Gefährdung der Gleichbehandlung am Arbeitsplatz und zu Hause
5. März 2008 - Der anlässlich des Internationalen Frauentages jährlich veröffentlichte Bericht der ILO "Global Employment Trends for Women" erwartet für 2009 einen Anstieg der Anzahl arbeitsloser Frauen um bis zu 22 Millionen. Die Krise auf dem globalen Arbeitsmarkt wird sich mit der globalen Rezession weiter verschärfen. Dies führt zu neuen Hürden auf dem Weg für nachhaltiges und sozial gerechtes Wachstum und verlangt nach neuen kreativen Lösungen zur Erreichung der Geschlechtergleichheit in der Welt der Arbeit.
Von drei Milliarden Menschen, die im Jahr 2008 erwerbstätig waren, sind 1.2 Milliarden oder 40.4 Prozent Frauen, so der Bericht. 2009 könnte die weltweite Arbeitslosenquote für Frauen 7.4 Prozent erreichen, im Vergleich zu 7 Prozent für Männer. Bezogen auf die Arbeitslosenquote könnte sich die Wirtschafts- und Finanzkrise für Frauen in den meisten Weltregionen nachteiliger auswirken als für Männer, besonders betroffen sind Lateinamerika und die Karibik.
Der Bericht erwartet, dass die Auswirkungen auf die Arbeitslosenraten für Frauen in Ostasien, in den industrialisierten Ländern, in den Nicht-EU Ländern Südosteuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (CIS) weniger nachteilig ausfallen, da hier die Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt für Frauen vor der Krise nicht so ausgeprägt war.
Die Arbeitsmarktprojektionen für 2009 zeigen Verschlechterungen des globalen Arbeitsmarktes für Frauen ebenso wie für Männer. Die ILO erwartet eine weltweite Arbeitslosenquote zwischen 6.3 und 7.1 Prozent mit einer entsprechenden Arbeitslosenquote für Frauen, die sich zwischen 6.5 und 7.4 Prozent bewegt (verglichen mit 6.1 und 7.0 Prozent für Männer). Dies bedeutet einen Anstieg von arbeitslosen Menschen zwischen 24 und 52 Millionen weltweit, zwischen 10 und 22 Millionen davon sind Frauen.
Der Bericht besagt, dass die Spanne der besonders gefährdeten Arbeitsverhältnisse (z.B. in Fällen unbezahlter Familienarbeiter) zwischen 50.5 Prozent und 54.7 Prozent für Frauen reicht (im Vergleich für Männer zwischen 47.2 und 51.8 Prozent). Während die Last eines gefährdeten Arbeitsplatzes für Frauen immer noch größer ist, hat die Krise auch die Arbeitsverhältnisse der Männer im Vergleich zu 2007 unsicherer gemacht.
"Die geringere Erwerbsquote von Frauen, schwächere Kontrolle über Eigentum und Ressourcen, ihre Konzentration in informeller und gefährdeter Beschäftigung mit geringeren Verdiensten und geringerem sozialem Schutz bringt Frauen in eine schwächere Position, der Krise zu widerstehen, als Männer", so die Direktorin des Büros für Geschlechtergleichstellung der ILO, Janes Hodges. "Frauen haben oftmals längere Arbeitszeiten oder mehrere schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse und übernehmen zusätzlich unbezahlte Familienarbeit".
ILO Generaldirektor Juan Somavia betont, dass Geschlechtergleichheit ein Schlüsselprinzip der politischen Antworten auf die Krise sein sollte, da die Einflüsse der Wirtschafts- und Finanzkrise über die Aufgaben, die Frauen in der Welt der Arbeit übernehmen, hinausgehen. Diese wirkt sich sauf die gesamte Stabilität der Gesellschaft und die verschiedenen Rollen die Frauen in ihr ausüben, aus.
In einem Beitrag zum Internationalen Frauentag sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia: "Geschlechterungleichheit in der Welt der Arbeit hat uns lange begleitet und es ist wahrscheinlich, das die Krise dies verschlimmert. In Zeiten wirtschaftlichen Umbruchs erfahren Frauen oft schneller die negativen Konsequenzen und profitieren erst zeitverzögert von den Vorteile in der Erholungpshase. Und schon vor der Krise arbeitete die Mehrzahl der Frauen in der informellen Wirtschaft mit geringerem Lohn und weniger Sozialschutz".
Juan Somavia nannte einige Beispiele politischer Maßnahmen, die helfen könnten, die Last der Frauen zu verringern: Zugang zu nachhaltiger und menschenwürdiger Arbeit für Männer als auch für Frauen, breiteren Sozialschutz einschließlich Arbeitslosenunterstützung und Versicherungssysteme, die die gefährdete Position insbesondere der Frauen im Arbeitsmarkt berücksichtigen sowie sozialer Dialog und die aktive Einbeziehung der Frauen in politische Entscheidungsprozesse.
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