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ILO-Bericht: 86 Millionen Wanderarbeitnehmer weltweit aktiv

28. Juni 2004 - Nahezu die Hälfte aller Migranten und Flüchtlinge, 86 Millionen Erwachsene, sind weltweit wirtschaftlich aktiv, angestellt oder in anderen Formen lohnabhängig beschäftigt - so nachzulesen im soeben veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation "Der Weg zu einer fairen Behandlung von Wanderarbeitnehmern in der globalen Wirtschaft".

Aus den zur Verfügung gestellten Daten geht hervor, daß sich im Verlauf der 1990er Jahre die Zahl der Migranten um ungefähr sechs Millionen pro Jahr erhöht hat. Angenommen, alle für das Jahr 2000 genannten 175 Millionen Migranten würden eine politische Einheit bilden, wären sie das Land mit der fünftgrößten Bevölkerung.

"Immer mehr Länder sind inzwischen von den Migrationsbewegungen betroffen, sei es als Herkunfts-, als Ziel- oder als Transitland oder alles gleichzeitig". Dies erfordere eher eine multilaterale denn unilaterale Vorgehensweise zwischen den betroffenen Staaten.

Der neue Bericht, ein Impulsgeber für eine Debatte zu diesem Thema auf der vom 1. bis 17. Juni 2004 in Genf stattfindenden alljährlichen Internationalen Arbeitskonferenz, besagt, daß ein mehrschichtiger Ansatz unerläßlich zur Verbesserung des Umgangs mit Migration - ein zentrales Thema unserer Zeit - geworden sei.

Die Generaldebatte zum Thema Wanderarbeitnehmer auf der Internationalen Arbeitskonferenz wird die weltweit höchstrangige und repräsentativste Diskussion zum Thema Migration in den letzten zehn Jahren sein, unter Beteiligung von Arbeitsministern und Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aus 177 ILO-Mitgliedstaaten.

Der Bericht hebt folgende Punkte hervor:

  • Die ökonomischen Effekte der Zuwanderung waren für die Aufnahmeländer überwiegend vorteilhaft und zwar durch Verjüngung der Bevölkerung durch die Neuankömmlinge und einer daraus resultierenden Stimulierung des Wachstums ohne Inflation. Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen Wanderarbeitnehmer für ungefähr 30 Jahre zum nachhaltigen Wachstum Europas bei. In Ost- und Westasien verhalfen Wanderarbeitnehmer während der 1970er Jahre fast über Nacht, die dortigen Städte in glitzernde Metropolen zu verwandeln.
  • Die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte kann in den Herkunftsländern einen Teufelskreis in Gang setzen, der zu einer Verlangsamung ihrer Entwicklung führt. Einer Schätzung zufolge sind mindestens 400.000 Wissenschaftler und Ingenieure aus Entwicklungsländern in Forschung und Entwicklung der Industrieländer tätig. Es arbeiten mehr in Jamaika und in Ghana ausgebildete Ärzte außerhalb des Landes als in ihrem Heimatland.
  • Wanderarbeitnehmer stellen eine wichtige Finanzquelle für die Entwicklung ihrer Heimat dar. Daten der Weltbank weisen aus, daß diese Geldüberweisungen nach den ausländischen Direktinvestitionen die zweitgrößte externe Finanzierungsquelle der Entwicklungsländer darstellen.
  • Der Anteil der Frauen an der internationalen Migration beträgt 49 Prozent (2000). Im Gefolge bestimmter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen gehen immer mehr Frauen, die in ihrer Familie die Hauptverdiener sind, alleine auf Arbeitsuche ins Ausland.
  • Zwischen 10 und 15 Prozent der Migranten haben einen irregulären Status, ein Phänomen, das nicht auf die entwickelten Länder beschränkt ist. "Der starke Zustrom irregulärer Arbeitskräfte ist ein deutliches Anzeichen dafür, daß nicht genügend reguläre Arbeitsmigranten zur Verfügung stehen, um die Nachfrage zu decken".
  • Der Bericht führt weiter aus, daß die Arbeitsbedingungen für einen hohen Anteil der Wanderarbeitnehmer mißbräuchlich und ausbeuterisch sind, zu nennen sind hier etwa Zwangsarbeit und allzu oft die Verweigerung der Gewerkschaftsrechte sowie Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit.

Für Wanderarbeitnehmer mit irregulärem Status "sind die Menschenrechte und Grundfreiheiten dann am stärksten gefährdet, wenn die Arbeitnehmer gesetzeswidrig angeworben, ins Land gebracht und beschäftigt werden". Die Migration stellt für die Regierungen eine der komplexesten Herausforderungen dar.

Der Bericht fordert die dreigliedrigen Delegationen aus den Mitgliedsländern in der diesjährigen Internationalen Arbeitskonferenz auf, die Annahme eines umfassenden Aktionsprogramms zur "Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und für geordnete Formen der Wanderungsbewegungen" in Erwägung zu ziehen.

Der Weg zu einer fairen Behandlung von Wanderarbeitnehmern in der globalen Wirtschaft, Bericht VI zur 92. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz, Genf 2004, 235 Seiten, ISBN 92-2713-043-8

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Last update:06.10.2008 ^ top