ILO begeht 100. Frauentag

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) begeht die Hundertjahrfeier des Internationalen Frauentages unter dem Motto "Die konjunkturelle Erholung muss den Frauen nützen".

Nachricht | 8. März 2011
100 Jahre nach der ersten offiziellen Feier 1911 gibt es nach Auffassung der ILO trotz einiger Fortschritte immer noch viel zu tun, um Gleichberechtigung in der Welt der Arbeit zu erreichen. „Die Krise hat die schon bestehende Ungleichheit deutlicher gemacht und teilweise noch verstärkt“, sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia in Genf. „Gleichberechtigung zu erreichen bleibt eine große Herausforderung. Eine nachhaltige und gerechte Wirtschaftserholung setzt ebenso wie eine faire Globalisierung eine gleichstellungsorientierte Politik voraus.“

Aktuellen ILO-Daten zufolge leiden Frauen und Männer immer noch unter den Folgen der Krise. So lag die weltweite Arbeitslosenrate 2010 unter Männern bei 6 Prozent, bei Frauen aber bei 6,5 Prozent.
Jane Hodges, die Direktorin des ILO-Büros für Gleichberechtigung, verweist überdies darauf, dass erwerbstätige Frauen nach wie vor auf bestimmte Berufe festgelegt bleiben, in denen schlechte Bezahlung, lange Arbeitszeiten sowie oftmals informelle Arbeitsbedingungen vorherrschen. Dies spiegelt sich auch im größeren Anteil von Frauen in ungeschützter Beschäftigung wider: Sind es unter den Frauen 51,8 Prozent aller Beschäftigten, liegt der Anteil von Männern weltweit bei 48,9 Prozent. Frauen sind auch in Hinblick auf Aus- und Fortbildung gegenüber Männern benachteiligt, besonders in den Entwicklungsländern.

Die ILO hat die Nichtdiskriminierung und das Prinzip ‚Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit‘ seit ihrer Gründung 1919 auf ihre Fahnen geschrieben. 2009 hat die Internationale Arbeitskonferenz eine Resolution über Gleichberechtigung als Herzstück menschenwürdiger Arbeit beschlossen, die sich für die Gestaltung von Arbeitsmärkten einsetzt, an denen Frauen sich frei und aktiv beteiligen können. Im selben Jahr verabschiedete die Internationale Arbeitskonferenz den Globalen Beschäftigungspakt, um die sozialen Folgen der Krise zu abzumildern. Unter anderem ist auch darin die Empfehlung enthalten, dass Maßnahmen zur Krisenbekämpfung Fragen der Gleichberechtigung berücksichtigen sollen.

Aus Anlass des 100. Jubiläums des Internationalen Frauentags befassten sich in Genf auf einer Podiumsdiskussion Expertinnen und Experten mit der Bedeutung der Gleichberechtigung für eine nachhaltige und gerechte Wirtschaftserholung.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie die Maßnahmen zur Bekämpfung der schlimmsten Krise seit der Weltwirtschaftskrise der 1930-er Jahre einen Beitrag dazu leisten können, gleiche Rechte für Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt sicherzustellen. Dazu gehören zum Beispiel Fortbildungsmaßnahmen, die sich in das von den Vereinten Nationen gesetzte Thema des 100. Frauentags einfügen, das da lautet „Gleichberechtigter Zugang zu Aus- und Fortbildung sowie Wissenschaft und Technologie: der Weg zu menschenwürdiger Arbeit für Frauen “.

Der Internationale Frauentag wurde erstmals offiziell 1911 gefeiert. Damals stand in Ländern wie Deutschland und Österreich die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen im Mittelpunkt, während in den USA Frauen vor allem gegen schlechte Arbeitsbedingungen demonstrierten, die unter anderem zu einem Feuer in einer New Yorker Textilfabrik mit 146 Toten geführt hatten.