ILO-Monitor: Covid-19 and the world of work, 5th Edition

Hintergrund: Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf die Arbeitssituation weltweit?

Diese Frage stellt sich die ILO jeden Monat aufs Neue. In der 5. Edition des COVID-19 Monitors werden die Arbeitsmarktstatistiken der ILO noch einmal nach oben korrigiert.

Artikel | 30. Juni 2020
Wie schon die letzten Monate verfestigt sich die Annahme, dass im 2. Quartal 2020 93% aller Beschäftigten weltweit von Arbeitsplatzschließungen auf Grund von COVID-19 betroffen waren. Teilweise sind diese bis auf essentiellen Dienstleistungen verpflichtend, wie momentan vor allem in Teilen Amerikas. In den arabischen Staaten, Europa und Zentralasien sind die Maßnahmen zumindest für einen Teil der Bevölkerung gelockert. Im afrikanischen Raum sind nur ca. 2% der Beschäftigten von sehr strikten Arbeitsplatzschließungen betroffen. Trotzdem bleiben diese Maßnahmen insgesamt seit mehreren Monaten stabil, wie Grafik 1 zeigt.

Grafik 1: Anteil der Beschäftigten, die weltweit von Arbeitsplatzschließungen betroffen sind: 1. Januar – 15. Juni 2020 (Prozent)
 
Zudem musste die ILO die Zahlen zu Arbeitszeitreduktionen durch die COVID-19 Pandemie noch einmal anpassen. Mit dem Erscheinen einiger neuer Mikrozensus Daten, können mehrere Länder in das Nowcasting Modell der ILO übernommen werden. Somit werden nicht nur die Arbeitsmarktzahlen für das 2. Quartal 2020 weiter nach oben korrigiert. Auch werden mit Hilfe der BIP-Wachstumszahlen der OECD erste Prognosen erstellt, wie sich die Arbeitsmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2020 entwickeln.  

Insgesamt sind Arbeitsstunden weltweit um 14% zurückgegangen, was 400 Mio. Vollzeitjobs entspricht (im letzten Monitor waren es noch 10.7% und somit 305 Mio. Vollzeitjobs). Die Komposition des Arbeitszeitverlustes variiert stark danach, wie Staaten mit politischen Maßnahmen gegensteuern. In manchen Ländern bleiben Arbeitnehmer angestellt und reduzieren ihre Arbeitszeiten lediglich. In anderen Ländern gehen Arbeitsplätze verloren.

Grafik 2: Arbeitszeitverlust, weltweit nach Einkommensgruppen für das 1. und 2. Quartal 2020 (Prozent)
 
Ausgehend von dem Lockdown in China hat der Arbeitszeitverlust bereits im ersten Quartal Asien besonders stark getroffen. Dort kam es schon im 1. Quartal 2020 zur Unterbrechung globaler Lieferketten, noch bevor die Krise in Europa eintraf. Im 2. Quartal 2020 ist vor allem der amerikanische Kontinent betroffen (Grafik 2).

Mit Hilfe der OECD BIP-Wachstumsraten präsentiert der 5. ILO COVID-19 Monitor in drei Szenarien die Entwicklung von Arbeitszeitverlusten für das 4. Quartal 2020. In einem Baseline Szenario, welches den jetzigen Prognosen der OECD folgt, wird es zu einem Arbeitszeitverlust von 4.9% kommen. Berücksichtigt man eine 2. Welle der Pandemie, wie durch die OECD ebenfalls simuliert, gehen 11.9% der Arbeitszeit zurück. In einem optimistischen Szenario sind es lediglich 1.2%.

Grafik 3: Projektionen von Arbeitszeitverlusten im 4. Quartal 2020, weltweit (Prozent)


Die ILO hat eine Plattform eingerichtet, auf der alle politischen Maßnahmen der ILO Mitgliedsstaaten aufgelistet sind. So können Best Practice zwischen Ländern niedrigschwellig ausgetauscht werden.