ILO at work: Mit der „Equal Pay International Coalition“ Lohnunterschiede reduzieren

Gleiche Arbeit, gleiche Entlohnung: Das sollte selbstverständlich sein. Doch die Realität sieht anders aus: Global bekommen Frauen 20 Prozent weniger Lohn als Männer für die gleiche oder gleichwertige Arbeit. EPIC geht gegen geschlechterspezifische Lohnunterschiede vor, indem sie gemeinsam mit Regierungen, Unternehmen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft Praxislösungen aufzeigt und gute Beispiele entwickelt.

Artikel | 20. Februar 2020

Das Ziel von EPIC: Geschlechtergerechte Bezahlung bis 2030

Die Equal Pay International Coalition, kurz EPIC, ist ein Zusammenschluss von ILO, UN Women und OECD. Die Plattform arbeitet auf der internationalen, nationalen und regionalen Ebene mit Regierungen, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Wissenschaftsvertretungen und anderen relevanten Akteuren zusammen, um Konzepte gegen Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, bis 2030 eine geschlechtergerechte Bezahlung zu erreichen.

EPIC unterstützt dabei nicht nur die Ratifizierung des ILO-Übereinkommens zur Entgeltgleichheit, sondern auch die Etablierung und Durchsetzung von nationalen Rechten zur Beseitigung von geschlechterspezifischen Lohnunterscheiden, zum Beispiel durch die Unterstützung von Gleichstellungspolitik. Zusätzlich sammelt EPIC Daten, um die Entwicklung des Gender Pay Gaps zu überwachen, und fördert den Wissensaustausch zwischen den Akteuren.

Gesteuert wird EPIC durch ein Steering-Komitee, in dem Australien, Kanada, Deutschland, Island, Jordanien, Neuseeland, Panama, Korea, Südafrika, Schweiz, der Internationale Arbeitgeberverband (IOE) und der Internationale Gewerkschaftsbund (ITUC) vertreten sind.

70 Jahre Kampf für Geschlechtergleichstellung

Das Engagement von EPIC steht im Kontext der seit Jahrzehnten bestehenden Bemühungen der internationalen Gemeinschaft für eine geschlechtergerechte Bezahlung. Vor nunmehr fast 70 Jahren (1951) hat die ILO das Übereinkommen über die Gleichheit des Entgelts männlicher und weiblicher Arbeitskräfte für gleichwertige Arbeit geschlossen.

1979 wurde zudem das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (UN-Frauenrechtskonvention) von der Generalversammlung der Vereinigten Nationen verabschiedet. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten zur Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 mit ihrer Abschlusserklärung und der Schaffung einer Aktionsplattform, die konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen zur Gleichstellung benennt.

Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele

Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch die Vereinten Nationen 2015 hat die Weltgemeinschaft zudem einen wichtigen Impuls gesetzt, um Wirtschaftswachstum, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu vereinen. In diesem Kontext leistet auch EPIC ihren Beitrag. Denn eine geschlechtergerechte Bezahlung trägt bei zur Bekämpfung von Armut (Ziel 1), zur Gleichstellung (Ziel 5), zur Verringerung der Ungerechtigkeit (Ziel 10) sowie zu Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen (Ziel 16) bei.

Vor allem aber fördert EPIC das Ziel 8.5, das „produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle Frauen und Männer, einschließlich junger Menschen und Menschen mit Behinderungen, sowie gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit“ anstrebt.

Wie geht es weiter?

Auf  dem EPIC-Kongress in Berlin am 18. und 19. Februar 2020 wurden effektive Maßnahmen zur Reduzierung des Gender Pay Gaps diskutiert. Es bestand Einigkeit, dass die Bekämpfung des Gender Pay Gaps konkreter politische Rahmenbedingungen und personalpolitischer Maßnahmen in Unternehmen bedarf. Sozialpartner – Arbeitgeber und Gewerkschaften spielen eine zentrale Rolle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz haben herausragende und nachahmenswerte Beispiele vorgestellt und somit die Plattform der „best practice“ erweitert, die für konkrete Umsetzungen in Ländern oder/und Unternehmen wichtig sind. In Zukunft wird EPIC den informellen Sektor stärker in den Blick nehmen, da dort ins besondere Frauen unter schlechten Arbeitsbedingungen, Diskriminierung und Lohnungleichheit leiden.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier:
•    Warum gibt es Lohnunterschiede? Eine Einordnung anhand des Global Wage Reports 2018/19
•    Wie wird der Gender Pay Gap berechnet? Die ILO-Methode kurz erklärt
•    Was ist EPIC? Videointerview mit Manuela Tomei, Direktorin des ILO WorkQuality Departments