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Mangelnder Arbeitsschutz verringert die Wettbewerbsfähigkeit

Internationale Arbeitsorganisation und Berufsgenossenschaften zum Welttag für Arbeitsschutz: "Arbeitsschutz ist die beste Unternehmensberatung"

Mangelnder Arbeitsschutz verringert die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Unternehmen. Umgekehrt können Investitionen in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz die Produktivität positiv beeinflussen. Darauf weisen die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die gewerblichen Berufsgenossenschaften anlässlich des "Welttages für Arbeitsschutz" hin, der am 28. April 2007 weltweit begangen wird.

Ein Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit von 31 Industrie- und Entwicklungsländern kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine niedrige Zahl von tödlichen Arbeitsunfällen geht mit hoher Wettbewerbsfähigkeit einher. Danach führen Länder wie die Schweiz mit knapp drei tödlichen Arbeitsunfällen pro 100.000 Beschäftigte nicht nur die Liste der Länder mit dem höchsten Stand des Arbeitsschutzes an, sondern gehören auch zu den wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt.

"Guter Arbeitsschutz ist stets auch gut fürs Geschäft", erklärt der Arbeitsschutzexperte der ILO, Gerd Albracht. So wies eine britische Untersuchung wirtschaftliche Vorteile durch Verbesserungen beim Arbeitsschutz nach: sehr viel geringere Fehlzeiten etwa, aber auch Einsparungen durch eine bessere Wartung der Anlagen und niedrigere Versicherungsbeiträge. "Auch Erfahrungen aus Deutschland zeigen: Erfolgreiche Unternehmen nehmen den Arbeitsschutz sehr ernst", ergänzt Dr. Walter Eichendorf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften.

Arbeitsschutz - ein wichtiges Thema für kleine und mittlere Unternehmen

Weltweit wird der Arbeitsschutz jedoch allzu häufig noch als reiner Kostenfaktor begriffen. "Es wird aber gerade dann teuer, wenn Themen wie Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nicht von Anfang an in alle Prozesse eingeplant werden", sagt Eichendorf. So ist es wesentlich teurer, neue Mitarbeiter anzulernen, als die bestehende Belegschaft fit zu halten. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass jeder in den Arbeitsschutz investierte Dollar eine zusätzliche Rendite zwischen zwei und acht Dollar bringt. "Die Qualität der Produkte ist am höchsten, wo die Qualität der Arbeitsplätze hoch ist", fasst Albracht die globale Erfahrung der ILO zusammen.

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) könnten enorm davon profitieren, den Arbeitsschutz als Querschnittsaufgabe in allen Betriebsabläufen zu berücksichtigen. KMU weisen meist höhere Unfallquoten auf als Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Das liegt zum einen am hohen Anteil gefahrenträchtiger handwerklicher Tätigkeiten in KMU. "Zum anderen fehlt es in KMU häufig an einer systematischen Herangehensweise", erklärt Eichendorf. Stichproben der Berufsgenossenschaften zufolge verfügen zum Beispiel nur knapp die Hälfte der Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern über eine Analyse und Bewertung der Gefährdungen am Arbeitsplatz. Diese ist jedoch ein wichtiges Instrument, um den Arbeitsschutz im Unternehmen zu verankern.

Wie bei mittelständischen Firmen in Entwicklungsländern mit einem zum Teil noch schwachen Arbeitsschutz Verbesserungen erzielt werden können, zeigen die ILO, die Gesellschaft für technischen Zusammenarbeit (GTZ) und der Autohersteller Volkswagen in einem gemeinsamen Projekt in Mexiko, Brasilien und Südafrika. Arbeitsinspektoren und Arbeitsschutzexperten unterstützen die VW-Zulieferer dabei, Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe zu verbessern. Das Ergebnis: Nicht nur die Sicherheit am Arbeitsplatz ließ sich auf diese Weise mit relativ geringem Aufwand verbessern, sondern auch die Produktivität in den beteiligten Unternehmen. "Im Grunde", so Albracht und Eichendorf übereinstimmend, "ist der Arbeitsschutz die beste Unternehmensberatung".

Informationen zum Arbeitsschutz

Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung unterstützen die Berufsgenossenschaften die Unternehmen in Fragen des Arbeitsschutzes, zum Beispiel mit individueller Beratung vor Ort oder Schriftenreihen wie der Serie "Fit und gesund im Kleinbetrieb", die sich speziell an KMU wendet.

Die ILO hat auf ihrer Arbeitskonferenz im Juli 2006 eine neue Rahmenkonvention über Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz verabschiedet (Übereinkommen 187), die unter anderem die Einführung nationaler Arbeitsschutzprogramme, verbesserte Präventionsmaßnahmen und die Stärkung der Arbeitsinspektionssysteme vorsieht, um eine durchgängige Kultur der Arbeitssicherheit zu schaffen.

Daten zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz weltweit:

- 2,2 Millionen Todesfälle jährlich aufgrund von Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen

- 270 Millionen Unfallverletzte

- 160 Millionen Arbeitnehmer, die aufgrund von Krankheit zeitweilig oder dauerhaft arbeitsunfähig sind

- Kosten: vier Prozent des weltweiten Sozialprodukts

Daten zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz in Deutschland:

- 646 Todesfälle aufgrund von Arbeitsunfällen, 2.591 Todesfälle infolge einer Berufskrankheit (vorläufige Zahlen für 2006)

- geschätzte volkswirtschaftliche Gesamtkosten für berufsbedingte Hauterkrankungen: 1,2 Milliarden Euro jährlich

- durchschnittliche Kosten, die einem Unternehmen für einen Ausfalltag aufgrund eines Arbeitsunfalls entstehen: 500 Euro (nicht berücksichtigt sind die Kosten der sozialen Sicherungssysteme und Versicherungen)

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Ansprechpartner für die Presse:

Stefan Boltz, HVBG, Tel.: 030/28876362, stefan.boltz [at] hvbg.de

Nicola Liebert, ILO Büro Berlin, 030/280 926 68, 0178/360 9301, liebert [at] ilo.org

Informationen über den Welttag für Arbeitsschutz unter:

http://www.ilo.org/public/english/protection/safework/worldday/index.htm

Arbeitsschutz: Synergien zwischen Sicherheit und Produktivität


 

World Day for Safety and Health at Work: 28 April 2007

 


Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH.  Stand: 25.04.2007

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