Welttag gegen Kinderarbeit

Grundlegende Ursachen von Kinderarbeit beseitigen

Die grundlegenden Ursachen für Kinderarbeit müssen angepackt werden, einschließlich unbezahlte Familienarbeit in der Landwirtschaft. Dies betonte ILO-Generaldirektor Guy Ryder auf der Internationalen Arbeitskonferenz auf einem Panel zum Welttag gegen Kinderarbeit.

Nachricht | 6. Juni 2018
Genf (ILO-News) – Guy Ryder rief zum sofortigen Handeln auf, um die grundlegenden Ursachen von Kinderarbeit zu beseitigen. Die Aufmerksamkeit sei dafür nicht nur auf globale Lieferketten zu lenken, sondern ebenso auf unbezahlte Arbeit in der Landwirtschaft.

„Die Herausforderung liegt nicht nur bei weltweit gehandelten Textilien, Tabak und Kakao, es geht auch um lokale Märkte für Sorghum, Hirse, Ziegel und auch in der Hausarbeit ist Kinderarbeit verbreitet“, so Guy Ryder auf einem Panel während der Internationalen Arbeitskonferenz im Vorfeld zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni.

152 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren sind Kinderarbeiter. Zwischen 2012 und 2016 gab es „fast keinen Rückgang bei Kinderarbeitern im Alter zwischen 5 und 11 Jahren. Die Anzahl der  verletzbaren jüngsten Kinder in gefährlicher Arbeit steigt aktuell sogar.“ Ursächlich hierfür ist auch Kinderarbeit in der Landwirtschaft – in den meisten Fällen unbezahlte Familienarbeit. „Die Kinder beginnen ihre Arbeit im Alter von sechs oder sieben Jahren. Wenn sie älter werden leisten sie oft gefährliche Arbeiten.“

Die Veranstaltung feierte gleichzeitig den 20. Geburtstag des „Global March against Child Labour“. 1998 übernahmen hunderte Marschierer, darunter viele Kinder, das Podium der Internationalen Arbeitskonferenz, auf der die Delegierten den Weg für die Verabschiedung des ILO-Übereinkommen 182 zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit im Folgejahr ebneten.
 
Der indische Kinderrechtsaktivist und Nobelpreisträger Kailash Satyarthi, der den Marsch damals anführte, betonte in seiner Rede, dass noch sehr viel zu tun bleibt:
„Wenn Kinder für internationalen Lieferketten arbeiten, wenn Kinder versklavt werden, wenn Kinder gehandelt werden wie Tiere - manchmal für weniger als für den Preis eines Tieres – wenn sie auf Feldern und Höfen arbeiten, in Läden und Fabriken, in Haushalten als Hausangestellte, dann ist das ein Schandfleck für die Menschheit,“ so Satyarthi.

Basu Rai aus Nepal, der 1998 als jüngster Marschierer in Genf dabei war sagte:  „Es gibt immer noch 152 Millionen Kinder, die an dieser Form der Sklaverei leiden. Es wird höchste Zeit gemeinsam daegegen vorzugehen.“

Viele Delegierte mussten ihre Tränen zurückhalten, als Zulema Lopez über ihre Zeit als Kinderarbeiterin in den Vereinigten Staaten berichtete. „Im Alter von sieben Jahren … war es völlig normal für mich, um fünf Uhr morgens aufzustehen, mein T-Shirt und meine Schuhe anzuziehen und zur Arbeit zu gehen, in der glühenden Hitze, neben mir 20 bis 30 Pfund schwere Gurkeneimer, um uns durchzubringen.“

Sue Longley, Generalsekretärin der Internationalen Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Catering-, Tabak- und anverwandter Arbeitnehmerverbände (IUL) unterstrich die Notwendigkeit, den Fokus auf die Landwirtschaft zu richten, wo 70 Prozent der Kinderarbeit stattfinden.

Nazrene Mannie, Board of Business Unity, Südafrika hob  die Schwierigkeiten hervor, Kinderarbeit in Familienhöfen oder Unternehmen zu erkennen, da die Kinder oft ausserhalb des öffentlichen Blickfeldes arbeiten.

Der diesjährige Welttag gegen Kinderarbeit will die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit für junge Menschen fördern. Die Unfallrate unter Jugendlichen ist höher als unter älteren Arbeitnehmern, so Mariam Kamissoko vom Nationalen Fond für Soziale Sicherheit aus der Elfenbeinküste.