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4. Februar 2005 - Die Sportschuhindustrie, oftmals kritisiert wegen angeblicher Verletzung grundlegender Arbeitsstandards, hat größeren Fortschritt in der Erreichung von arbeitnehmerfreundlichen Verhaltensregeln gemacht als der Bekleidungs- und Einzelhandelssektor.
Die soeben publizierte Studie "Implementing Codes of Conduct: How business manage social performance in global supply chains" besagt, dass die Wiedererkennung des Markennamens und die genaue Überprüfung der Produkte seitens der Verbraucher die Sportschuhindustrie veranlasst habe, eine anspruchsvollere Vorgehensweise bei der Umsetzung der Richtlinien zu entwickeln. Der Erfolg der Sportschuhindustrie wird dem effektiven Einsatz finanzieller und menschlicher Ressourcen zur Einhaltung ihrer Bemühungen zugeschrieben.
Die Untersuchung basiert auf hunderten von Interviews mit Managern, Aktivisten, Regierungsvertretern, Fabrikarbeitern und Arbeitnehmervertretern. Über neunzig Unternehmen und Zulieferer in den Vereinigten Staaten, Europa, China, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Sri Lanka, Guatemala, der Türkei und Honduras wurde besucht.
Dennoch belegt die Studie, dass die einfache Ausrichtung auf die Zahlen nicht das gesamte Bild ergibt. Während ein großes Team zur Einhaltung der Regeln verbesserte soziale Bedingungen für die Zulieferbasis einer Firma bedeuten kann, hängt die Bewertung auch von der Rolle ab, die das Team im Hinblick auf Zulieferer spielt. Die Untersuchung zeigt den Bedarf für Multinationale Unternehmen, vom "kontrollierenden" Modell der Einhaltung der Verhaltensregeln überzugehen zu einer mehr beratenden Rolle, in der Arbeitnehmer in die Lage versetzt werden, ihren eigenen Arbeitsbereich zu beaufsichtigen.
Das beinhaltet eine klare Zielvorstellung, verstärkt von der Verpflichtung der obersten Führungsebene, wirksamer Ausbildung sowie geographisch verstreuter Teams, die in der Lage sind "praktische" Hilfe auf der Zuliefererebene zur Verfügung zustellen, so die Studie.
Beispielsweise berichtete eine der untersuchten Sportschuh- und Bekleidungsfirmen, ein Team von über 100 Mitarbeitern verpflichtet zu haben, dessen einzige Aufgabe es sei, die Corporate Social Responsibility (soziale Verantwortung des Unternehmens) und Verhaltensregeln zu überwachen.
Die Studie beleuchtet ebenso die erheblichen Herausforderungen, die der Einzelhandelssektor hinsichtlich der extrem großen und sich fortlaufend verändernden Zuliefererbasis ausgesetzt ist. Zusätzlich führt die breit gefächerte Zusammenstellung des Sortiments, die vom Einzelhandelssektor zu bewältigen ist, zu Schwierigkeiten, die gesamte Zuliefererkette aufzuzeigen.
Im Gegensatz zur Sportschuhindustrie berichtete beispielsweise ein großer Einzelhändler mit fortlaufend sich ändernder Zuliefererbasis von mehr als 5.000 Firmen, dass er kein eigenes Team zur Unterstützung der Anwendung der Verhaltensregeln habe. Stattdessen wird diese Aufgabe von der Abteilung für Qualitätssicherung übernommen, deren zwölf Mitarbeiter 25 Prozent ihrer Arbeitszeit für "ethische Themen" zur Verfügung stellen.
"Diese Zahlen für sich genommen, enthüllen eine bemerkenswerte Geschichte", so Ivanka Mamic, Autorin der Studie und ILO Mitarbeiterin spezialisiert auf Arbeitsplatz Beziehungen und Arbeitsthemen in global agierenden Zuliefererketten. "Nicht überraschend wurden Fortschritte erzielt wo ernsthafte Bemühungen von Auftragnehmern ausgeweitet wurden und wo die Verbindung zwischen Zulieferern und Auftraggeber am engsten sind."
Als solche hat die Sportschuhindustrie, in der die Verbindungen zwischen Produzenten und internationalen Markennamen sehr eng sind, mehr Erfolg gehabt als der Bekleidungssektor, wo der Fortschritt eher punktuell ist und der Einzelhandelssektor wo in einigen Bereichen selbst minimale Befolgung der Verhaltensregeln nicht stattfinden, so die Studie.
"Mit seiner dreigliedrigen Struktur, ist die ILO einzigartig aufgestellt um eine entscheidende Rolle zu spielen", so Ivanka Mamic und fügt hinzu "die meisten Verhaltensregeln beziehen sich entweder direkt oder indirekt auf internationale Arbeitsnormen; dies macht die ILO zu einem nahe liegenden Forum für den Dialog, um die steigende Anwendung von Verhaltensregeln am Arbeitsplatz zu untersuchen".
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