Genf - (ILO News) - Die internationale Arbeitsorganisation, ILO hat mit Unterstützung der Europäischen Union ein neues Programm vorgestellt, um das Problem der Diskriminierung am Arbeitsplatz, von dem in einigen europäischen Ländern bis zum einem Drittel der Arbeitsmigranten betroffen sind, anzugehen.
Das Projekt "Beförderung von Gleichheit in der Unterschiedlichkeit: Integration in Europa" wird in Zusammenarbeit mit den ILO Partnern (Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Regierungen) umgesetzt und durch die Europäische Union finanziell unterstützt. Es wird sich vor allem mit den Herausforderungen befassen, die durch Diskriminierung und fehlender Integration von Migranten und deren Familien auftreten, und will zudem Wege finden, den schätzungsweise 27,5 Millionen Arbeitsmigranten in Europa bei der Integration in die Gesellschaft zu helfen.
Die ILO schätzt, daß - wenn keine korrigierenden Maßnahmen getroffen werden, die sinkenden Erwerbsbevölkerungsraten in Europe zu verändern, die derzeit zudem von negativen demographischen Trends noch verschärft werden - der Arbeitskräftemangel zu einer Reduzierung des Bruttoinlandprodukts (GDP) pro Jahr führen könnte, das dann nur 78 Prozent des zu erwarteten Niveaus für das Jahr 2050 erreicht.
Nach den Daten der ILO leben von den 175 Millionen Arbeitsmigranten in der Welt 56 Millionen Menschen in Europa. Unter ihnen sind 27,5 Millionen Menschen in den europäischen Ländern wirtschaftlich aktiv und repräsentieren somit vier Prozent der Erwerbsbevölkerung dieser Region. Der Anteil ausländischer Arbeitnehmer ist in einigen Ländern höher und erreicht bis zu 25 Prozent in Luxemburg oder der Schweiz.
"In den europäischen Ländern, in denen Untersuchungen der ILO durchgeführt wurden, sind Diskriminierungsraten von 35 Prozent der ausländischen Erwerbsbevölkerung weit verbreitet", so Patrick Taran, Projektkoordinator und Mitarbeiter des "Internationalen Migrations-Programms" der ILO (ILO-Migration Survey 2004).
"Die zur Verfügung gestellten Daten zeigen, daß die neuankommenden Menschen die Bevölkerungen verjüngen und Wachstum ohne Inflation stimulieren. Dennoch - Vorbehalte gegenüber Arbeitsmigranten in den Aufnahmeländern wecken auch Besorgnis hinsichtlich der angenommenen Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit, Lohnniveau und soziale Sicherheit", so Patrick Taran.
Eine negative Aufnahme "könnte zu Instabilitäten in den Aufnahmeländern führen, Diskriminierung und sozialer Ausschluß können einen ernsthaften Rückgang der Produktivität zur Folge haben, soziale Konflikte verschärfen und Ghettoisierungsprozesse signifikanter Gruppen der Bevölkerung verstärken".
Ein Ergebnis des 18monatigen Projekts wird eine Datenbank sein, in der erfolgreiche Vorgehensweisen zur Integration von Arbeitsmigranten innerhalb Europas dargestellt werden. Der ILO liegen bereits Daten von annähernd 100 Erfahrungsberichten vor, die zukünftige Initiativen anregen können, den Integrationsprozess von Arbeitsmigranten in der Welt zu fördern. Am Ende sollen auf einer interaktiven Webseite 300 Darstellungen von Projekten einsehbar sein. Zielgruppen dieses Projekts sind Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Gewerkschaften, Personen des öffentlichen Lebens, die Zivilgesellschaft, akademische Einrichtungen, Medien und Migrations- sowie Minderheitenorganisationen.
Die Internationale Arbeitsorganisation, die sich seit ihrer Gründung 1919 mit Fragen der Arbeitsmigration befaßt, nahm auf der diesjährigen 92. Internationalen Arbeitskonferenz einen neuen Aktionsplan an, der entworfen wurde, um sicherzustellen, daß für Arbeitsmigranten die bestehenden internationalen Arbeitsnormen gelten, während sie ebenso von den anzuwendenden nationalen sozialen Arbeitsgesetzen profitieren.
Der Aktionsplan fordert alle Mitgliedsgruppen zur Entwicklung eines kohärenten multilateralen Rahmens für die Steuerung der internationalen Migration auf und plädiert für die Schaffung eines Dialogs über Migrationsfragen in Zusammenarbeit mit internationalen und multilateralen Organisationen.
Das "International Migration Program" der ILO und die Datenbank finden Sie hier: www.ilo.org/migrant
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