ILO-Delegierte aus Europa und Zentralasien betonen die Bedeutung menschenwürdiger Arbeit
13. Februar 2009 - Koordinierte Maßnahmen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums forderten die Delegierten der achten Europäischen Regionalkonferenz der Internationalen Arbeitsorganisation in Lissabon. Man sei derzeit mit der "schlimmsten Wirtschaftskrise in Europa seit 60 Jahren" konfrontiert. Abgestimmte Konjunkturpakete zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, zur Verhinderung einer Deflationsspirale und zur Erhaltung von menschenwürdiger Beschäftigung" seien daher von höchster Wichtigkeit. Geboten sei überdies auch "eine Reform der Finanzmärkte, um dafür zu sorgen, dass Unternehmen ausreichend Kapital für produktive Investitionen und die Schaffung menschenwürdiger Beschäftigung erhalten".
Vertreter von Regierungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen aus den europäischen und zentralasiatischen Mitgliedsstaaten der ILO riefen außerdem zum Schutz der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft auf. Es müsse vermieden werden, dass diese aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden oder als so genannte arbeitende Arme trotz Beschäftigung keinen zum Leben ausreichenden Lohn erhalten. Die Delegierten betonten die Bedeutung eines effektiven sozialen Dialogs und von Kollektivverhandlungen angesichts der Krise und forderten eine kohärentere Politik auf nationaler, regionaler und globaler Ebene, um Protektionismus in all seinen Formen zu verhindern. Denn durch diesen drohe die Krise sich langfristig noch zu verschlimmern.
Die Konstituenten der ILO verpflichteten sich auf der alle vier Jahre stattfinden Regionalkonferenz zu besonderer Wachsamkeit gegenüber Reaktionen auf steigende Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung, die sich in Rassenhass, Diskriminierung gegen Immigranten oder ethnische Minderheiten oder in der Verfolgung von Gewerkschaftern äußern können.
"Diesmal war es nicht 'business as usual'", sagte die Direktorin des ILO-Regionalbüros für Europa und Zentralasien, Petra Ulshöfer. "Konsens und Solidarität sind nötiger denn je. Auch wenn die Situation in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist, so haben sich doch viele Gemeinsamkeiten herauskristallisiert, wie Regierungen auf die Krise reagieren. Es gibt einen großen Konsens unter den Konstituenten in allen Ländern, dass die Agenda für menschenwürdige Arbeit ein geeignetes Instrument ist, um die sozialen Folgen der Krise zu mildern."
In der Abschlusserklärung äußerten die Delegierten die Sorge, dass die Wirtschaftskrise zahlreiche Arbeitnehmer hart treffen werde, darunter viele, die sichere Jobs hatten. "Bis sich die Kreditmärkte normalisiert haben, drohen weiter Lohn- und Gehaltseinschnitte, Entlassungen und hohe Arbeitslosigkeit." Die Erklärung betont auch, dass die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit geschützt, die internationalen Arbeitsstandards gefördert, Aus- und Fortbildung verstärkt und die Möglichkeiten des sozialen Dialogs voll genutzt werden sollten. Die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit seien "ein wichtiges Bollwerk gegen das Risiko, dass die Rezession zu einer stärkeren Ausbeutung von Arbeitnehmern führt."
|
 |
 |
 |
 |