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ILO ruft zu einer Initiative für "Grüne Jobs" auf

Generaldirektor Juan Somavia spricht auf der Internationalen Arbeitskonferenz über die Beseitigung des Mangels an menschenwürdiger Beschäftigung

Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Juan Somavia, hat auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf zu einer Initiative für "Grüne Jobs" aufgerufen. Er forderte die Vertreter von Regierungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen aus den 180 ILO-Mitgliedsstaaten dazu auf, entsprechende wirtschaftspolitische Strategien und Instrumente zu entwickeln, um den Entwicklungsprozess in eine ökologisch nachhaltige Richtung zu lenken.

"Produktion und Arbeit verbrauchen Energie und andere Ressourcen und produzieren so viele Abfälle und Treibhausgase, dass sie zur Gefahr für unsere Gesundheit und unseren Planeten werden", sagte Somavia den Delegierten. "Dies ist jedoch auch eine große Chance für uns. Das UN-Umweltprogramm schätzt den Markt für Technologien zur Erzeugung sauberer Energien für das Jahr 2020 auf 1,9 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem gewaltigen Investitionsvolumen und einer Menge Arbeitsplätze."

Die ILO wolle dazu beitragen, Entwicklungsstrategien mit niedrigen Emissionen zu entwickeln, die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung nicht behindern. Durch den Dialog der in der ILO vertretenen Sozialpartner könnten die Instrumente für die Schaffung "grüner Jobs" erarbeitet werden, die Arbeitnehmer und Unternehmen beim Übergang zu einem nachhaltigeren Entwicklungsmodell unterstützen. Somavia empfahl der Arbeitsgruppe über die soziale Dimension der Globalisierung, die im Rahmen der ILO-Verwaltungsratssitzung im November zusammentritt, die entsprechenden Vorarbeiten zu leisten.

In seiner Rede wies Somavia auch auf die Notwendigkeit hin, gemeinsam mit anderen Organisationen an der Beseitigung des Mangels an menschenwürdigen Beschäftigungsmöglichkeiten zu arbeiten. Die ILO-Agenda für menschenwürdige Arbeit - also die Schaffung von produktiver Beschäftigung unter menschwürdigen Arbeitsbedingungen, Zugang zu sozialen Sicherungssystemen, die Stärkung des sozialen Dialogs und die Einhaltung der Kernarbeitsnormen - wurde gerade erst von den Regierungen der G8 auf ihrem Gipfel in Heiligendamm unterstützt.

Die ILO sei durch ihre dreigliedrige Struktur, die neben Regierungen auch Arbeitgeberorganisationen und Gewerkschaften eine Stimme gibt, ein geeigneter Ort zur Entwicklung ausgewogener handels- und arbeitsmarktpolitischer Ansätze. Diese müssten die Interessen von Industrie- und Entwicklungsländern und von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in allen Weltregionen gleichermaßen berücksichtigen. Dies sei nicht durch Auflagen zu erreichen, sondern vielmehr durch ein klares Bekenntnis zu den strategischen Zielen der Agenda für menschenwürdige Arbeit. "Wir können es schaffen in Zusammenarbeit mit der Welthandelsorganisation und anderen internationalen Organisationen", so Somavia weiter. "Wir brauchen einen integrierten Ansatz, der die Notwendigkeit von fairen Handelsregeln, nachhaltiger Unternehmensführung und angemessener Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik anerkennt."

Somavia wies in diesem Zusammenhang auch auf die wachsende Kluft zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern der Welt und auf die wachsende Ungleichheit innerhalb vieler Länder hin. So sei der Anteil der Löhne am Nationaleinkommen in 16 untersuchten Industrieländern von durchschnittlich 68 auf nur mehr 62 Prozent gefallen. Das Durchschnittseinkommen pro Kopf sei in den 20 reichsten Ländern 112mal so hoch wie in den ärmsten 20 Ländern. Vor 50 Jahren habe der Unterschied - schlimm genug - noch das 49fachen ausgemacht. "Diese Entwicklungen geben Anlass zur Sorge, gerade auch uns bei der ILO, denn sie betreffen den Kern unseres Verfassungsauftrags", sagte Somavia.

Der Generaldirektor unterstrich außerdem die Notwendigkeit, bessere Methoden zur Erfassung der Arbeitslosigkeit in Entwicklungsländern zu entwickeln, besonders um die Unterauslastung des Faktors Arbeit zu beleuchten. Für eine realistischere Darstellung der Arbeitslosigkeit sollten die Daten über unterbeschäftigte Arbeiter im informellen Sektor mit den konventionellen Arbeitslosendaten des formellen Sektors kombiniert werden. "Andernfalls laufen wir Gefahr, das Ausmaß der tatsächlichen Arbeitslosigkeit in der Welt zu unterschätzen", erklärte Somavia.

In seiner Rede ging er auch auf die laufende UN-Reform ein. Die ILO beteilige sich an den Diskussionen über praktische Reformschritte, um bessere Politikkohärenz innerhalb des UN-Systems zu erreichen. Die Kombination der international unterstützten ILO-Agenda für menschenwürdige Arbeit, die wachsende Zahl von Länderprogrammen für menschenwürdige Arbeit, welche in gemeinsame UN-Programme integriert werden könnten, und die Verankerung des sozialen Dialogs in der ILO seien ein "starker Beitrag zur Verbesserung des multilateralen Systems", so Somavia. Als weiteren Beitrag der ILO nannte er die einzigartige Dreiparteien-Struktur der Organisation, die die Sozialpartner mit einschließt, und die internationalen Arbeitsstandards, die einen gemeinsamen Bezugspunkt in der globalen Marktwirtschaft darstellten.

Als Beispiele für neuartige globale Standards, die im Konsens erarbeitet werden, nannte er die im vergangenen Jahr verabschiedete Seeschifffahrtskonvention und eine Fischereikonvention, die auf der diesjährigen Internationalen Arbeitskonferenz beschlossen wird.

 

ILO-Generaldirektor Juan Somavia
ILO-Generaldirektor
Juan Somavia

 


Aktualisiert von MM. Genehmigt von WH.  Stand: 13.06.2007

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