Weiter große Ungleichheit zwischen Frauen und Männern auf den Arbeitsmärkten

In einer Studie zum Internationalen Frauentag fordert die ILO eine stärkere Orientierung der Arbeitsmarktpolitik am Ziel der Gleichberechtigung

Nachricht | 8. März 2010
Trotz einiger Fortschritte bei der Gleichberechtigung von Frauen bleiben weltweit große Unterschiede bei den Beschäftigungschancen, bei der Qualität der Arbeit und bei der Bezahlung bestehen. Dies zeigt ein anlässlich des Internationalen Frauentages veröffentlichter neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Demnach ist bei den Frauen weltweit die Erwerbsquote zwischen 1980 und 2008 von 50,2 auf 51,7 Prozent angestiegen, während sie bei Männern von 82 auf nunmehr 77,7 Prozent zurückging. Der Anstieg der Erwerbsquote bei Frauen war fast überall zu beobachten mit Ausnahme von Ost- und Südosteuropa, den ehemaligen Sowjetrepubliken und Ostasien. Nach deutlichen Verbesserungen in den 1980er- und den frühen 1990er-Jahren hat sich der Zuwachs jedoch verlangsamt.

Zugleich ging der Anteil von berufstätigen Frauen, die in ungeschützten Arbeitsverhältnissen stehen, beispielsweise als Selbständige im informellen Sektor oder als Mithelfende im Familienbetrieb, von 55,9 im Jahr 1999 auf jetzt 51,2 Prozent zurück.

"Während sich also in einigen Bereichen die Situation seit der UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 spürbar verbessert hat, genießen Frauen immer noch nicht dieselben Rechte auf dem Arbeitsmarkt wie Männer", erklärt die Hauptautorin des Berichts, Sara Elder von der ILO-Abteilung für Beschäftigungstrends. "Nach wie vor beobachten wir, dass viel mehr Frauen als Männer prekäre und geringbezahlte Arbeit annehmen - entweder weil das die einzigen für sie zugänglichen Jobs sind oder weil sie anders die Anforderungen von Erwerbsarbeit und Familie nicht miteinander vereinbaren können. Männer unterliegen diesen Zwängen im Allgemeinen nicht."

Der Bericht verweist auf drei Bereiche, in denen die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen besonders hartnäckig weiterbesteht: Erstens ist fast die Hälfte (48,4 Prozent) der Frauen auf der Welt ohne Erwerbseinkommen – verglichen mit 22,3 Prozent bei den Männern. In einigen Ländern kommen nicht einmal vier erwerbstätige Frauen auf 10 erwerbstätige Männer. Zweitens fällt es Frauen schwerer als Männern, Jobs zu finden. Und drittens erhalten sie, selbst wenn sie Arbeit gefunden haben, geringere Löhne und Sozialleistungen als Männer.

"Arbeitsmärkte und Arbeitsmarktpolitik müssen viel stärker auf Gleichberechtigung hin orientiert sein und dabei die unterschiedlichen Werte, die Männer und Frauen einbringen, aber auch die unterschiedlichen Einschränkungen, denen sie unterliegen, berücksichtigen", so die Autorin der Berichts, Sara Elder, weiter.

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich dem Bericht zufolge zunächst vor allem auf Branchen wie den Finanzsektor, das verarbeitende Gewerbe und die Bauindustrie ausgewirkt, in denen Männer dominieren. Doch mittlerweile sind die Folgen auch in anderen Bereichen wie dem Dienstleistungssektor spürbar, wo Frauen stark vertreten sind. Die ILO schätzt, dass die Arbeitslosenrate unter Frauen weltweit seit dem Beginn der Krise 2007 von 6 Prozent auf 7 Prozent im vergangenen Jahr angestiegen ist – stärker als bei Männern, wo ein Anstieg von 5,5 auf 6,3 Prozent zu beobachten war.

Die größten Rückschläge könnten dabei den Frauen erst noch bevorstehen: "Wir wissen von früheren Krisen, dass weibliche Arbeitslose größere Schwierigkeiten haben als Männer, in einem beginnenden Konjunkturaufschwung wieder Arbeit zu finden", sagte Elder. "Umso wichtiger ist es sicherzustellen, dass Gleichberechtigung nicht nur eine Schönwetterpolitik ist, die in schlechten Zeiten durch den Rost fällt. Frauenpolitik ist als ein Instrument zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung zu sehen und nicht als Kostenfaktor."

Die Direktorin des ILO-Büros für Gleichberechtigung der Geschlechter, Jane Hodges, betonte, dass der von der Internationalen Arbeitskonferenz 2009 getroffene Beschluss über Gleichberechtigung im Zentrum menschenwürdiger Arbeit ein Leitfaden für die ILO-Konstituenten sei bei der Gestaltung von frauenfreundlichen Arbeitsmärkten. Der Beschluss sieht unter anderem vor, die Lohnungleichheit zu bekämpfen, die wirtschaftliche Autonomie von Frauen zu stärken, etwa indem ihnen Möglichkeiten zur Unternehmensgründung eröffnet werden, die Rolle von Frauen im sozialen Dialog zu stärken und den Sozialschutz für alle zu verbessern.