ILO Home
  
Go to the home page
Sitemap | Kontakt
> Home

The ILO and the Quest for Social Justice 1919-2009

The ILO and the Quest for Social Justice 1919-2009 - (Bestellfax)

ILO helpdesk to implement decent work principles in companies

Unterstuetzung von Unternehmen bei der praktischen Umsetzung der Prinzipien menschenwuerdiger Arbeit

Globalisierung und informeller Sektor

Gemeinsame Studie von ILO und WTO belegt, dass Marktöffnung von geeigneter Beschäftigungspolitik begleitet werden muss

12. Oktober 2009 - Die Ausweitung des Welthandels und Wirtschaftswachstum haben in den Entwicklungsländern nicht zu einer entsprechenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lebensstandards vieler Arbeitnehmer geführt, weil der größte Teil der neuen Arbeitsplätze im informellen Sektor entstand. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Welthandelsorganisation (WTO) über den Zusammenhang zwischen Globalisierung und informeller Beschäftigung.

Die Studie entstand im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprogramms des internationalen Instituts für Arbeitsstudien der ILO und des WTO-Sekretariats. Informelle Beschäftigung, die von mangelnder Arbeitsplatzsicherheit, geringen Einkommen und fehlendem Sozialschutz geprägt ist, ist demnach nach wie vor weit verbreitet in den Entwicklungsländern. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung reicht von 30 Prozent in Teilen Lateinamerikas bis zu 80 Prozent in manchen Staaten Afrikas und Südasiens. In einigen Ländern ließ sich in den vergangenen Jahren sogar ein Zuwachs beobachten.

"Die Studie bestätigt: Entwicklungsländer, die die Schaffung menschenwürdiger Arbeit und handels- und finanzpolitische Ziele gleichermaßen verfolgen, sind eher in der Lage, aus einer Marktöffnung Vorteile zu ziehen und die derzeitige Krise zu bewältigen", sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Dies entspricht auch dem Beschluss der G20-Staaten auf ihrem Gipfel in Pittsburgh, "Maßnahmen zur Konjunkturerholung umzusetzen, die menschenwürdige Arbeit fördern, Arbeitsplätze erhalten helfen und einen Schwerpunkt auf Beschäftigungszuwachs legen," und weiterhin Arbeitslosen und den von Arbeitslosigkeit Bedrohten Unterstützung zu leisten bei Einkommen, Sozialschutz und Fortbildung."

Der Generaldirektor der WTO, Pascal Lamy, erklärte: "Handel hat zu Wachstum und Entwicklung weltweit beigetragen, aber dies hat nicht automatisch zu einer Verbesserung der Beschäftigungsqualität geführt. Jede Marktöffnung muss von einer geeigneten Politik im Land begleitet sein, um gute Arbeitsplätze zu schaffen. Dies wird besonders deutlich in der aktuellen Krise, die den Handel beeinträchtigt und tausende Menschen in den informellen Sektor drängt."

Die Untersuchung zeigt, dass die Auswirkungen einer Marktöffnung auf die Größe des informellen Sektors entscheidend von der Ausgestaltung von Handels- und Arbeitsmarktpolitik im jeweiligen Land abhängen. Die empirischen Daten belegen, dass offene Volkswirtschaften einen kleineren informellen Sektor aufweisen. Kurzfristig können handelspolitische Reformen jedoch mit einem höheren Anteil informeller Beschäftigung einhergehen. Auf längere Sicht aber kann sich ein Zuwachs der Beschäftigung im formellen Sektor ergeben, vorausgesetzt die Reformen sind beschäftigungsfördernd gestaltet und die entsprechenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen werden getroffen.

Eine Verminderung des Anteils informeller Beschäftigung kann die Produktivität und die wirtschaftliche Diversifizierung und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit im Welthandel verbessern. Umgekehrt resultieren aus einem großen informellen Sektor eine schwäche Produktivität und geringes Unternehmenswachstum, weil sich viele kleine Firmen im informellen Sektor nicht ausreichend entwickeln können. Ein hoher Grad der Informalität hemmt unternehmerisches Handeln - nicht zuletzt durch schlecht gestaltete Steuersysteme, schwachen Sozialschutz und mangelhafte Gewerbeaufsicht. Überdies können Länder die Vorteile von Handelsreformen nicht genießen, wenn Arbeiter im Laufe von arbeitsmarktpolischen Anpassungsprozessen in der Armutsfalle gefangen bleiben.

Je höher der Anteil des informellen Sektors an einer sich entwickelnden Volkswirtschaft, desto höher ist auch die Verwundbarkeit für externe Schocks wie die derzeitige globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Es zeigt sich, dass Länder mit einem großen informellen Sektor häufiger unter derartigen Schocks leiden und niedrigere langfristige Wachstumsraten aufweisen. Dies trifft umso mehr zu, als automatische Stabilisatoren wie etwa die Arbeitslosenversicherung dann nur eingeschränkt greifen.

Die Integration in den Weltmarkt und die Bekämpfung informeller Beschäftigung durch eine an der Agenda für menschenwürdige Beschäftigung ausgerichtete Politik sollten daher Hand in Hand miteinander gehen. Die Förderung von Unternehmen und Arbeitsplätzen im formellen Sektor zusammen mit Sozialschutz leisten einen Beitrag dazu, dass Länder umfassend von einer Marktöffnung profitieren, dass der Lebensstandard steigt und Arbeitnehmer Zugang zu menschenwürdiger Arbeit haben. Die Politik sollte sich daher stärker der Stärkung des sozialen Schutzes und der konkreten Ausgestaltung von Handelsreformen widmen.

Further information

Globalization and Informal Jobs in Developing Countries

Dokument

 
Last update:27.10.2009 ^ top