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Neue Seeschifffahrtskonvention schafft einheitlichen Standard für menschenwürdige Arbeit auf See

Die International Labour Organisation (ILO) hat in Genf eine umfassende Konvention für die Seeschifffahrt beschlossen, um menschenwürdige Arbeit und eine faire Globalisierung auf See zu gewährleisten. Die Seeschifffahrtstagung der Internationalen Arbeitskonferenz stimmte ohne Gegenstimmen für dieses Übereinkommen, das die bisherigen 68 internationalen Arbeitsnormen für Seefahrer zusammenfasst und weiterentwickelt. Zu der Tagung waren zwischen 7. und 23. Februar Vertreter von Seefahrern, Reedern und Regierungen aus über 100 Mitgliedsstaaten zusammengekommen.

Die neue Seeschifffahrtskonvention stellt einen Grundrechtekatalog für die mehr als 1,2 Millionen Seefahrer auf der Welt dar. Da Seefahrer ihre Arbeit meist außerhalb ihres Heimatlandes verrichten und da ihre Arbeitgeber meist ebenfalls in anderen Ländern registriert sind, sind internationale Normen in dieser Branche unabdingbar. Die Konvention behandelt Themen, die von Gesundheit, Arbeitssicherheit und Sozialversicherung über Arbeitzeiten, Unterbringung und Verpflegung bis zur Regelung von Beschwerden und Arbeitsinspektionen reichen.

ILO-Generaldirektor Juan Somavia sprach von einer "historischen Weichenstellung in der Welt der Arbeit". Die Konvention sei ein Modell dafür, wie auch in anderen Wirtschaftssektoren eine faire Globalisierung zu ermöglichen sei.

Zum ersten Mal hat die ILO damit ein Regelwerk geschaffen, das strikte Klauseln zur Durchsetzung der Regeln sowie den Schutz von Unternehmern, die die Regeln einhalten, vor unfairem Wettbewerb beinhaltet. Dies wird unter anderem mit einem neuartigen Zertifizierungssystem erreicht: Schiffe, die ein Zertifikat über die Erfüllung der Standards vorlegen, können langwierige Kontrollen in fremden Häfen umgehen. Andere Schiffe laufen dagegen bei massiven Verletzungen der Normen Gefahr, festgehalten zu werden. Die Konvention will so dem Wettbewerbsdruck in der Branche genauso Rechnung tragen wie den Bedürfnissen der Schiffsbesatzungen. Sie sieht außerdem die Möglichkeit zügiger Novellierungen vor, um auf die sich schnell ändernden Anforderungen in einer dynamischen Branche flexibel reagieren zu können.

"Wir haben eine Konvention beschlossen, die Kontinente und Ozeane umfasst und eine Charta der Arbeitnehmerrrechte für 1,2 Millionen Seefahrer darstellt", sagte ILO-Generaldirektor Somavia. "Wir haben damit sozioökonomische Mindeststandards für den Wettbewerb in der Schifffahrtsbranche geschaffen, die 90 Prozent des Welthandels abwickelt."

Die Seeschifffahrtskonvention tritt in Kraft, sobald sie von 30 Ländern, die mindestens ein Drittel der weltweiten Bruttoregistertonnage repräsentieren müssen, ratifiziert wurde. Sie gilt nur für Handelsschiffe und nicht für den Fischereisektor oder traditionelle Schiffe wie Dschunken oder Daus.

Die neue Konvention ist nach Angaben der ILO der vierte Pfeiler, auf dem die Regulierung der Seeschifffahrt ruht, neben den Konventionen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) über den Schutz des menschlichen Lebens auf See, über Ausbildungsstandards, Zertifizierung und Wachdienste sowie über die Verhütung und Bekämpfung von Verschmutzungen.

 

Vorgeschlagenes konsolidiertes Seearbeitsübereinkommen
Vorgeschlagenes
konsolidiertes
Seearbeitsübereinkommen


Bericht des Generaldirektors über Entwicklungen im Seeschifffahrtssektor
Bericht des
Generaldirektors über
Entwicklungen im
Seeschiffahrtssektor

Annahme einer Urkunde zur Konsolidierung der Seearbeitsnormen
Annahme einer Urkunde
zur Konsolidierung der
Seearbeitsnormen

Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH.  Stand: 28.03.2006

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