Genf - Sozio-ökonomische Sicherheit fördert Lebenszufriedenheit, Wirtschaftswachstum und soziale Stabilität. Das ergab der soeben vorgestellte Bericht "Social Security for a Better World" der Internationalen Arbeitsorganisation in dem zum ersten Mal die soziale und sozio-ökonomische Sicherheit von Menschen weltweit gemessen wurde. Der zu diesem Zweck entwickelte Index "Sozio-ökonomischer Sicherheit" wurde in über 90 Ländern erhoben und umfasst somit 86 Prozent der Weltbevölkerung. Dieser Index repräsentiert sieben Formen arbeitsbezogener Sicherheit und zieht jeweils sozialpolitische Gesetzgebung, Institutionen und Ergebnisse in Betracht.
Je mehr sozio-ökonomische Sicherheit ein Land seinen Bürgern bietet, desto glücklicher sind sie. Der entscheidende Faktor für die nationale Lebenszufriedenheit ist nicht das Einkommensniveau. In ohnehin reichen Ländern ist auch bei Einkommenszuwächsen keine steigende Lebenszufriedenheit zu verzeichnen. Entscheidend für die Lebenszufriedenheit ist vielmehr ein sicheres Gehalt, der Schutz eines bestimmten Einkommensniveaus sowie mehr Einkommensgleichheit.
"In kurzem Abstand zum Bericht der Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung erschienen, soll der Bericht "Social Security for a Better World" die Debatte um die faire Gestaltung der Globalisierung bereichern", so ILO Generaldirektor Juan Somavia. "Wenn wir nicht mehr Ausgleich in unseren Gesellschaften schaffen, und mehr Menschen in die globale Wirtschaft einbeziehen, wird nur einigen wenigen Menschen wirtschaftliche Sicherheit und menschenwürdige Arbeit zu teil werden".
Die Lebenszufriedenheit steigt nicht mit zunehmendem Bildungs- und Ausbildungsstatus. Die Studie deutet vielmehr auf einen umgekehrten Zusammenhang hin: je höher der Bildungs- und Ausbildungsstatus, desto niedriger die Lebenszufriedenheit. Das heißt, je höher das sogenannte Kompetenzniveau des Einzelnen, desto geringer die Lebenszufriedenheit. Der Bericht deutet dies als ein Zeichen dafür, dass Arbeitsplätze im Allgemeinen nur ungenügende Entfaltungsmöglichkeiten für die immer besser qualifizierten Arbeitskräfte bieten. Sowohl Arbeitsplatzqualität als auch Aufstiegsmöglichkeiten müssen demnach verbessert werden. Zur Zeit gehen viele abhängig Beschäftigte einer Arbeit nach, die mit ihren Qualifikationen nicht im Einklang steht. Dies führt zu Unzufriedenheit ("Status-Frustrations-Effekt").
Der Bericht zeigt, dass sich mit der Etablierung von Demokratie und Bürgerrechten die sozio-ökonomische Sicherheit verbessert. Ebenso wirken sich höhere sozialpolitische Ausgaben positiv aus. Wirtschaftswachstum verbessert die sozio-ökonomische Sicherheit hingegen nur geringfügig.
Die untersuchten Länder wurden in vier Cluster unterteilt: in Vorreiter mit erfolgreicher Sozialpolitik und sozialpolitischen Institutionen (zu diesen gehört auch Deutschland), Pragmatiker, die gute Ergebnisse trotz wenig beeindruckender Sozialpolitik und sozialpolitischer Institutionen erzielen, Konventionalisten, deren Sozialpolitik und sozialpolitische Institutionen auf den ersten Blick überzeugend scheinen, beim genaueren Hinsehen jedoch nicht greifen, und Nachzügler, die sich durch schwache beziehungsweise fehlende Sozialpolitik und sozialpolitische Institutionen auszeichnen.
Etliche einkommensschwächere Länder erzielen mehr sozio-ökonomische Sicherheit für ihre Bürger als einige der reicheren. Die Analyse zeigt, dass die weltweite Verteilung sozio-ökonomischer Sicherheit kaum mit der globalen Einkommensverteilung zusammenhängt. Süd- und Südostasien etwa haben eine höhere sozio-ökonomische Sicherheit als ihr Anteil am weltweiten Einkommen vermuten lassen würde. Während Südasien ungefähr 7 Prozent des Welteinkommens verzeichnen kann, entfällt etwa 14 Prozent der weltweiten Sicherheit auf diese Region. Im Gegensatz dazu bieten lateinamerikanische Länder viel weniger sozio-ökonomische Sicherheit als ihr Einkommensniveau ermöglichen würde. Demzufolge könnten viele reiche Länder mehr für die sozio-ökonomische Sicherheit ihrer Bürger tun.
Ein hervorstechendes Ergebnis der Studie ist, dass nur diejenigen Länder im Vergleich der sozio-ökonomischen Sicherheit gut abschneiden, die ein kohärentes System der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik haben. Länder, die zwar in einigen Bereichen sehr gut abschneiden, in anderen aber Mängel aufweisen, erreichen insgesamt keine zufriedenstellenden Resultate.
Weitere Informationen, verschiedene Indices und eine Zusammenfassung des Berichts in deutscher Sprache finden Sie hier: www.ilo.org/ses
Social Security for a Better World, Hrsg.: ILO Socio-Economic Security Programme, 450 Seiten, ISBN 92-2-115611-7
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