Mehr als 400 Millionen neue Arbeitsplätze sind bis zum Jahr 2015 nötig, um mit dem Wachstum des globalen Arbeitskräftepotenzials Schritt zu halten. Die Volkswirtschaften werden somit mehr als 43 Millionen neue Arbeitsplätze jedes Jahr schaffen müssen, wenn sie gegen die die Arbeitslosigkeit angehen wollen. Dies geht aus einer neuen Untersuchung hervor, die ILO-Generaldirektor Juan Somavia am Montag, den 5. Juni, der in Genf tagenden Internationalen Arbeitskonferenz vorgestellt hat.
Der Studie zufolge bringt die zunehmende Globalisierung enorme Chancen für manche und wachsende Unsicherheit für viele mit sich. „Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass Arbeit als Teil der menschlichen Würde entwertet worden ist, dass das vorherrschende Wirtschaftsdenken sie lediglich als einen Produktionsfaktor betrachtet als eine Ware und die Bedeutung menschlicher Arbeit für den einzelnen, die Familie, die Gemeinschaft und den Staat außer Acht lässt“, sagte Somavia. Der Dialog zwischen Staaten, Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Bedeutung und die Konsequenzen dieser Veränderungen ist eine wichtige Grundlage für die ILO, um ihre politische Agenda und ihre technische Hilfe entsprechend auszuformulieren.
Die Liberalisierung des Handels und der Kapitalströme einerseits und die enormen Verbesserungen im Bereich der Kommunikation und des Transports andererseits bedeuten, dass mehr und mehr Arbeitnehmer im globalen Markt konkurrieren, um ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Inzwischen ist ein wahrhaft globaler Arbeitsmarkt entstanden, der jedoch in vielerlei Hinsicht gespalten bleibt. Die Hälfte des Arbeitskräftepotenzials auf der Welt bleibt von der Globalisierung ausgeschlossen und arbeitet in absoluter Armut. Länder, die von landwirtschaftlichen Produkten abhängig bleiben, haben wenig von der Globalisierung profitiert. Die Reallöhne ungelernter Arbeiter sind rückläufig. Und in vielen Industrieländern ist unter Arbeitnehmern das Gefühl von Unsicherheit gewachsen.
„Für die ILO stellt sich damit die Frage der Entwicklung der geeigneten Normen für einen globalen Arbeitsmarkt“, so Somavia weiter. „Es sind noch große Anstrengungen zur Verbesserung von Produktivität, Einkommen und Arbeitsbedingungen, um so die Armut zu bekämpfen, unter der fast die Hälfte der arbeitenden Weltbevölkerung leidet. Gute Arbeitsplätze, die Sicherheit und Wohlstand bieten, sind jedoch immer schwerer zu finden.“
Der Bericht identifiziert vier wesentliche Triebkräfte des Wandels auf den Arbeitsmärkten:
• das Entwicklungsgebot und die Notwendigkeit, Armut und die Ungleichheit innerhalb von und zwischen Nationen zu mindern;
• die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
• die Intensivierung des globalen Wettbewerbs in Folge von Handels- und Finanzmarktliberalisierung sowie niedrigeren Transport- und Kommunikationskosten;
• ein politischer Paradigmenwechsel, in dessen Folge mehr Vertrauen in den Markt als in den Staat gesetzt wird.
Der dramatische Wandel in der Welt der Arbeit birgt jedoch auch das Potenzial in sich, menschenwürdige Arbeitsplätze für alle Menschen zu schaffen. Höheres Wirtschaftswachstum etwa kann zu einer höheren Nachfrage nach Arbeit führen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist jedoch eine arbeitsintensivere Form des Wachstums. Dafür müssen ökonomische Anreize so gesetzt werden, dass sie Arbeit statt Kapital begünstigen. Hinzukommen muss eine Steigerung der Produktivität bei den ärmsten Arbeitnehmern der Welt, um ihnen so ein höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen zu sichern.
Sich wandelnde Strukturen in der Welt der Arbeit, Internationale Arbeitskonferenz, 95. Tagung 2006, Bericht I (C), ISBN 92.2.716623.8
http://www.ilo.org/public/german/standards/relm/ilc/ilc95/pdf/rep-i-c.pdf
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