Mehr Beschäftigung durch höhere Gesamtnachfrage
Von Guy Ryder, Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation
6. September 2013
In den letzten Monaten haben wir vielversprechende Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung gesehen: In der Eurozone scheint das Wachstum zurückgekehrt zu sein. Für die amerikanische Wirtschaft wird für 2014 das größte Wachstum seit 2005 vorausgesagt. Ebenso hat China Fortschritte im produzierenden Gewerbe zu verzeichnen. Das sind gute Nachrichten – aber wie sehen die Details hinter den Schlagzeilen aus? Hier zeigt sich ein heterogenes und besorgniserregendes Bild.
Die Arbeitslosigkeit ist noch immer auf einem unakzeptablen hohen Niveau: Prognostiziert wird ein weltweiter Anstieg von derzeit 200 Millionen Menschen auf fast 208 Millionen im Jahr 2015.
In den meisten G20-Ländern haben sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt entweder gar nicht oder nur sehr wenig verbessert. In einigen Fällen haben sie sich hingegen bedeutend verschlechtert. Die Rate der Jugendarbeitslosigkeit ist in fast allen G20-Ländern – außer in Japan und Deutschland – doppelt so hoch wie die Arbeitslosenrate der Erwachsenen.
Viele Arbeitnehmer unterliegen sehr schlechten Arbeitsbedingungen, häufig arbeiten sie befristet oder unfreiwillig in Teilzeit. In mehreren Ländern wie Japan, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Spanien ist der reale Durchschnittlohn gefallen oder sein Anstieg hat sich verlangsamt. In den entwickelten Ländern zeigen die Reallöhne ein unterschiedliches Tempo, einige steigen schnell, andere verzeichnen nur Lohnzuwächse unterhalb des Niveaus vor der Krise.
In der Vorbereitung für den G20 Gipfel in Sankt Peterburg setzen sich die Unstimmigkeiten über den besten Weg für die Zukunft fort: Sparpolitik gegen Wachstumspolitik.
Dennoch sind wir uns in einem Punkt einig: Auf weltweitem Niveau gibt es eine zu geringe Gesamtnachfrage. Mit anderen Worten: die weltweite Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen reicht nicht aus, um Millionen Menschen, die arbeiten möchten, zu beschäftigen oder Unternehmen das Vertrauen zu geben, zu expandieren. Alle Schlüsselzahlen für die Nachfrage – Konsumausgaben, Investitionen, Ausgaben der Regierungen und Exporte – bleiben unterhalb derer vor der Krise.
Es ist ein Teufelskreis, der einen Dominoeffekt in den anderen Bereichen verursacht: die Nachfrage der Verbraucher kommt aus Haushalten, deren Einkommen durch die jahrelang stagnierenden Löhne zu gering ist. Das heißt, die Verbraucher können sich die Waren und Dienstleistungen, die das Wachstum stimulieren, nicht leisten. Dies wiederum wirkt sich auf die Höhe der Investitionen aus, da die Unternehmen nur dann investieren, wenn die Nachfrage vorhanden ist. Die Sparpolitik, die von vielen Regierungen in den letzten Jahren verfolgt wurde, vermindert die staatliche Nachfrage. Auf internationaler Ebene ist Handel ein geschlossenes System - nicht jeder kann Nettoexporte als Ausweg aus der Krise haben.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen werden mehr hochwertige Arbeitsplätzen und eine erhöhte Produktivität benötigt. Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik muss einander sinnvoll ergänzen. Dies wurde im Juli 2013 auf der ersten gemeinsamen Sitzung der G20 Arbeits- und Finanzminister in Moskau vereinbart.
Wenn es einen fiskalischen Spielraum gibt, sollten Regierungen in den Bau von Straßen, Schulen und anderer Infrastruktur investieren. Langfristig wird die Effizienz ihrer Volkswirtschaften zunehmen, während kurzfristig dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden. Australien, Kanada, Indonesien und Japan haben erhebliche Ressourcen für Investitionen in die Infrastruktur bereitgestellt.
Kreditvergaben an kleine und mittelständische Unternehmen sollten erleichtert werden. Dies kann dazu beitragen, ein solides inländisches Investitions-und Geschäftsklimas zu schaffen, das zu mehr hochwertigen Arbeitsplätzen führt.
Eine gute Arbeitsmarktpolitik ist für die Verbesserung der Gesamtnachfrage entscheidend. Dazu gehören entsprechend festgesetzte Mindestlöhne und eine Politik, die die Zusammenhänge zwischen Produktivität und Löhnen beachtet, da erhöhte Löhne zu erhöhter Nachfrage führen. China verfolgt aktiv und erfolgreich diese Politik durch deutliche Steigerungen der Mindestlöhne in den letzten Jahren.
Auch Programme, die die sozialen Sicherungssysteme erweitern, sind notwendig. Diese Programme dienen dazu, Familien widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Erschütterungen zu machen und die Gesamtnachfrage zu steigern. Brasilien hat erfolgreich ein Programm für Menschen in Armut aufgelegt, bestehend aus einer Kombination von Geldtransfers, Beschäftigungsmöglichkeiten und Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen.
Wir hoffen, dass wir die ersten Anzeichen einer Erholung sehen. Das Wachstum ist jedoch noch zu begrenzt und zerbrechlich und eine Verbesserung der Beschäftigungslage ist nicht zu erkennen.
Mit dem richtigen Mix aus Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik können wir den Teufelskreis, der die Weltwirtschaft ergriffen hat aufbrechen, zur Schaffung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen für die Menschen.
Die Arbeitslosigkeit ist noch immer auf einem unakzeptablen hohen Niveau: Prognostiziert wird ein weltweiter Anstieg von derzeit 200 Millionen Menschen auf fast 208 Millionen im Jahr 2015.
In den meisten G20-Ländern haben sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt entweder gar nicht oder nur sehr wenig verbessert. In einigen Fällen haben sie sich hingegen bedeutend verschlechtert. Die Rate der Jugendarbeitslosigkeit ist in fast allen G20-Ländern – außer in Japan und Deutschland – doppelt so hoch wie die Arbeitslosenrate der Erwachsenen.
Viele Arbeitnehmer unterliegen sehr schlechten Arbeitsbedingungen, häufig arbeiten sie befristet oder unfreiwillig in Teilzeit. In mehreren Ländern wie Japan, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Spanien ist der reale Durchschnittlohn gefallen oder sein Anstieg hat sich verlangsamt. In den entwickelten Ländern zeigen die Reallöhne ein unterschiedliches Tempo, einige steigen schnell, andere verzeichnen nur Lohnzuwächse unterhalb des Niveaus vor der Krise.
In der Vorbereitung für den G20 Gipfel in Sankt Peterburg setzen sich die Unstimmigkeiten über den besten Weg für die Zukunft fort: Sparpolitik gegen Wachstumspolitik.
Dennoch sind wir uns in einem Punkt einig: Auf weltweitem Niveau gibt es eine zu geringe Gesamtnachfrage. Mit anderen Worten: die weltweite Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen reicht nicht aus, um Millionen Menschen, die arbeiten möchten, zu beschäftigen oder Unternehmen das Vertrauen zu geben, zu expandieren. Alle Schlüsselzahlen für die Nachfrage – Konsumausgaben, Investitionen, Ausgaben der Regierungen und Exporte – bleiben unterhalb derer vor der Krise.
Es ist ein Teufelskreis, der einen Dominoeffekt in den anderen Bereichen verursacht: die Nachfrage der Verbraucher kommt aus Haushalten, deren Einkommen durch die jahrelang stagnierenden Löhne zu gering ist. Das heißt, die Verbraucher können sich die Waren und Dienstleistungen, die das Wachstum stimulieren, nicht leisten. Dies wiederum wirkt sich auf die Höhe der Investitionen aus, da die Unternehmen nur dann investieren, wenn die Nachfrage vorhanden ist. Die Sparpolitik, die von vielen Regierungen in den letzten Jahren verfolgt wurde, vermindert die staatliche Nachfrage. Auf internationaler Ebene ist Handel ein geschlossenes System - nicht jeder kann Nettoexporte als Ausweg aus der Krise haben.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen werden mehr hochwertige Arbeitsplätzen und eine erhöhte Produktivität benötigt. Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik muss einander sinnvoll ergänzen. Dies wurde im Juli 2013 auf der ersten gemeinsamen Sitzung der G20 Arbeits- und Finanzminister in Moskau vereinbart.
Wenn es einen fiskalischen Spielraum gibt, sollten Regierungen in den Bau von Straßen, Schulen und anderer Infrastruktur investieren. Langfristig wird die Effizienz ihrer Volkswirtschaften zunehmen, während kurzfristig dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden. Australien, Kanada, Indonesien und Japan haben erhebliche Ressourcen für Investitionen in die Infrastruktur bereitgestellt.
Kreditvergaben an kleine und mittelständische Unternehmen sollten erleichtert werden. Dies kann dazu beitragen, ein solides inländisches Investitions-und Geschäftsklimas zu schaffen, das zu mehr hochwertigen Arbeitsplätzen führt.
Eine gute Arbeitsmarktpolitik ist für die Verbesserung der Gesamtnachfrage entscheidend. Dazu gehören entsprechend festgesetzte Mindestlöhne und eine Politik, die die Zusammenhänge zwischen Produktivität und Löhnen beachtet, da erhöhte Löhne zu erhöhter Nachfrage führen. China verfolgt aktiv und erfolgreich diese Politik durch deutliche Steigerungen der Mindestlöhne in den letzten Jahren.
Auch Programme, die die sozialen Sicherungssysteme erweitern, sind notwendig. Diese Programme dienen dazu, Familien widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Erschütterungen zu machen und die Gesamtnachfrage zu steigern. Brasilien hat erfolgreich ein Programm für Menschen in Armut aufgelegt, bestehend aus einer Kombination von Geldtransfers, Beschäftigungsmöglichkeiten und Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen.
Wir hoffen, dass wir die ersten Anzeichen einer Erholung sehen. Das Wachstum ist jedoch noch zu begrenzt und zerbrechlich und eine Verbesserung der Beschäftigungslage ist nicht zu erkennen.
Mit dem richtigen Mix aus Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik können wir den Teufelskreis, der die Weltwirtschaft ergriffen hat aufbrechen, zur Schaffung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen für die Menschen.