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Eine neue Strategie für den Textilsektor

ILO veranstaltet Gespräche mit allen Beteiligten über die Zukunft der Bekleidungsindustrie nach dem Auslaufen des Welttextilabkommens

Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern von Unternehmen, Gewerkschaften und Regierungen über den globalen Handel mit Textilien fanden unter dem Dach der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf statt. Thema der Konferenz war die Zukunft der Industrie und der darin Beschäftigten nach dem Ablaufen des Welttextilabkommens Ende vergangenen Jahres. In der Branche mit einem weltweiten Jahresumsatz von rund 350 Millarden US-Dollar sind mehr als 40 Millionen Menschen beschäftigt.

"In einer Welt ohne Welttextilabkommen stehen Unternehmen und Arbeiter in diesem Sektor unter enormem Druck, das richtige Produkt zum richtigen Preis und unter den richtigen Bedingungen herzustellen", sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. "Auf diesem Treffen werden die Elemente besprochen, um neue ökonomische und politische Strategien entlang der gesamten globalen Lieferkette zu entwickeln."

Sorgen, dass das Auslaufen des Welttextilabkommens eine arbeitsmarkt- und handelspolitische Katastrophe für viele Entwicklungsländer darstellen würde, sind weit verbreitet. Doch eine ILO-Studie über den Textilsektor zeichnet ein differenzierteres Bild.

Auf den ersten Blick erscheinen Indien und China wie erwartet als die größten Gewinner der Handelsliberalisierung. In China sind die Textilausfuhren in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 18,4 Prozent angestiegen. Indien verzeichnete einen Zuwachs von 28 Prozent in den ersten drei Monaten. Doch weitere Untersuchungen zeigen, dass die Wachstumsrate von Exporten aus China Monat für Monat rückläufig war, während Indien bei Konfektionsware zugleich einen Rückgang der Ausfuhren um 24 Prozent verzeichnete.

Zugleich ist die Entwicklung in einer Reihe asiatischer Länder, die oft als Verlierer der Textilhandelsliberalisierung genannt wurden, nicht so negativ wie vermutet. In Bangladesh brachen die Textilausfuhren im Januar 2005 zwar ein, erholten sich jedoch im Februar und März schon wieder. In Pakistan erreichten die Textilexporte in den ersten vier Monaten des Jahres sogar ein Rekordniveau, das 22 Prozent über dem Vorjahreswert lag.

Die tatsächlichen Verlierer sind offenbar vielmehr in Europa, Amerika und Afrika zu finden. In den USA fiel die Zahl der im Textilsektor Beschäftigten zwischen Mai 2004 und Mai 2005 um 6,5 Prozent; in der EU betrug der Rückgang in den zwölf Monaten bis Februar 2005 fünf Prozent. Die Exporte aus afrikanischen Staaten in die USA unter einem Entwicklungsabkommen zwischen diesen Ländern fielen in den ersten drei Monaten 2005 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 25 Prozent. In Kenia etwa sind seit Oktober 2004 bereits 6000 der zuvor 39.000 Arbeitsplätze in der Textilindustrie verloren gegangen. Der Stellenabbau könnte hier bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze betreffen.

Die ILO-Studie über den Textilsektor stellt beispielhaft einige Länder und Unternehmen vor, in denen mit innovativen Ansätzen die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden konnte. In Kambodscha etwa unterstützte das ILO-Projekt "Better Factories Cambodia" die Industrie bei der Umstellung auf die Wettbewerbsbedingungen nach Auslaufen des Welttextilabkommens. In der EU wiederum konnten mit Hilfe des 1999 eingerichteten Komitees für sozialen Dialog in der Textil- und Bekleidungsindustrie die Sozialpartner und insbesondere die Gewerkschaften an der notwendigen Restrukturierung der Branche beteiligt werden.

"Gelingt es nicht, die Übergangsphase auf zufriedenstellende Weise zu bewältigen, würde dies die Annahme von Entwicklung durch Handel in Frage stellen ebenso wie die Bereitschaft transnationaler Unternehmen, die sozialen Herausforderungen der Globalisierung zu bewältigen", warnt der Bericht. "Zudem würde den betroffenen Arbeitern und ganzen Volkswirtschaften schwerer Schaden zugefügt."

Der ILO-Bericht "Promoting Fair Globalization in Textiles and Clothing in a Post-MFA Environment" ist im Internet verfügbar.


 

ILO Vertretung Deutschland - Collage

 


Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH.  Stand: 02.11.2005

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