Grüne Unternehmen müssen eine Schlüsselrolle in der grünen Transformation spielen

Die Transition hin zu grünen Arbeitsplätzen spielt eine immer wichtigere Rolle in der Transformation der Wirtschaft und nimmt im Arbeitsleben von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen eine große Bedeutung ein.

Pressemitteilung | 14. Dezember 2022
GENF (ILO News) – Laut einem neuen Bericht der ILO können Unternehmen eine Schlüsselrolle im Klimaschutz einnehmen und dazu beitragen, einen gerechten Übergang unter Beteiligung aller Stakeholder zu schaffen.

Greening Enterprises: Transforming processes and workplaces ist die erste ILO-Studie, die sich explizit auf die grüne Transformation von Unternehmen konzentriert. Die Studie zeigt, dass eine wachsende Zahl von Unternehmen Schritte unternimmt, um ihre Emissionen zu reduzieren und so auf Ressourcenknappheit, die gestiegene Häufigkeit von Naturkatastrophen und die Nachfrage von Konsument*innen und Kund*innen zu reagieren, die vermehrt eine proaktive Haltung in Klimafragen einfordern. Diese Fragen haben seit den 2010er Jahren mit der Rio+20-Konferenz und der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens an Wichtigkeit gewonnen.

Der Bericht identifiziert einige Treiber für das „Greening“ von Unternehmen: Vorgaben zu nachhaltigem Transport und der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen am Arbeitsplatz und Gesetzgebung zu grüner Beschaffung, Arbeitszeitorganisation, Telearbeit, und nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Werte von Unternehmer*innen und Ansprüche der Arbeitnehmer*innen an eine gesunde Arbeitsumgebung sind starke Treiber für den Wandel hin zu grünen Unternehmen. Laut Report wurden zwei Drittel der Vorgaben, die im Jahr 2019 in Kraft waren, nach 2004 erlassen, was auf weitläufige Anpassungsanstrengungen der Unternehmen in diesem Zeitraum in allen Regionen hindeutet. Nach den aktuellen Daten des Eurobarometers (eine Umfrage der Europäischen Union, die auch die USA und Staaten mit Beitrittskandidatenstatus, z.B. die Türkei erfasst) ergreifen neun von zehn befragten Unternehmen Maßnahmen, um eine grüne Transformation zu unterstützen. Innerhalb dieser Umfrage variierten jedoch die Anteile zwischen 99% in Norwegen und 58% in Albanien.

Auch in Ländern mit geringerem und Ländern mit gehobenen mittleren Einkommen außerhalb von Europa ergreifen die meisten Unternehmen im formalen Sektor Maßnahmen, um eine grüne Transformation voranzubringen. Unter den 65 untersuchten Staaten und Gebieten waren Asien, Europa und Lateinamerika die aktivsten Regionen in der Förderung von Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass größere Unternehmen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, ressourceneffiziente Maßnahmen zu implementieren und grüne Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Dies liegt zum Teil darin begründet, dass größere Unternehmen einfacheren Zugang zu grüner Technologie haben und mehr rechtlichen Vorgaben unterworfen sind. Aber auch viele Mikrounternehmen und kleinere und mittlere Unternehmen (MSMEs) implementieren Schritte, um Energie, Ressourcen und Müll einzusparen.

Sowohl Arbeitnehmer*innen als auch Arbeitgeber*innen äußern vermehrt, dass ihnen das „Greening“ von Arbeitsplätzen wichtig ist. Dies schließt auch Fragen nach nachhaltigem Transport, Ressourcenverbrauch, Abfallvermeidung, Arbeitsorganisation und nachhaltigem Essen am Arbeitsplatz mit ein.

Gleichwohl bestehen für Unternehmen viele Hürden auf dem Weg zu einer grünen Transformation. Für multinationale Unternehmen ergeben sich Unsicherheiten mit Bezug auf Klimapolitik, begrenzte Verfügbarkeit grüner Technologien und Fragen nach dem Return of Investment. MSMEs sind mit einem begrenzten Zugang zu Finanzmitteln und Kompetenzen, einem Mangel an Information und Wissen zu Innovationen und einer inkonsistenten Durchsetzung von Regulierung konfrontiert.

Der Bericht beinhaltet zudem Empfehlungen, die Unternehmen helfen, umweltfreundliche Praktiken umzusetzen und zu einem gerechten Übergang zu kommen. Diese beinhalten unter anderem die Unterstützung eines fördernden Arbeitsumfelds durch die Verbesserung von politischen und regulativen Rahmenbedingungen; größere strategische Klarheit für Unternehmen und andere Akteure; Vorbereitung von Manager*innen und Mitarbeiter*innen auf die Auswirkungen auf Jobs, gefragte Kompetenzen und Löhne (sowohl in Sektoren die schrumpfen werden, als auch in Sektoren, in denen Jobs entstehen werden) und das Vorgehen gegen Geschlechterungleichheit, auch durch Weiterbildung, so dass Frauen von der Entstehung von grünen Jobs profitieren können.