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ILO befürwortet integrative Beschäftigungsstrategie für den Wiederaufbau nach der Tsunami Katastrophe

Geschätzte eine Millionen Menschen verloren ihre Existenzgrundlage

Genf (ILO News) - Die Internationale Arbeitsorganisation fordert, dass beschäftigungsintensive Strategien zur Schaffung von Jobs in den Wiederaufbau nach dem Erdbeben und der Tsunami Katastrophe integriert werden. Allein für Indonesien und Sri Lanka wird geschätzt, dass die Katastrophe die Lebensgrundlage von einer Millionen Menschen zerstört hat.

In einem Strategiepapier (1) des ILO Regionalbüros Bangkok, das während der fünftägigen UN-Geberkonferenz zur Katastrophenvorsorge in Kobe, Japan vorgelegt wurde, vermerkt die ILO, dass die Antwort auf die Tsunami Tragödie eine beschäftigungsintensive Erneuerung von Arbeitsplätzen und die Wiederherstellung von Mechanismen des Sozialschutzes erfordere; dies mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der am meisten gefährdeten Gruppen von Menschen. Die ILO bekräftigt ihre Bemühungen mit den "weitgesteckten regierungsseitigen und multilateralen Anstrengungen" zu koordinieren.

Die Überflutung der Küstengebiete zerstörte Häuser und Gebäude, Straßen und Brücken, Wasser- und Stromversorgung, Anbauflächen, Bewässerungs- und Fischerei-Infrastruktur, produktive Anlagen und Kleingewerbe. Dies hat ernsthafte Auswirkungen auf die Existenzgrundlagen der Menschen in den am meisten betroffenen Gebieten, so die ILO. Was noch schwerer wiegt, sind die Folgen für die vorwiegend armen Gemeinwesen, in denen die Menschen hauptsächlich abseits des Meeres leben. Der verlorene geringfügiger Landbesitz hat den Menschen nicht nur ihr Einkommen genommen sondern auch ihre geringen Besitztümer.

Erste Einschätzung: eine Millionen Jobs sind verloren

Vorausgesetzt, dass dies vorläufige Einschätzungen sind, und sich die Situation fortlaufend ändert, bewertet die ILO Strategie die Auswirkungen der Katastrophe auf Beschäftigung und die Lebensbedingungen folgendermaßen (2)

Indonesien

  • Ungefähr 600.000 Menschen in den am meisten betroffenen Gebieten (Provinz Aceh und die Insel Nias) dürften ihre einzige Existenzgrundlage verloren haben. Die größten Arbeitsplatzverluste sind im Bereich Fischerei, Klein- und Plantagen-Landwirtschaft und im nichtregistrierten Kleingewerbe zu verzeichnen.

  • Die Arbeitslosenquote in den betroffenen indonesischen Gebieten könnte 30 Prozent und mehr betragen, ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu 6.8 Prozent vor der Katastrophe.

  • Vor dem Tsunami waren geschätzte 9,7 Millionen Menschen in ganz Indonesien arbeitslos; das heißt, dass die Arbeitslosenquote infolge der Krise zeitweilig um mehr als 6 Prozent angestiegen ist.

Sri Lanka

  • Über 400.000 Arbeitnehmer in den betroffenen Gebieten an den östlichen, südlichen und westlichen Küsten haben ihre Arbeit und Einkommensquelle verloren. Die Mehrzahl der Arbeitsplatzverluste sind zu verzeichnen in der Fischerei, Hotel- und Tourismusindustrie (einschließlich Öko-Tourismus, der sich gerade auszuweiten begann) und in der informellen Wirtschaft.

  • Die Arbeitslosenquote in den betroffenen Gebieten wird wahrscheinlich von 9,2 Prozent vor der Katastrophe auf mehr als 20 Prozent steigen.

  • Vor dem Tsunami waren in ganz Sri Lanka ungefähr 750.000 Menschen arbeitslos; das heißt, dass die Arbeitslosenquote im Land insgesamt zeitweilig auf 55 Prozent und mehr infolge der Krise angestiegen ist.

Dennoch verzeichnet das ILO Dokument auch, dass angemessene Hilfe und Unterstützung schnell mobilisiert wurde für den Wiederaufbau, Reparatur und Wiederherstellung von technischer Infrastruktur, einschließlich Arbeitsplätzen und Ausrüstung, für Existenzgrundlagen und die (Wieder)-Herstellung von Systemen der sozialen Sicherung. Zwischen 50 und 60 Prozent der betroffenen Menschen könnten bis Ende Jahres 2005 wieder in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familien aus eigener Kraft zu bestreiten, und ungefähr 85 Prozent der Arbeitsplätze könnten innerhalb von 24 Monaten wiederhergestellt sein.

Die Antwortstrategie der ILO (3)

Die Antwort der ILO basiert auf dem anerkannten Bedarf nach früher Planung und einem Vorgehen, das darauf gerichtet ist, Beschäftigung und neue Formen der Existenzsicherung zu schaffen, so das ILO-Strategiepapier: "Beschäftigung ist das Kernstück auf allen Stufen des Management und der Reaktion auf die Katastrophe. Dies erfordert, dass die Schaffung von Beschäftigung ein integraler Bestandteil von humanitärer Hilfe wie auch der Wiederaufbaubemühungen wird."

Die Schwerpunkte der integrierten ILO Antwortstrategie sind:

  • Beschäftigungsintensiver Wiederaufbau der Infrastruktur, um schnell Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen, während gleichzeitig grundlegende Infrastruktur wiederaufgebaut wird, um technische und andere Fähigkeiten zu entwickeln und sozialen Zusammenhalt zu fördern.

  • Programme zur Existenzsicherung durch lokale wirtschaftliche Entwicklung (Local Economic Development, LED), um Wiedereingliederung und Wiederaufbau zu fördern und Beschäftigungsmöglichkeiten anzukurbeln mit Hilfe von Entwicklung und Aufwertung von Unternehmen und Beschäftigung, sozialen Finanzierungssystemen und beschäftigungsfördernden Investitionen.

  • Wiederherstellung des Arbeitsmarktes und der öffentlichen Arbeitsvermittlung, um Arbeitsmarktinstitutionen zu ersetzen und zu stärken, Wiederherstellung öffentlicher und privater Bildungs- und Weiterbildungsinstitutionen.

  • Projekte, die darauf abzielen, gefährdete Gruppen abzusichern, einschließlich der Kinder, die ihre Eltern verloren haben und der Gefahr ausgesetzt sind, gehandelt oder ausgebeutet zu werden. Hierzu gehören auch junge Menschen, die ihre Arbeit verloren haben oder infolge der Katastrophe unterbeschäftigt sind, Frauen, besonders weibliche Haushaltsvorstände, die eher geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Diskriminierung oder Missbrauch ausgesetzt sind sowie Migranten, bei denen soziale Unterstützungs- und Hilfsprogramme nicht ankommen.

  • Soziale Sicherungsnetze und soziale Absicherung von Menschen in der formalen als auch der informellen Wirtschaft als ein Weg, um soziale Stabilität zu gewährleisten

"Auf diesen Gebieten hat die ILO eine erhebliche Wissensgrundlage, Instrumente und technischen Sachverstand, bietet Politikberatung und eine langjährige Lern- und praktische Erfahrung an, um Aktionsprogramme auf den Weg zu bringen", so das Strategiepapier. Gleichzeitig werden die einschlägigen, bereits bestehenden Projekte der technischen Kooperation umgeleitet um sich auf die betroffenen Gebiete und Menschen zu konzentrieren. Die ILO hat ebenso Hilfsmittel des regulären Haushalts umgeschichtet um sofortige Hilfsprogramme zu unterstützen.

(1) Siehe: Earthquake-Tsunami Response: ILO Proposals for Reconstruction, Rehabilitation and Recovery

(2) In Indien und Thailand arbeit die ILO mit den Länderteams der Vereinten Nationen (United Nations Country Teams, UNCTs), den Regierungen und den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen zusammen, um zu sehen, wir die ILO deren Initiativen unterstützen kann. Dies schließt Hilfe ein, die Belange des Arbeitsmarktes zu identifizieren, Beschäftigungsbedarf und soziale Sicherungsbedürfnisse. Hinsichtlich der Arbeitsplatzverluste sind Indonesien und Sri Lanka die am meisten betroffenen Länder, die von der Katastrophe heimgesucht wurden.

(3) Die ILO arbeitet innerhalb der Länderteams der Vereinten Nationen (UNCTs) in Indonesien, Sri Lanka, Thailand und Indien, insbesondere im Bereich der sofortigen Hilfe und Bedarfsabschätzung. Partnerschaften mit Schlüsselagenturen der Vereinten Nationen wurden ausgebaut, wie beispielsweise UNDP, UNHCR, UNICEF, WFP, FAO zur Koordination der gemeinsamen Programme. Die ILO berief Einsatzmannschaften im Regionalbüro in Bangkok sowie in der Zentrale in Genf. Das technische Personal wurde verstärkt und Unterstützungseinrichtungen in den Büros in Jakarta und Colombo, Sri Lanka etabliert, um sofortige Maßnahmen zu ergreifen, Projektvorschläge vorzubereiten, Dialoge innerhalb der dreigliedrigen Partner zu koordinieren und schnelle Hilfsprogramme auf den Weg zu bringen, die auf Beschäftigungsschaffung und Schutz der gefährdeten Gruppen abzielen.



 

ILO Vertretung Deutschland - Collage

 


Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH. Stand: 28.07.2005

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