SCORE Projekt der ILO

Wie kann die Unterstützung von kleinen- und mittelständischen Unternehmen in Krisenzeiten vor allem in vorgelagerten Lieferketten aussehen?

Dies zeigt der Lagebericht unseres Kollegen Stephan Ulrich in Vietnam.

Artikel | 30. Juni 2020
Dort wird seit Jahren das SCORE Programm (Sustaining Competitive and Responsible Enterprises) der ILO umgesetzt. Es unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Produktivität - bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort.

Anhand des Länderbeispieles Vietnam lässt sich gut aufzeigen, wie das SCORE Programm auf die COVID-19 Pandemie reagiert hat und Unternehmen in der Krise gezielt begleiten kann, um Arbeitsplätze zu erhalten.
Vietnam ist nicht so sehr durch die Gesundheitskrise gebeutelt als vielmehr durch die wirtschaftlichen Ausmaße der Pandemie. Schon ab Januar 2020 blieben die Grenzen zu China geschlossen, mit Auswirkungen auf den Einkauf. Später wurden auch die Lieferketten mit Europa unterbrochen. Hiervon ist vor allem der Verkauf betroffen.

62.8% der Unternehmen sind laut einer ILO Umfrage von Auftragsstornierungen, Verzögerungen von Lieferzeiten, verzögerten Zahlungen und der Nutzung ihrer Kunden von „Force Majeur“ Klauseln ausgesetzt. Dabei ist gerade letztere eigentlich nicht dafür vorgesehen, Verträge aufzukündigen, die aus ökonomischer Sicht nicht mehr rentabel sind.

Grafik 1: betroffene Arbeitnehmer (Ansicht der Arbeitnehmer in Interviews mit ILO SCORE Kollegen)
Durch COVID-19 zeigt sich die Vulnerabilität bestimmter Gruppen. Vor allem Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen sowie ältere Arbeitnehmer scheinen über den Maßen betroffen zu sein, wenn Unternehmen beschließen Arbeit zu kürzen. Zwar gibt es in Vietnam kleine soziale Sicherungssysteme, aber diese decken bei weitem nicht alle Arbeitnehmer ab und auch nicht für längere Zeit.

SCORE betreut 200 Firmen vor Ort. Trainings zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit machen einen großen Teil der Angebote aus. Viele Kurse werden jetzt virtuell gegeben. Neue Inhalte befassen sich konkret damit, wie in der jetzigen Situation Hilfe bei staatlichen Stellen beantragt werden kann und wie Mitarbeiter vor dem COVID-19 Virus geschützt werden können. Teilnehmende Unternehmen wünschen sich zudem Unterstützung bei der Informationsbeschaffung zu Exportrestriktionen, der Diversifizierung von Produkten und juristische Begleitung. 57% der Unternehme benötigen Informationen, wie sie das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz minimieren können.

Der Appell an die Käufer in den nachgelagerten Lieferketten: Sie sollten nachverfolgen, wie sich die Situation in den Ländern weiterentwickelt. Vertragliche Zusagen sollten bestehen bleiben, sodass vor Ort weiter produziert werden kann. Viele Staaten verfügen nicht über den sozialen Basisschutz, um Löhne weiter zu zahlen, wenn Arbeit wegfällt. Zudem können Unternehmen ihre Zulieferer darüber informieren, wie sie selbst Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit garantieren. SCORE kann als Unterstützungsangebot gezielt genannt werden.

Das Fazit der ILO zu nachhaltigem Lieferkettenmanagement in Krisenzeiten:
  • Investitionen in nachhaltige Lieferketten und die Einhaltung von Sozialstandards zahlt sich aus.
  • Dort, wo frühzeitig investiert und nachgebessert wurde, sind die Ausfälle in Krisenzeiten geringer. Produktionsstätten können schnell sicher gemacht werden. Die Produktion muss so nicht ausfallen. Und auch Länder, die Mechanismen des sozialen Basischutzes bereits vor COVID-19 auf den Weg gebracht hatten, können über die entstandenen administrativen Wege schnell finanzielle Einbußen abfedern. Dies gestaltet sich schwieriger, wenn keine Strukturen angelegt sind und unter den jetzigen Krisenbedingungen aufgebaut werden müssen.
  • Menschenrechte und Gesundheit sind ein öffentliches Gut. Die Schäden im Zuge der COVID-19 Pandemie, die für die Allgemeinheit im gesundheitlichen wie ökonomischen Sinne entstehen, machen dies einmal mehr deutlich.
  • Unternehmen in nachgelagerten Lieferketten können eine unterstützende Rolle spielen, in denen sie Verträge wahren und ihre Zulieferer darüber in Kenntnis setzen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen sie selbst ergreifenund wie diese auch in anderen Kontexten Anwendung finden können.