Zum Welttag für soziale Gerechtigkeit am 20. Februar

Der Welttag für soziale Gerechtigkeit biete Anlaß zur Sorge, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia in Genf. Er forderte neue Denkansätze und mehr Kreativität, um wirtschaftliche Entwicklung mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden. Die Welt der Arbeit müsse dabei eine zentrale Rolle spielen.

Nachricht | 20. Februar 2012
Es gehe darum, das Problem von 600 Millionen fehlenden Jobs anzugehen – Arbeitsplätze für die weltweit 200 Millionen Arbeitslosen und die 400 Millionen Neuzugänge zum Arbeitsmarkt in den kommenden zehn Jahren. Darüber hinaus müsse die Ungleichheit verringert und der Arbeit wieder mehr Wert beigemessen werden. Denn die wachsende Ungleichheit gehe mit einer Entwertung der Arbeit einher. Das habe negativen Folgen für die menschliche Würde und den gesellschaftlichen Frieden, aber auch für die globale Nachfrage und damit die konjunkturelle Entwicklung.

Außerdem müsse der soziale Dialog und die gesellschaftliche Konsensbildung in der Welt der Arbeit und in der Politik gestärkt werden, um den zivilgesellschaftlichen Bewegungen in aller Welt entgegenzukommen, die mehr Teilhabe einfordern. Zudem müsse auch sichergestellt werden, dass der Finanzsektor der Realwirtschaft diene und dass Banken nicht länger zu groß sind, um pleitegehen zu können. Dies sei entscheidend dafür, die Potenziale kleiner und nachhaltiger Unternehmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu wecken.

Somavia betonte: "Die Welt steht vor der Wahl. Wir können weitermachen mit einer Politik, die in die Krise geführt hat. Oder wir können die Vision einer Gesellschaft und eines wirtschaftlichen Wachstumsmodells entwickeln, die auf der Würde der Menschen aufbaut und die eine nachhaltige Entwicklung und menschenwürdige Arbeit für alle in einer neuen Ära sozialer Gerechtigkeit verspricht."

Die Notwendigkeit des Handelns zeigten die Zahlen: Rund 1,1 Milliarden Menschen seien weltweit entweder arbeitslos oder lebten trotz Arbeit unterhalb der Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag. Das betreffe jede/n dritte/n Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin in der Welt. 75 Millionen Jugendliche seien arbeitslos, die Hälfte aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen prekär beschäftigt, und ebenso viele genießen keinen sozialen Schutz.