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Mehr, aber nicht unbedingt bessere Jobs für Frauen in Lateinamerika

Internationaler Frauentag 2006

Mit 33 Millionen im Arbeitsmarkt repräsentierten Frauen 40 Prozent der Erwerbsbevölkerung in den städtischen Gebieten Lateinamerikas in den Jahren 1990 bis 2004. Eine kürzliche erschienene ILO-Studie in der International Labour Review, zum Fortschritt der Frauenerwerbsarbeit zeigt unterschiedliche Ergebnisse im Hinblick auf Zugang zu qualifizierten Jobs, Arbeitslosigkeit, Entlohnung und soziale Sicherheit. ILO-Online berichtet aus Bolivien, wo die Frauenrechtlerin Casimira Rodrigues Romero kürzlich zur Ministerin für Justiz und Menschenrechte ernannt wurde.

Casimira Rodrigues Romero wuchs als einzige Tochter in einer armen Familie auf und arbeitete bereits im Alter von 13 Jahren als Hausmädchen. Im Jahr 2001 wurde die 39jährige Quechua-Frau, die Wissen über den häuslichen Bereich aus erster Hand erworben hatte, Generalsekretärin der Vereinigung der Hausarbeiterinnen in Lateinamerika und der Karibik (Latein American and Caribbean Confederation of Domestic Workers (CONLACTRAHO).

Heute ist Rodrigues Romero Ministerin für Justiz und Menschenrechte in Bolivien. Sie führte eine Gesetzesinitiative ein, um die Arbeit im häuslichen Bereich zu regeln. Das Gesetz wurde vom bolivianischen Kongress gebilligt, ist allerdings noch nicht voll in Kraft getreten. "Das Gesetz ist nicht ausreichend", so die Ministerin, "die Gesellschaft muß es verstehen und als einen Akt der Gerechtigkeit annehmen."

Nach der neuen ILO-Studie wächst die Erwerbsarbeit der Häuslichen Dienstleistungen, die 15,5 Prozent der gesamten weiblichen Beschäftigung in Lateinamerika ausmacht. "Die berufliche Geschlechtertrennung begrenzt die meisten Frauen fortbestehend auf das niedrigste Niveau des Arbeitsmarkts", so Maria Elena Valenzuela, Mitautorin der Studie.

Die Studie zeigt allerdings auch einige positive Trends im lateinamerikanischen Arbeitsmarkt auf. Frauen stellen mittlerweile annährend 40 Prozent der Erwerbsbevölkerung in Lateinamerikas städtischen Gebieten. Die weibliche Erwerbsbevölkerung stieg von 39 Prozent im Jahr 1990 auf 44.7 Prozent im Jahr 2002, während die der Männer mit ungefähr 74 Prozent stabil blieb.

"Andererseits sind die Zahlen der weiblichen Erwerbsbevölkerung in Lateinamerika noch immer sehr niedrig, verglichen mit denen aus OECD-Ländern, wo diese im Jahr 2001 zwischen 62,1 in Frankreich und 72,5 Prozent in den Vereinigten Staaten lagen", so Valenzuela. "Diese Zahlen sind in Lateinamerika von Land zu Land sehr unterschiedlich, so liegen sie zwischen 42 Prozent in Chile und 58 Prozent in Guatemala".

Arbeitslosigkeit ist unter Frauen weiter verbreitet als unter Männern. Im Jahr 2004 waren ungefähr 9.4 Millionen Frauen aus den städtischen Gebieten arbeitslos - das sind 6.8 Millionen mehr als im Jahr 1990. Obwohl Arbeitslosigkeit beide Geschlechter betrifft, war der Anstieg der Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbsbevölkerung ungleich höher: zwischen 1990 und 2004 stieg die Arbeitslosenquote der Männer in städtischen Bereichen von 5.3 auf 9.1 Prozent; die Arbeitslosenquote der Frauen hingegen sprang von 6.5 auf 13 Prozent.

Die Studie rechnet zum Aufschwung der weiblichen Beteiligung am Arbeitsmarkt die bessere Ausbildung, städtisches Wachstum, sinkende Fertilitätsraten und neue kulturelle Einstellungen, dies alles zusammen begünstige eine größere Autonomie für Frauen. Ein beachtliches Wachstum der Anzahl der weiblichen Haushaltsvorstände, das von 19 auf 31 Prozent je nach Land stieg, spielt ebenso eine Rolle. Wiederkehrende Wirtschaftskrisen haben den Trend verstärkt, der zur steigenden männlichen Arbeitslosigkeit und zu abnehmenden Realeinkommen führt.

Privatisierung von öffentlichen Dienstleistungen und verändertes Konsumverhalten haben Bedarf für ein höheres Einkommen geschaffen; es werden mehr "Beiträger" zum Haushaltseinkommen benötigt.

Neben neuen Arbeitsmöglichkeiten in "Ausfuhr-Freizonen" (Export Processing Zones) und in der informellen Wirtschaft, entsteht das höchste Wachstum weiblicher Beschäftigung im raschen Anstieg von Arbeitsplätzen in Bereichen, in denen Frauen ohnehin beschäftigt sind, hauptsächlich im Dienstleistungsbereich.

Frauen haben die schlechtesten Arbeitsplätze in der informellen Wirtschaft

Als ein Ergebnis der Wirtschaftskrisen in Lateinamerika finden sich arme Frauen in hoher Anzahl auf dem Arbeitsmarkt. Das Gefälle zwischen armen Frauen und der restlichen weiblichen Bevölkerung hat sich verringert. Im Jahr 1990 war die Anzahl der armen Frauen nicht höher als 28.7 Prozent, wohingegen der Anteil der höheren Einkommen bei Frauen bei 50.7 Prozent lag. Das Gefälle hat sich im Jahr 2000 beträchtlich verringert, jetzt waren 39.3 Prozent der armen Frauen und 54.6 Prozent der Frauen mit höheren Einkommen in Beschäftigung.

Andererseits haben Frauen aus Haushalten mit geringem Einkommen noch einen langen Weg vor sich, bevor sie im Arbeitsmarkt voll integriert sind. "Einer der Gründe, warum so viele Frauen im häuslichen Dienstleistungsbereich arbeiten, ist genau der, dass viele Frauen aus mittleren und höheren Einkommensschichten auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind. Mit anderen Worten: viele armen Frauen können nur eine Beschäftigung finden, indem sie für die Bessergestellten arbeiten", erklärt Valenzuela.

Ungefähr die Hälfte der beschäftigten Frauen in Lateinamerika im Jahr 2003 arbeitet in der informellen Wirtschaft. Geschlechterungleichheit ist verbunden mit Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft: eine hohe Anzahl von Frauen aus indigenen Gruppen und mit afrikanischen Wurzeln sehen sich Nachteilen und verschiedenen Formen des Ausschlusses vom Arbeitsmarkt gegenüber.

In Brasilien arbeiten beispielsweise 71 Prozent der schwarzen Frauen in der informellen Wirtschaft, ein höherer Anteil als schwarze Männer (65 Prozent), weiße Frauen (61 Prozent) oder weiße Männer (48 Prozent). In Guatemala sind nur 10.6 Prozent der Indigenen in der formellen Wirtschaft beschäftigt, verglichen mit 31.8 Prozent der Nicht-Indigenen Arbeitnehmer.

"Frauen haben die schlechtesten Arbeitsplätze in der informellen Wirtschaft. Sie sind in Bereichen mit geringer Produktivität beschäftigt, die gerade so überleben", so Valenzuela.

Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind insbesondere von Bedeutung in der informellen Wirtschaft; hier verdienen Frauen nur etwas mehr als die Hälfte des Einkommens der Männer. Aber selbst in der formellen Wirtschaft beträgt das Monatseinkommen der Frauen nur 75 Prozent dessen, was Männer verdienen, so die ILO-Studie. Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sind in Lateinamerika höher als in jeder anderen Region der Welt.

Die ILO-Studie bestätigt, dass die Frauen Lateinamerikas im Hinblick auf soziale Sicherheit immer noch benachteiligt sind. Die meisten Frauen über 65 Jahre haben keinerlei Rente oder eine andere Art der Altersversorgung, weil sie ihr gesamtes erwachsenes Leben in unbezahlter Haushaltsarbeit verbracht haben.

"Ein völlig neuer Ansatz ist nötig um der größten Herausforderung zur Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen zu begegnen - ein Ansatz, der Beschäftigungsmöglichkeiten aufzeigt, welcher Frauen begünstigt, hauptsächlich im Dienstleistungsbereich, wo die meisten weiblichen Erwerbstätigen zu finden sind", so die Schlussfolgerung Valenzualas.

Women's labour force participation rates in Latin America, by Laís Abramo and María Elena Valenzuela, in International Labour Review, special issue on Women's Labour Force Participation, Vol. 144, 4 ILO Geneva 2005


 

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Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH.  Stand: 10.03.2006

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