Die Schaffung menschenwürdiger Arbeit (Decent Work) stand im Mittelpunkt des Engagements der ILO im vergangenen Zweijahresabschnitt. In seinem Bericht an die Internationale Arbeitskonferenz betonte ILO-Generaldirektor Juan Somavia die Bedeutung des Decent-Work-Ansatzes in der Politikberatung ebenso wie in der technischen Zusammenarbeit. Dieser Ansatz vereint ein flexibles Eingehen auf die jeweiligen Bedingungen beim Arbeitsrecht, dem gesellschaftlichem Dialog, dem Aufbau von Beschäftigung und dem sozialem Schutz.
Somavia ging auch auf die vier strategischen Ziele ein, an denen sich die Arbeit der ILO orientiert: Die Umsetzung der grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit, bessere Beschäftigungschancen für Frauen und Männer, Vergrößerung der Reichweite und Wirksamkeit von Sozialversicherungssystemen sowie Stärkung des sozialen Dialogs. Von den insgesamt 81 Einzelzielen, die im Haushalt 2004-2005 genannt waren, konnten 55 erreicht werden. Am größten waren die Erfolge in den Politikfeldern Sozialversicherung und sozialer Dialog.
Der Vorsitzende des ILO-Verwaltungsrats, Carlos Tomada, ging in seinem Jahresbericht insbesondere auf die Maßnahmen zur Abschaffung der Zwangsarbeit ein. Basierend auf dem 2005 vorgestellten globalen ILO-Bericht „Eine globale Allianz gegen Zwangsarbeit“ wurden folgende Prioritäten in der technischen Zusammenarbeit gesetzt: die Erhebung weiterer Daten, Bewusstseinsförderung, Erarbeitung von Bildungs- und Informationsmaterialien und die Stärkung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen im Kampf gegen Zwangsarbeit und Menschenhandel.
Der diesjährige globale Bericht unter dem Titel „Das Ende der Kinderarbeit: zum Greifen nah“ bestätigte die Bedeutung des Internationalen Programms für die Beseitigung der Kinderarbeit der ILO (IPEC). Der Bericht zeigte einen Rückgang der Zahl arbeitender Kinder um elf Prozent innerhalb von vier Jahren auf. 157 Staaten ratifizierten inzwischen das ILO-Übereinkommen über die Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit und 142 das Mindestalter-Übereinkommen. Der Verwaltungsrat sprach sich für eine noch stärkere Einbeziehung der Sozialpartner in die IPEC-Aktivitäten aus.
Der Verwaltungsrat begrüßte außerdem die Erfolge bei der Ratifizierung der Kernarbeitsnormen, d.h. der insgesamt acht Übereinkommen über Vereinigungsfreiheit, Beseitigung der Zwangsarbeit und der Kinderarbeit sowie Diskriminierungsverbot. Seit der letzten Arbeitskonferenz kam es zu 13 neuen Ratifikationen durch insgesamt elf Länder. 119 ILO-Mitgliedsstaaten haben inzwischen alle acht Übereinkommen ratifiziert.
Tomada ging in seinem Bericht auch auf die Initiative für mehr Politikkohärenz ein. Im vergangenen Dezember trafen in deren Rahmen Vertreter des multilateralen Systems sowie von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Genf zusammen. Auf einem Seminar in Johannesburg ebenfalls im Dezember herrschte weitgehende Übereinstimmung, dass makroökonomische Instrumente nicht allein mit dem Ziel Wachstum, sondern auch explizit zur Schaffung von Arbeit eingesetzt werden sollten. Der Verwaltungsrat sprach sich ausdrücklich für einen ständigen Dialog zwischen ILO und den Bretton-Woods-Institutionen aus.
Weitere Arbeitsschwerpunkte der ILO in den vergangenen zwölf Monaten waren die globale Beschäftigungsagenda, die Ländern dabei helfen soll, Arbeit in den Mittelpunkt ihrer Sozial- und Wirtschaftspolitik zu rücken, und die Initiative für Corporate Social Responsibility. In der technischen Zusammenarbeit lag der Schwerpunkt unter anderem auf den Länderprogrammen zur Förderung menschenwürdiger Arbeit sowie HIV/AIDS in der Welt der Arbeit. Hinzu kamen spezielle Programme für die von Israel besetzten Gebiete und Kolumbien.
|