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Berliner Bündnis gegen Menschenhandel

Erklärung über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung

Internationale Arbeitskonferenz verabschiedet eine neue Erklärung, die die Bemühungen der ILO zur Umsetzung der Agenda für menschenwürdige Arbeit stärkt

16 Juni 2008 - Die Internationale Arbeitskonferenz, das oberste Organ der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), hat zum Abschluss ihrer 97. Tagung in Genf eine weit reichende "Erklärung über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung" verabschiedet. Diese zielt auf eine neue Strategie zur Stärkung offener Volkswirtschaften und offener Gesellschaften auf der Grundlage von sozialer Gerechtigkeit, produktiver Beschäftigung für alle, nachhaltiger Unternehmensführung und sozialem Zusammenhalt. Die Vertreter von Regierungen sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen der 182 ILO-Mitgliedsstaaten nahmen die neue Erklärung per Akklamation an.

Die Erklärung erkennt die Wohlfahrtsgewinne durch Globalisierung an, die vielen Länder hohe Wachstumsraten und die Schaffung neuer Arbeitsplätze ermöglichte. Doch lässt sich gleichzeitig in vielen Ländern eine wachsende Einkommensungleichheit beobachten und eine zunehmende Unsicherheit auf den Arbeitsmärkten, die vielfach von hoher Arbeitslosigkeit, einem wachsenden informellen Sektor, fortdauernder Armut und ungenügendem Sozialschutz geprägt sind. Um künftig alle Menschen an den Vorteilen der Globalisierung teilhaben zu lassen, fordert die Erklärung verstärkte Bemühungen zur Umsetzung der ILO-Agenda für menschenwürdige Arbeit.

Die Agenda für menschenwürdige Arbeit, ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Armut weltweit, umfasst vier Ziele: die Schaffung produktiver und ausreichend bezahlter Arbeitsplätze, die Einhaltung der Kernarbeitsnormen, sozialer Schutz und sozialer Dialog. "Die Anforderungen in der heutigen Arbeitswelt sind einer starken Veränderung unterworfen, und diese Erklärung verstärkt unsere Bemühungen, darauf durch die Agenda für menschwürdige Arbeit einzugehen", sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Die neue Erklärung schafft ein Fundament, von dem aus die ILO ihre Mitglieder besser bei ihren Bemühungen um ökonomischen Fortschrift und soziale Gerechtigkeit unterstützen kann. "Was wir nun haben, ist ein Kompass", erklärte der Vorsitzende des Ausschusses für die Stärkung der ILO-Kapazitäten, Jean-Jacques Elmiger. "Es ist jetzt an uns, die Zukunft zu gestalten, und die Erklärung zeigt uns die Richtung, in die wir dabei gehen müssen."

Den Mitgliedern der ILO weist die Erklärung eine besondere Verantwortung zu: Sie sollen durch ihre Sozial- und Wirtschaftspolitik zur Umsetzung einer global kohärenten Politik zur Schaffung menschenwürdiger Arbeit beitragen. Auch andere internationale Organisationen sind aufgefordert, in ihren jeweiligen Bereichen die Agenda für menschenwürdige Arbeit zu fördern. Weiter heißt es in der Erklärung: "Sowohl Handels- als auch Finanzpolitik haben Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Rolle der ILO ist es, diese Beschäftigungseffekte zu bewerten, mit dem Ziel, Beschäftigung ins Zentrum der Wirtschaftspolitik zu rücken."

Enthalten in der Erklärung ist ein Follow-up-Mechanismus, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen, mit denen die ILO ihre Mitglieder bei der Umsetzung der Agenda für menschenwürdige Arbeit unterstützt.

Die Erklärung über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung stellt die wohl wichtigste Neuerung in der 1919 gegründeten ILO seit der grundlegenden Erklärung von Philadelphia aus dem Jahr 1944 dar, die erstmals Vereinigungs- und Meinungsfreiheit, Armutsbekämpfung sowie den Dialog zwischen Regierungen und Sozialpartnern in den Mittelpunkt der ILO-Arbeit stellte. Ihre letzte große Erklärung verabschiedete die Internationale Arbeitskonferenz vor zehn Jahren über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit. Diese Erklärung unterstreicht die Bedeutung der Kernarbeitsnormen (Vereinigungsfreiheit, Diskriminierungsverbot, keine Kinder- und Zwangsarbeit) als Grundprinzipien der ILO bei all ihren Aktivitäten.

 
Last update:06.10.2008 ^ top