderung. Gute Arbeitplätze, mit sozialer und gesellschaftlicher Einbindung sind notwendig, um die 15 Millionen Menschen, die voraussichtlich im Jahr 2015 mit HIV leben werden, zu erreichen“, so Alice Ouédraogo, Direktorin von ILOAIDS.

Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit


Der Bericht enthält Ergebnisse von Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohen Einkommen in Afrika, Asien und Nordamerika. Arbeitslosigkeit verhindert besonders in den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, dass sich die betroffenen Menschen eine Behandlung leisten können. Dies führt zu Behandlungsunterbrechungen, einem Wirkungsverlust der Medikamente und letztlich zum Misserfolg einer Therapie. Arbeitslosigkeit begünstigt Depression, dies beeinflusst Faktoren, die zu einem Verhalten und zu Situationen führen, die einen Behandlungserfolg erschweren, wie niedrige Eigenverantwortung, Drogenmissbrauch bis hin zur Obdachlosigkeit.

Menschen mit HIV im informellen Sektor haben große Schwierigkeiten einen Behandlungsplan einzuhalten. Eine für die Studie interviewte Frau mit HIV sagte: „Arbeitnehmer im informellen Sektor oder in kleinen und mittleren Unternehmen ohne Versicherungsschutz haben häufig keine Möglichkeit zur Antiviralen Therapie, weil ihr oft unregelmäßiges Einkommen dafür nicht ausreicht.“

In Ländern mit guter Gesundheitsversorgung für Menschen mit HIV, in denen beispielsweise eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezogen werden kann, ist die Auswirkung von Arbeitslosigkeit auf den Behandlungserfolg geringer.

Mehr Menschen benötigen Zugang zur Behandlung


Nach den aktuellen Zahlen der WHO haben derzeit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nur 34 Prozent der mehr als 28 Millionen Menschen Zugang zu den notwendigen Medikamenten. UNAIDS schätzt, dass die Hälfte der Menschen mit HIV ihren Status nicht kennt, also auch keine Behandlung einfordert. Daher hat die ILO in Partnerschaft mit UNDAIDS die Bemühungen verstärkt, damit Arbeitnehmer ihren HIV-Status kennen und die Initiative VCT@work (Voluntary Counsellling and Testing at work) gestartet, ein freiwilliges Beratungs- und Testprogramm. Die Partnerschaft möchte bis 2015 fünf Millionen arbeitende Frauen und Männer auf freiwilliger und vertraulicher Basis erreichen und sicherstellen, dass Menschen mit einem positiven HIV-Testergebnis die notwendige Unterstützung und Behandlung bekommen.

Es gibt bereits Fortschritte: 1.6 Millionen Menschen haben im Jahr 2012 erstmalig eine Behandlung gestartet, das ist die höchste bisher registrierte Anzahl in einem Jahr.

Der Report gibt einige Empfehlungen zur Verbesserung des Behandlungserfolgs:
  • Förderung von wirtschaftliche Unabhängigkeit für Menschen mit HIV
  • Verbesserung nationaler Bemühungen zur Entwicklung von Antidiskriminierungspolitik und Ausbau von Antidiskriminierungsgesetzgebung am Arbeitsplatz
  • Einführung von Belohnungen, damit die anti retrovirale Therapie eingehalten wird, einschließlich Nahrungsverteilung und wirtschaftlicher Belohnung
  • Längere Öffnungszeiten für Gesundheitseinrichtungen mit anti retroviraler Therapie, um somit einen höheren Verbreitungsgrad für eine Therapie zu erzielen
  • Maßnahmen des Arbeitgebers für flexiblere Arbeitszeiten für Menschen mit HIV. Dies schließt auch Zeiten für Besuche in Gesundheitseinrichtungen für die Vergabe von Medikamenten ein
  • Stärkung der Gesundheitssysteme der Regierungen, inklusive Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Gesundheitsarbeiter
  • Systeme der sozialen Sicherheit sollen die Belange von Menschen mit HIV besonders berücksichtigen und sicherstellen, dass die notwendige Unterstützung zur Fortführung der Behandlung besteht.