Berlin - Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) erhofft sich von der Bundesregierung Unterstützung in ihrem Streben, die Globalisierung fair zu gestalten. Bei seinem Besuch in Deutschland hat ILO-Generaldirektor Juan Somavia darauf hingewiesen, dass Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft auf Dauer politisch und ökonomisch unhaltbar seien. Eine verstärkte Koordination der Politik auf nationaler und vor allem internationaler Ebene sei unerlässlich, um nachhaltiges globales Wachstum und Vollbeschäftigung zu erreichen. Entsprechende Empfehlungen hat die ILO-Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung in ihrem Bericht "Eine faire Globalisierung - Chancen für alle schaffen" vorgelegt.
"Soziale und ökonomische Sicherheit ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum und gesellschaftliche Stabilität", betonte Somavia am Rande seiner Gespräche mit Vertretern der Bundesregierung in Berlin. Einer aktiven Arbeitsmarktpolitik komme eine besondere Bedeutung zu, um dem Verlust von Arbeitsplätzen durch Globalisierungsprozesse zu begegnen. Einen entsprechenden Bericht mit dem Titel „Active Labour Market Policies Around the World - Coping With the Consequences of Globalisation” wird die ILO am 4. November in Berlin vorstellen.
Arbeitsmarktreformen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seien notwendig, so Somavia weiter. Zugleich müsse die Wirtschaftspolitik die Schaffung von regulären Arbeitsplätzen in den Mittelpunkt rücken und bei Bedarf die nötigen Mittel dafür zur Verfügung stellen. "Ausgaben für die soziale Sicherheit leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Produktivität, indem sie den Wert des Humankapitals sichern helfen und die besonders in Zeiten ökonomischer Anpassungsprozesse wichtige Mobilität auf dem Arbeitsmarkt gewährleisten", sagte der ILO-Generaldirektor.
Somavia lobte besonders die im internationalen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und die lange und erfolgreiche Tradition der Sozialpartnerschaft. Ein konstruktiver Dialog der Sozialpartner über die Probleme des Arbeitsmarkts sei ein wichtiges Instrument, um auch aktuell breite Unterstützung für notwendige Reformen zu gewährleisten.
Somavia führte Gespräche mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Horst Köhler sowie dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement. Zuvor traf er mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sowie Vertretern der Gewerkschaften und Arbeitgebern zusammen.
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