Die grundlegende Zielsetzung der ILO ist in ihrer Verfassung - (pdf, 448 Kb) fixiert: die Sicherung des Weltfriedens durch eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen. Zu den besseren Arbeitsbedingungen in allen Mitgliedsländern kommt jedoch ein internationaler Aspekt hinzu: Mit weltweit anerkannten Sozialstandards soll verhindert werden, dass sich einzelne Teilnehmer am internationalen Handel durch Abbau von Arbeitnehmerrechten und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Vorteile verschaffen. Dahinter steht die Idee, dass nur durch eine internationale Vernetzung des sozialpolitischen Regelwerks faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden können. Die Grundprinzipien und Ziele wurden 1944 in der grundlegenden Erklärung von Philadelphia erneuert und erweitert. Folgende Punkte, die als zentrale Voraussetzung für nachhaltige Fortschritte gelten können, rücken nun in den Mittelpunkt der ILO-Arbeit:
Die Erklärung über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit - (pdf, 36 Kb) von 1998 unterstreicht die Bedeutung der Kernarbeitsnormen (Vereinigungsfreiheit, Diskriminierungsverbot, Beseitigung der Kinder- und Zwangsarbeit) als Grundprinzipien der ILO bei all ihren Aktivitäten. Damit entsprach die ILO der Forderung der internationalen Gemeinschaft nach universellen Grundregeln, um der Globalisierung des Wirtschaftsgeschehens eine soziale Flankierung zu geben. Sie verpflichtet sich darin zur Hilfe
Die 2008 verabschiedete Erklärung über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung - (pdf, 238 Kb) präzisiert die Aufgabe, die der ILO im Zeitalter der Globalisierung zufällt, und schafft ein Fundament, von dem aus die ILO ihre Mitglieder besser bei ihren Bemühungen um ökonomischen Fortschrift und soziale Gerechtigkeit unterstützen kann. Dies soll insbesondere erreicht werden durch
Ein Schwerpunkt der ILO-Tätigkeit ist von Anfang an die Setzung von Arbeitsnormen. So zieht das erste ILO-Übereinkommen aus dem Jahr 1919 Obergrenzen für die Länge von Arbeitstag und Arbeitswoche in der Industrie. Inzwischen gibt es fast schon 190 solcher Konventionen, die sich beispielsweise mit dem Mindestalter von Beschäftigten, mit der Versicherung von Arbeitnehmern, mit den Rechten von Seeleuten oder von Migranten oder mit dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz befassen. Mit der Annahme der Erklärung über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit im Jahr 1998 konzentrierte die ILO ihre Arbeit verstärkt auf die Ratifizierung und Implementierung der acht grundlegenden Übereinkommen, die zusammen die Kernarbeitsnormen ausmachen.
Die internationale Gemeinschaft und die ILO sind sich bewusst, dass die Ratifikation und Anwendung der Kernarbeitsnormen in vielen Ländern nicht am guten Willen der Regierungen und der Sozialpartner scheitern. Entscheidend sind häufig die tatsächlichen Probleme - ökonomische, institutionelle oder auch kulturelle - deren Überwindung oft mühsam und langwierig ist.
Hilfe dabei bietet die ILO im Rahmen der technischen Zusammenarbeit an. So unterstützt sie beispielsweise Regierungen und Sozialpartner bei der Ausarbeitung von rechtlichen Rahmenbedingungen sowie konkreten Programmen zur Verbesserung der beruflichen Bildung, des sozialen Schutzes oder der Arbeitssicherheit.
Einen besonderen Stellenwert nimmt hier das ILO-Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit (IPEC) ein. Die ILO bemüht sich außerdem in vielen Ländern, den Dialog zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften zu verbessern, um einen breiten Konsens zwischen den betroffenen Interessengruppen zu finden.
Mit ihrer Agenda für menschenwürdige Arbeit (Decent Work Agenda) von 1999 hat die ILO ihre Arbeit auf vier strategische Ziele ausgerichtet:
Die Beschäftigungspolitik rückte damit erstmals ins Zentrum der politischen Arbeit der ILO. Reguläre Beschäftigung ist demnach eine zentrale Voraussetzung, die Armut weltweit nachhaltig zu bekämpfen. Der ILO zufolge soll daher die Schaffung von Beschäftigung die Leitidee der Wirtschafts- und Sozialpolitik sein. Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) hat mittlerweile die Bedeutung der Decent Work Agenda für die Armutsbekämpfung erkannt. Seit 2008 ist daher die Schaffung von menschenwürdiger und produktiver Arbeit Bestandteil der Millenniums-Entwicklungsziele der UN.
Die Frage, wie die zunehmende wirtschaftliche Globalisierung sozial zu flankieren ist, ist für die ILO spätestens seit dem Weltsozialgipfel von Kopenhagen 1995 ein zentrales Aufgabenfeld. Parallel zur WTO-Ministerkonferenz von Doha 2001, die die "Entwicklungsrunde" der Welthandelsorganisation einleitete, erteilte der ILO-Verwaltungsrat den Auftrag zur Einsetzung einer Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung, in der hochrangige Vertreter aus Politik und Wissenschaft, aus dem Arbeitnehmer- wie aus dem Arbeitgeberlager zusammenkamen.
2004 hat die Weltkommission ihren Bericht Eine faire Globalisierung vorgelegt, der eine umfangreiche Analyse der Folgen der Globalisierung und zahlreiche Anstöße bietet, wie dieser Prozess zum Nutzen der Menschen gestaltet werden kann. Zentrale Forderungen des Berichts sind unter anderem:
Diese Forderungen wurden mittlerweile von der Politik aufgegriffen - etwa von den Teilnehmern des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007, die der ILO die Unterstützung der Agenda für menschenwürdige Arbeit zusicherten und sich für verstärkte politische Kohärenz auf internationaler Ebene einsetzten.
Ihr vielfältiges Wissen im Arbeitsbereich stellt die ILO über Datenbanken, insbesondere über internationale Arbeitsstandards NORMLEX, nationale Arbeitsgesetze NATLEX und Arbeitsmarktstatistiken LABORSTA der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zahlreiche Konferenzen und Publikationen machen die breit angelegte Forschungstätigkeit der ILO zugänglich.
Zu den Arbeitsbereichen der ILO-Vertretung in Berlin siehe Die ILO und Deutschland.